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Die ungeplante Verbannung ins Homeoffice zwingt Investor Relations Manager neue Formen der Kommunikation auszuprobieren. Und das mitten in der IR-Hochsaison, wo neben der Veröffentlichung des Geschäftsberichts die Vorbereitung zur Hauptversammlung und Investorenkonferenzen anstehen. Erste praktische Erfahrungen und Tipps. Von Maximilian Fischer

Was in der Überschrift etwas unglaublich klingt, ist inzwischen Realität. Ein von Goldman Sachs durchgeführtes IPO während des Lockdowns hat es vorgemacht: statt den üblichen 1-on-1-Gesprächen des Vorstands mit den institutionellen Investoren gab es Telefon- und Videokonferenzen entlang der Zeitzonen. Morgens Asien, tagsüber Europa und abends die US-Investoren. In Zeiten extremer Marktvolatilität zählt jeder Tag für den Erfolg. Dank der digitalen Kommunikationsmöglichkeiten konnten die ursprünglich geplanten Roadshowtage halbiert werden. Darüber hinaus Einsparungen bei Reisekosten, Verpflegung, Druck und Versand von Präsentationen. Ein immenser Zeit- und Kostengewinn.

Digitale Kommunikation bei InvestorenmeetingsKommunikation

Die Rückmeldungen von Investoren und Vorständen zeigen deutlich die zunehmende Akzeptanz der neuen Formate. Vor wenigen Wochen noch hatten viele Kapitalmarktexperten wenig Erfahrung in den vielfältigen Möglichkeiten der Online-Kommunikation. Inzwischen hat sich das geändert. Seit die Mobilnetze über entsprechende Bandbreiten verfügen, kann nahezu jedes einigermaßen aktuelle Endgerät dafür benutzt werden. Gesonderte Investitionen sind nicht nötig. Online-Konferenzen sind dabei den Alltag zu erobern.

Videostreaming ist von nahezu überall aus möglich. Auch vom Homeoffice. Zumindest bei den Mitarbeitern, die nicht in netzstrukturschwachen Gegenden wohnen. Aus den lustigen und zum Teil peinlichen Mitschnitten von Videokonferenzen lassen sich einige wesentliche Punkte für die eigene Nutzung ableiten:

  • Den Zugang vor der virtuellen Konferenz unbedingt testen. Gegebenenfalls ist ein Softwaredownload erforderlich. Dieses Setup kostet Zeit.
  • Nutzung eines Headset oder In-Ear-Kopfhörer (am besten mit ANC Active Noise Cancellation). Achtung: Headsets in Verbindung mit einem virtuellen, individuellen Hintergrund ergeben oft das Bild eines Heiligenscheins.
  • Das Mikrofon sollte ausgeschalter sein (Mute Taste), wenn lediglich zugehört wird. Hintergrundgeräusche stören die anderen Teilnehmer.
  • Immer auf den Hintergrund achten. Die sichtbaren Familienbilder und Beschriftungen der Aktenordner im Arbeitszimmer geben dem Gegenüber gegebenenfalls mehr Informationen, als man will. Virtuelle Hintergrundbilder, wie von einigen Software-Apps angeboten, können eine gute Alternative sein.
  • Virtuell ist auch real. Den Teilnehmern der Videokonferenz sollte man sich so präsentieren, als würde man sie in der realen Welt persönlich treffen. Ein unrasiertes Gegenüber in Freizeitkleidung wirkt in geschäftlichen Gesprächen nicht sehr überzeugend. Online geführte Meetings werden gerne aufgezeichnet und auch mal in den sozialen Medien gepostet.
  • Unbedingt auf die Kameraposition achten. Die Perspektive von unten aufs Kinn ist unvorteilhaft und irritierend. Besser die Kamera höher positionieren und waagerecht in die Linse schauen.

Kommunikation auf Kapitalmarktkonferenzen

Nicht nur im individuellen Investor Relations Bereich wird Online Kommunikation eingesetzt. Durch die anhaltenden Beschränkungen für Veranstaltungen werden inzwischen auch Investorenkonferenzen aus den Konferenzräumen in das Internet verlagert. Dabei ist das Konzept der Interaktion für die Veranstaltung von entscheidender Bedeutung.

Bei einem schlichten Listen-In-Konzept besteht die Gefahr, dass sich die Zuhörer nach kurzer Zeit geistig ausklinken. Fragen an den Referenten können hierbei nicht gestellt werden. Ein kommunikativer Austausch findet nicht statt. Besser sind da Online-Meetings mit einem Moderator, der die eingehenden Fragen thematisch in Gruppen zusammenfasst und an den Referenten weiterleitet. Ohne Moderator müsste der Referent zum Publikum reden und gleichzeitig die eingehenden Fragen lesen und sortieren. Das schaffen die allerwenigsten und endet nur in langen Sprechpausen. Die Fragemöglichkeit beschränkt sich dabei häufig auf die schriftliche Eingabe über einen parallel laufenden Chat.

Hauptversammlung

Organisieren lassen sich projektbezogene Online-Meetings, z.B. für die Vorbereitung der ersten virtuellen Hauptversammlung, wie im analogen Leben. Bei Bedarf können sich wenige Teilnehmer in kleinere Foren zurückziehen und beraten, ohne den Ablauf der größeren Gruppe zu unterbrechen. Und später können sie ihre Ergebnisse in die Konferenz einbringen. Dabei kommt es oft vor, dass Mitarbeiter kommunizieren, die normalerweise wenig miteinander zu tun haben. Vorteil: Alle lernen sich besser kennen und der Austausch zwischen den Teams wird intensiviert. Auch für die Durchführung der Hauptversammlung gilt es im Vorfeld wichtige Fragen zu beantworten, wie z.B.: Wieviel Interaktion lassen wir vor und am Tag der Hauptversammlung zu? Grundsätzlich gilt: je mehr Interaktion zwischen den Beteiligten stattfindet, desto mehr Vorbereitung bezüglich Technik und Inhalt sind notwendig.

Privat treffe ich mich seit Wochen regelmäßig mit meinen Freunden zum virtuellen Kartenspielen über eine App, die sich jeder installiert hat. Es ist zwar kein Ersatz für das persönliche Treffen am analogen Wirtshaustisch, aber alle sind sich einig: es ist eine gute Alternative und verbunden mit einer gleichzeitig laufenden Videokonferenz sehr kurzweilig.

Fazit

Die technischen Möglichkeiten online über Ton und Bild zu kommunizieren etablieren sich zunehmend in der täglichen Investor Relations Arbeit. Die Akzeptanz auf beiden Seiten ist in den letzten Wochen extrem gestiegen –   diese zu nutzen bietet der ökonomische und ökologische Sachverstand. Es ist spannend zu beobachten, welche neuen Formate sich in den kommenden Monaten noch entwickeln werden. Die neue Situation wird unsere Kreativität sicher noch länger fordern.

Dieser Artikel erschien zuerst in unserem aktuellen Magazin. Unser E-Magazin finden sie hier

Max. equity marketing

Über den Autor

Max Fischer

Maximilian Fischer ist Gründer und Geschäftsführer der max. Equity Marketing GmbH.