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Laut aktueller Analyse von FCF Fox Corporate Finance schwächelte der europäische IPO-Markt im ersten Halbjahr des Jahres: In den ersten sechs Monaten 2019 wagten deutlich weniger Unternehmen den Schritt aufs Parkett als in den beiden Vergleichszeiträumen zuvor.

Insgesamt gab es im ersten Halbjahr 2019 laut Erhebungen von FCF 16 IPOs in Europa – im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres waren es noch 59 gewesen. Das Emissionsvolumen sank deutlich auf 6,5 Mrd. EUR und ging damit gegenüber dem ersten Halbjahr 2018 (12,6 Mrd. EUR) um 48% zurück. „Die Entwicklung des europäischen IPO-Markts ist ernüchternd – und das erstreckt sich über alle Segmente“, betont Arno Fuchs, CEO von FCF.

Im Bereich der Small Cap IPOs (IPOs mit einem Emissionsvolumen zwischen 50 und 100 Mio. EUR) etwa gab es im ersten Halbjahr nur noch einen einzigen Börsengang, nachdem dort im zweiten Halbjahr 2018 noch vier IPOs zu verzeichnen waren. Doch auch bei Micro (Emissionsvolumen bis 50 Mio. EUR und Medium Caps (100 bis 250 Mio. EUR) ging die Anzahl der IPOs von neun auf sechs bzw. von vier auf drei zurück. Lediglich bei den Large Caps (mehr als 250 Mio. EUR) war das Niveau mit sechs Emissionen zumindest gleichbleibend.

In den vegangenen sechs Monaten konnte nur Großbritannien etwas höhere Aktivitäten bei Börsengängen aufweisen als der Durchschnitt. „Die starke britische Präsenz im IPO-Markt ist schon Tradition, haben angelsächsische und internationale Unternehmer doch grundsätzlich weniger Scheu vor dem Gang an die Öffentlichkeit“, erklärt Arno Fuchs. Allerdings enttäusche der Blick auf die absoluten Zahlen auch hier: „Der UK-Markt war zuletzt nur noch für sieben IPOs verantwortlich, im ersten Halbjahr 2018 waren es noch 15 gewesen,“ so Fuchs. Die Entwicklung erstreckt sich seiner Ansicht nach auch über alle Branchen: „Die Vorsicht ist selbst in den Industrien zu spüren, die sonst nicht so zurückhaltend sind – nach 17 IPOs im Information-Technology-Sektor in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres sind es im ersten Halbjahr 2019 nur fünf aus diesem Bereich gewesen.“

Dass die Skepsis gegenüber Börsengängen von Seiten der Unternehmen in Europa insgesamt noch größer geworden ist, führt Arno Fuchs auf verschiedene Aspekte zurück: „Die Gründe für die Flaute sind vielfältig – Börsenentwicklung und Volatilität gehören definitiv dazu“, so der FCF-CEO. Deren Ursachen lägen auf der Hand: „Auch im bisherigen Jahresverlauf 2019 hat die

Weniger IPO-Absagen

Immerhin gab es in den zurückliegenden sechs Monaten mit dem dänischen Pharma-Parallelhändler Abacus Medicine nur eine Absage, anders als im zweiten Halbjahr 2018, als acht Börsengänge gestrichen wurden, darunter seinerzeit die milliardenschweren IPOs des Flugzeugabfertigers Swissport und der Bordverpflegungsfirma Gategroup.

Die Kursentwicklung nach dem IPO rechtfertigt die Skepsis von Unternehmen im Übrigen nicht: Die durchschnittliche IPO-Performance liege mit plus 5,3% seit dem Börsengang in der ersten Hälfte des Jahres 2019 deutlich höher als im zweiten Halbjahr 2018 (-12% seit IPO). Aus Sicht der vergangenen zwei Jahre konnten vor allem „Large Cap IPOs“ punkten: So übertraf der FCF Large Cap IPO Index den MSCI Europe sowie den MSCI Europe Large Cap Index um 21 Prozentpunkte. „Die Wertentwicklung, speziell von Large Cap IPOs zeigt, dass eine grundsätzliche Skepsis gegenüber IPOs weder von Seiten der Unternehmen noch von Seiten der Anleger angebracht ist – im Gegenteil: Börsengänge sind und bleiben eine sehr gute Möglichkeit für Unternehmen an Eigenkapital zu kommen“, resümiert Arno Fuchs.

Im weltweiten Vergleich hatte der IPO-Markt im zweiten Quartal 2019 allerdings an Fahrt aufgenommen: Besonders in den USA stieg die Zahl der Börsengänge sowie das Emissionsvolumen im Vergleich zu Q2/2018 (vgl. EY-Analyse, in der auch Listings berücksichtigt werden).

Über den Autor

Svenja Liebig ist Redakteurin des GoingPublic Magazins sowie verantwortlich für goingpublic.de