Energieerzeuger Pacifico Renewables will am Montag, 30.11, mit seiner Kapitalerhöhung das nächste Kapitel bei seiner Expansion aufschlagen. Hierfür haben die Münchner eine klare Vorstellung herauskristallisiert. GoingPublic sprach mit den beiden Vorständen.

Meine Herren, die Pacifico Renewables ist ja noch recht jung und der Markt für Erneuerbare Energien hat seit Einführung des EEG schon viele Wettbewerber hervorgebracht. Wie sind Sie auf die Idee gekommen bzw. was war der Antreiber in den Markt jetzt einzusteigen?

Strasser: Wir kommen ja beide von J.P. Morgan aus der Bankenwelt und haben mit dem Großkundengeschäft zu tun gehabt, und in dem Zusammenhang auch viel mit der Versorgerindustrie. Dabei kam ich auch in Berührung mit Projekten aus dem Themenfeld Erneuerbare Energien und habe festgestellt, dass diese sehr wettbewerbsfähig sind und vielerorts die kostengünstigste Art und Weise darstellen, Strom zu erzeugen. Des Weiteren habe ich erfahren, wie hoch die Nachfrage von Investoren ist, in diesen Bereich zu investieren, während das Angebot an Investitionsmöglichkeiten gleichzeitig begrenzt ist. Das war die Idee von Pacifico, Investoren einen transparenten und einfachen Zugang zur Assetklasse Erneuerbare Energien zu geben und durch einen kapitalkosteneffizienten Ansatz die Energiewende ein Stück weit zu beschleunigen. Und das vor allem im Marktsegment kleiner und mittelgroßer Anlagen, das etwas schwerer zugänglich ist, aber einen zentralen Bestandteil – quasi das Rückgrat – der dezentralen Energiewende darstellt.
Siddiqui: Wir sind zwar an der Börse noch neu, aber natürlich konnten wir unsere Konzeptualisierung in Teilen schon auf einer gegebenen Infrastruktur aufsetzten. Unser strategischer Partner, die Pacifico Energy Partners GmbH („PEP“) besteht ja schon einige Jahre, in denen er in der Projektentwicklung aktiv war und ein Portfolio aufgebaut hat. Das heißt also, wir haben nicht von Null angefangen, sondern unser Geschäftsmodell auf einer bestehenden Infrastruktur und Expertise aufgebaut, um dieses auf den Kapitalmarkt zuzuschneiden und weiter zu professionalisieren.

Um das einordnen zu können: Wie kann man die von Pacifico aktuell installierte Kapazität von 81 MW einschätzen, bzw. inwieweit kann man damit  Haushalte, Kommunen oder gewerbliche Anlagen versorgen?
Strasser: Gegenwärtig ist die installierte Leistung noch eher gering, wir stehen ja erst am Anfang unserer Reise. Wir nehmen allerdings Abstand davon, Haushalte als Referenzgröße zu verwenden, da wir nicht das Bild transportieren möchten, ein Energieversorger zu sein. Als „grüner“ Energieerzeuger helfen wir allerdings dabei CO2 einzusparen. Wir sind stolz darauf, schon jetzt mit unserer jährlichen Stromproduktion ungefähr 62.000 Tonnen CO2 einzusparen. Das entspricht ungefähr dem jährlichen CO2-Ausstoß von 40.000 durchschnittlichen Kompaktautos.

Wie kann man sich das Zusammenspiel zwischen Ihnen und Ihrem Projektierungspartner vorstellen?
Strasser: Wir schätzen unseren strategischen Entwicklungspartner und die Zusammenarbeit mit ihm sehr. Herzstück der partnerschaftlichen Zusammenarbeit ist ein guter Mix aus Kompetenzen und ein regelmäßiger Austausch. Dies hilft zum Beispiel dabei, dass wir auf der einen Seite unser Feedback vom Kapitalmarkt in der Entwicklungsphase einbringen können und auf der anderen Seite eine bessere Visibilität auf Wachstumsmöglichkeiten erhalten.

In Phase II Ihrer Wachstumsstrategie wollen Sie die Leistung bis Ende 2021 mit Windanlagen in Polen und Deutschland sowie PV-Anlagen in Italien und den Niederlanden überproportional ausbauen. Klappt das?
Strasser: Ich glaube, wir haben uns ein sehr ambitioniertes Ziel gesetzt, etwa 400 MW bis Ende 2023 zu erreichen. Im Vergleich zum aktuellen Portfolio stellt dies eine Verfünffachung dar. Allerdings im Vergleich zur Entwicklungspipeline von ca. 600 MW, zu der wir über unseren strategischen Partner, die PEP, Zugang haben, besteht ein gewisser Puffer. Somit sind wir zuversichtlich, dass wir unser Ziel erreichen können. Es freut uns auch, dass wir dieses Jahr schon wichtige Erfolge erzielen konnten, z.B. mit dem Windparkprojekt in Rheinland-Pfalz, welches wir von einem lokalen Projektentwickler erwerben werden. Um unsere Wachstumsmöglichkeiten zu diversifizieren, ist es ein wichtiger Punkt für uns, dass wir zukünftig nicht nur mit der PEP, sondern auch mit anderen Entwicklungspartnern zusammenarbeiten und mit ihnen Transkationen umsetzen.

