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In den letzten Monaten sah es am Aktienmarkt sehr rosig aus, doch kommt jetzt vielleicht die Inflation?

Die Aktienmärkte eilten wie die hochsommerlichen Temperaturen im August von einem Höchststand zum nächsten. Die Lokomotive für die globalen Aktienmärkte waren die US-Technologieaktien. Getrieben von den Liquiditätsmaßnahmen der global wichtigen Zentralbanken und Fiskalprogramme im Volumen von mehr als zehn Billionen US-Dollar jagten die Titel nahezu vertikal nach oben. Die großen sechs US-Technologieunternehmen geben den Ton an den Börsen an, sie bewegen die wichtigen Aktienmarkt-Indizes.

Zur Veranschaulichung: Tesla wies Ende August eine Marktkapitalisierung von 500 Mrd. USD auf, das entsprach dem zwölffachen der BMW AG. Der US-amerikanische S&P 500 Index und der Nasdaq 100 Index entfernten sich in dieser Phase bis zu 30% von ihren langfristigen gleitenden Durchschnitten. Das ist bis auf die Übertreibungen während der Dotcom-Blase Anfang der 2000er Jahre – da entfernte sich der Nasdaq 100 Index 60% von seiner 200-Tage-Linie – ein neuer Rekord.

Die von Zentralbanken mit allen Mitteln erhoffte Inflation findet sich derzeit noch nicht in der Realwirtschaft wieder, jedoch in den Preisen für Vermögensgegenstände. Diese Tatsache ist nicht neu, die Covid-19 Pandemie mit ihren gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen heben diese in eine neue Dimension.

Bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter

In den vergangenen beiden Wochen tagten die wichtigen Zentralbanken EZB, Fed und Bank of Japan. Wie zu erwarten, halten alle Zentralbanken an ihrem eingeschlagenen Weg fest. Das hat nicht ausgereicht, um den Technologie-Index Nasdaq 100 nach seiner Korrektur von 12% Anfang September zu neuen Höhenflügen zu verhelfen.

Die Europäische Zentralbank macht erst einmal weiter wie bisher. Sie hat ihre BIP-Prognosen für 2020 angehoben, bleibt aber weiterhin skeptisch. Ihr Preisziel wird sie nach ihrer Einschätzung auch noch 2022 verfehlen. Neue expansive Maßnahmen sind wahrscheinlich. Die US-Notenbank Fed hat ebenfalls keine Änderungen bei ihren Lockerungsmaßnahmen vorgenommen.

Aufgrund der im August vorgestellten Strategieanpassung erwarten wir weitere Lockerungsmaßnahmen und Nullzinsen bis ins Jahr 2023 und darüber hinaus. Wir dürfen uns auf ein weiteres Jahrzehnt mit Asset-Kaufprogrammen, Negativ-Zinsen und Helikoptergeld vorbereiten – mit dem obersten Ziel einer Inflationsrate um die 2%.

Ketchup-Prinzip: Inflation kehrt in 2021 zurück

Mit der Generierung und Kontrolle von Inflation ist das so eine Sache. Letztlich kann man sich eine Ketchup-Flasche vorstellen. Zuerst schüttelt man wie verrückt, es kommt aber nichts heraus – und dann ist auf einmal der komplette Teller voll. Seit der Lehman-Pleite sah sich die Weltwirtschaft mit niedrigen Inflationsraten und deflationären Tendenz konfrontiert. Megatrends wie die Globalisierung, Digitalisierung und der demografische Wandel haben zu niedrigen Inflationsraten geführt.

Die Covid-19 Pandemie wird die „Geiz ist Geil“-Mentalität nach unserer Einschätzung verändern. Lieferketten werden neu geordnet, die zu steigenden Preisen führen. Zudem hat die Covid-19 Pandemie zu einem starken Einbruch bei Rohstoffen in den ersten beiden Quartalen 2020 geführt. Eine konjunkturelle Erholung, die durch einen wirkungsvollen Impfstoff an Dynamik gewinnen könnte, wird zu zwangsläufig steigenden Preisen an den Rohstoffmärkten führen. Erste Indikatoren können wir schon jetzt wahrnehmen.

Die Rohstoff-Preise konnten sich seit den März-Tiefstständen um durchschnittlich 50% erholen. Die langfristigen Inflationserwartungen liegen mittlerweile wieder auf den Niveaus aus Dezember 2019. Die Zentralbanken werden auf Inflationsraten, die nach ihrer Definition „mäßig“ über der Zwei-Prozentmarke liegen, nicht reagieren – vielmehr werden sie steigende Zinsen verhindern wollen.

David Wehner

Mit Blick auf die nächsten zwölf Monate eignen sich zwei Asset-Klassen besonders für Investoren: Zum einen Gold, welches einen realen Vermögenswert darstellt und gegen eine steigende Inflation und fallende Realzinsen schützt. Zum anderen Aktien, die zwar bei Weitem nicht mehr so attraktiv sind wie im März dieses Jahres – aber in einem inflationären Szenario positive Renditen erzielen können, was kaum mit einer anderen Asset-Klasse gelingen wird.