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Das HV Magazin im Gespräch mit Bernhard Orlik, Geschäftsführer, Haubrok Corporate Events

Das erste HV Magazin erschien im Dezember 2003. Einer seiner Gründerväter: Bernhard Orlik, Geschäftsführer der Haubrok Corporate Events GmbH. Im Gespräch mit dem HV Magazin erinnert er sich an die Anfänge des Magazins als Marketinginstrument, liefert einige Anekdoten aus den vergangenen zehn Jahren und gibt einen kleinen Ausblick in die Zukunft der HV.

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Bernhard Orlik

HV Magazin: Herr Orlik, was hat Sie vor zehn Jahren dazu veranlasst, ein Magazin zum Thema Hauptversammlungen ins Leben zu rufen?

Bernhard Orlik: Das hatten wir uns gemeinsam bei Haubrok Corporate Events überlegt. Zunächst war es nichts anderes als eine PR-Maßnahme: Wir wollten Kunden und potenzielle Kunden davon überzeugen, dass wir rund um das Thema Hauptversammlung kompetent sind.

HV Magazin: Haubrok Corporate Events fungierte zunächst als Herausgeber des HV Magazins. Welche Erfahrungen sammelten Sie im für Sie ungewohnten Verlagsgeschäft?

Orlik: Es war von Anfang so konzipiert, dass nicht nur Haubrok-Mitarbeiter im Heft schreiben, sondern sich auch andere Autoren dort darstellen konnten. In der ersten Ausgabe des HV Magazins war z.B. ein Artikel von Klaus Ruttmann, zu der Zeit bei Siemens Business Services, der eine Transponder-Lösung dargestellt hat. Uns war von Beginn an klar, dass das Magazin nur dann ein Erfolg werden kann, wenn es eben nicht nur eine Werbepostille für Haubrok ist. Das hat schon in den ersten Ausgaben gut funktioniert. Ich erinnere mich z.B. an ein Interview mit Karl-Walter Freitag. Das wurde bereits damals von der GoingPublic Media AG übernommen, die für die Erstellung des HV Magazins von Anfang an verantwortlich war. Wir fungierten zwar ein wenig als Stichpunktgeber, aber haben nur in den seltensten Fällen Einfluss auf die redaktionellen Inhalte im HV Magazin genommen.

Übrigens war uns ein Rechtsanwalt nach dem Interview mit Herrn Freitag ausgesprochen beleidigt, dass wir derartigen Aktionären eine Plattform angeboten hätten. Damals waren die Zeiten schon noch härter!

HV Magazin: Sie waren aber weiterhin Herausgeber. Warum haben Sie das aufgegeben?

Orlik: Auslöser war ein Schlüsselerlebnis: Ein Kunde kam mit der Kopie eines von mir geschriebenen Artikels aus dem HV Magazin zu uns ins Büro. Er fragte mich, ob ich diesen Beitrag kenne. Das traf natürlich zu; ich war ja Autor und Herausgeber. Doch wurde uns bewusst: Es ist uns gelungen, ein unabhängiges und kompetentes Fachmagazin zu etablieren. Aber eine Werbeplattform für Haubrok war das HV Magazin nicht mehr, denn es wurde schon als losgelöst von Haubrok wahrgenommen. Wenn selbst unsere Kunden nicht registrierten, dass das ein Produkt aus unserem Haus ist und von uns finanziert wird, hat es den Zweck nicht mehr erfüllt. Für uns war es dann ein logischer Schritt, das Magazin komplett an die GoingPublic Media AG zu übergeben. Die andere Alternative wäre gewesen, es einzustellen, und das hätte uns das Herz gebrochen.

HV Magazin: Die Anzahl der deutschen Hauptversammlungen ist in den letzten Jahren leider rückläufig. Warum braucht das Land dennoch das HV Magazin?

Orlik: Die Anzahl der Hauptversammlungen, aber auch die Anzahl der Gesetzesänderungen ist zurückgegangen – auf die Aktienrechtsnovelle warten wir seit Jahren –, dennoch geschieht permanent etwas, was den HV-Ablauf neu beeinflusst. Aber es gibt ja immer wieder aktuelle Urteile, die erheblichen Einfluss auf die Praxis haben. Ich denke allein an den „Zyklus“ Deutsche Bank-Kirch. Oder erst kürzlich die Entscheidung des Versammlungsleiters bei der HV der Rhön-Kliniken, der einen Aktionär, der Aktien im Fremdbesitz vertreten hat, nicht zugelassen hat. Der Stoff geht also nicht unbedingt aus.

HV Magazin: Was waren aus Ihrer Sicht die prägendsten Entwicklungen in der HV-Szene der letzten zehn Jahre?

Orlik: Ganz sicherlich war eine der prägendsten Entwicklungen – angetrieben auch durch die Aktienrechtsänderungen –, dass man die HV aus den etwas verstaubten Hinterstuben herausholte und versucht hat, sie für neue Medien fit zu machen. Als Beispiele seien nur der Elektronische Bundesanzeiger (jetzt wieder nur Bundesanzeiger) und die Möglichkeit, per Internet Weisungen abzugeben oder einen Stimmrechtsvertreter zu bestimmen, genannt. Einige DAX-Unternehmen haben zudem die Abstimmung über das Internet ermöglicht. EQS (EquityStory) ist sogar noch weiter gegangen und hat als bisher einziges Unternehmen in Deutschland auch Fragen über das Internet zugelassen.

HV Magazin: Wie wird sich die Hauptversammlung in zehn Jahren von heutigen Aktionärstreffen unterscheiden?

Orlik: Zunächst glaube ich, dass es in zehn Jahren weiterhin Präsenzhauptversammlungen geben wird. Ich denke aber, dass die Möglichkeiten, die das Internet in aller Vielfalt bietet, noch mehr genutzt werden. Auch Fragen stellen über das Internet, was heute viele noch als Teufelswerk ansehen, wird irgendwann State-of-the-Art sein. Desweiteren bin ich überzeugt, dass über kurz oder lang auch die Vielfalt der Social Media in die HV Einzug halten wird. Erste Versuchsballons mit Twitter & Co. gab es ja schon.

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