Und der Ausbau über 2023 hinaus? Sie fahren ja nicht auf Sicht bis dahin, sondern sind zuversichtlich, dass sich der bis dato ersichtliche Portfoliozuwachs fortsetzen wird?
Strasser: Absolut. Die ersten 400 MW sollen erst der Anfang sein. Wir verfolgen langfristig ambitionierte Ziele. Das Ziel, in dem Tempo bis 2023 zu wachsen, ist sicher ehrgeizig, aber zugleich gibt es in der Pipeline unseres strategischen Partners selbstverständlich Projekte, die nach 2023 fertiggestellt werden sollen. Die Projektentwicklung ist ein sehr langfristiges Geschäft und wir wollen nur Details zu Projekten zeigen, die schon hinreichend tangibel sind. Das heißt aber nicht, dass wir danach das Wachstum einstellen wollen.

Um den Blick wieder etwas auf den Kapitalmarkt zu verschieben: Warum haben Sie sich überhaupt für eine Börsennotierung entschieden?
Siddiqui: Den Weg an die Börse haben wir eingeschlagen, zum einen – wie mein Kollege schon ausgeführt hat – um das Produkt Erneuerbare Energien investierbar zu machen. Zum anderen ist das für uns auch eine sehr gute Möglichkeit, über Kapitalerhöhungen und andere Finanzinstrumente unser Wachstum zu finanzieren. Warum wir uns für das Listing entschieden haben und nicht den klassischeren Weg eines IPOs gewählt haben, liegt daran, dass wir der Überzeugung sind, dass regelmäßige Kapitalmaßnahmen zur Wachstumsfinanzierung zur DNA unseres Geschäftsmodells passen, schrittweise zu wachsen. Und so haben wir uns gesagt: Lieber früh an die Börse gehen, das Geschäftsmodell erklären, einen Track-Record aufbauen, über zielgerichtete Kapitalmaßnahmen Wachstum finanzieren und dabei Investoren eine unmittelbare Mittelverwendung der Kapitalmaßnahmen bieten.

Pacifico Renewables Chart seit Börsengang

Und sind Sie zuversichtlich, dass die aktuell stattfindende Kapitalerhöhung, deren Bezugsperiode am 30.11. endet, erneut erfolgreich wird?
Siddiqui: Voraussichtlich wird es am 01.12. im Nachgang des Bezugsangebots an die Aktionäre noch eine Privatplatzierung geben, falls nicht alle Bezugsrechte ausgeübt wurden. Wir hätten auch die Kapitalerhöhung nicht begonnen, wenn wir nicht zuversichtlich gewesen wären, sie erfolgreich abzuschließen.
Strasser: Darüber hinaus finden wir aktuell ein positives Marktumfeld vor. Dieses Sentiment sollte uns Rückenwind geben.

Die Pelion Green Future Alpha GmbH ist mit ca. 72% Ihr Ankeraktionär. Und hat sich auch diesmal wieder an der KE beteiligt. Können sie schon etwas dazu sagen, ob Pelion irgendwann einen Exit plant?
Siddiqui:
Die langfristige Aktionärsstruktur ist nur schwer zu projizieren. Wenn man die Mehrheit als 50% plus eine Aktie definiert, glauben wir, dass das sicherlich noch länger so bleiben wird, was wir auch sehr begrüßen. Mit Sicherheit können wir auch sagen, dass wir langfristig mit Pelion planen und nicht von einem Exit-Szenario ausgehen. Diese Nachhaltigkeit von Pelions Investment zeigt sich auch gerade wieder in ihrer angekündigten signifikanten Teilnahme an der laufenden Kapitalerhöhung.

Christoph Strasser
Dr. Martin Siddiqui

Sie wollen mittel- bis langfristig ein führender börsennotierter Energieerzeuger werden. Denken sie auf diesem Weg dann auch über externe Wachstumsmöglichkeiten nach?
Siddiqui: Das Herzstück dessen, was wir tun, ist die strategische Partnerschaft mit der PEP, deren Entwicklungspipeline uns auch zukünftig in die privilegierte Situation bringen wird, Wachstum zielgerichtet durch Kapitalmaßnahmen finanzieren zu können. Hinzu kommt der Gedanke, dass wir uns zu einer Plattform entwickeln wollen, also zu einem Unternehmen, mit dem zunehmend mehr Entwickler nach und nach kooperieren wollen. Von daher ist die klassische Akquisition nichts, mit dem wir uns akut beschäftigen, da wir so viele interessante Wachstumsmöglichkeiten sehen, die uns über die nächsten Jahre auslasten werden.
Strasser: Man sieht vermehrt, dass größere Investoren Projektentwickler erwerben, um sich Zugang zu einer Pipeline zu verschaffen. Es ist für uns einfach ein schönerer Ansatz, kleinere Entwickler autark arbeiten zu lassen und als Partner zur Seite zu stehen, anstatt als Anteilseigner oder Besitzer Kontrolle auszuüben. Das finde ich auch konzeptionell sinnvoll, da die Energiewende dezentral stattfinden und florieren soll und man somit auch seinen Partnern den entsprechenden Freiraum lässt.

Herr Siddiqui, Herr Strasser, herzlichen Dank für die ausführlichen, detaillierten Antworten und viel Erfolg mit der Kapitalerhöhung und darüber hinaus!

Interview: Ike Nünchert

Fotos / Grafiken: @ Pacifico Renewables

Infokasten

Börsengang             19.11.2019
Umsatz 2019           5,1 Mio. EUR
MarketCap              71,5 Mio. EUR (vor KE)

 

 

 

Über den Autor

Falko Bozicevic ist Chefredakteur des GoingPublic Magazins sowie verantwortlich für das Portal BondGuide (www.bondguide.de)