Was haben Tim Bendzko, Hubert von Goisern und Hans-Martin Buhlmann gemeinsam? Sie können mit Worten umgehen, haben ihre eigene „Fangemeinde“ und traten im Lauf des Februars auf der Bühne des Bielefelder Ringlokschuppens auf. Und sie alle haben Unterhaltungswert, auch wenn Buhlmanns Auftritt für Vorstände und Aufsichtsräte oftmals nicht so amüsant ist. So war es auch bei der außerordentlichen Hauptversammlung der Balda AG. Ein offensichtlich überforderter Versammlungsleiter, eine Heerschar von Anwälten im Publikum und Aktionäre, die ob der Abläufe ein wenig verwirrt waren – das waren die wesentlichen Eindrücke des Aktionärstreffens. So geriet die als Höhepunkt gedachte Hauptversammlung schnell zu einer Farce.

Die Spieler

Das Kräftemessen zwischen dem chinesischen Großinvestor und dem amerikanischen Hedgefonds begann lange vor dem 8. Februar. Der Vorwurf, den die Vertreter von Octavian Advisors dem Aufsichtsrat machten, lautete, dass Entscheidungen nicht im Sinne der Gesellschaft und damit der Aktionäre getroffen wurden, sondern ausschließlich den Interessen des Großinvestors folgten. Konkret ging es um das Halten einer 16%-Beteiligung an TPK, einem in China ansässigen Unternehmen mit Fokus auf Touch-Komponenten. Das Management hatte in der Vergangenheit wiederholt angekündigt, dass die Pakete veräußert würden – mit einer einhergehenden Sonderdividende –, da eine Neuausrichtung des Geschäftsfeldes aus strategischen Überlegungen nur sinnvoll erschien. Derartige Sonderdividenden sind es auch, die Hedgefonds oftmals zu einem Investment veranlassen. Offensichtlich trieb das auch Octavian an, bei der Balda AG zu investieren. Doch die Veräußerung der Anteile an TPK unterblieb und der Geduldsfaden der Investoren riss.

Einladung an das Publikum

So entschloss sich Octavian, ein Einberufungsverlangen für eine außerordentliche Hauptversammlung an den Vorstand von Balda zu richten. Ernsthafte Bedenken hinsichtlich der Unabhängigkeit des Aufsichtsrats der Balda AG trieben den Hedgefonds zu diesem Schritt. Dabei wusste Octavian einen Stimmanteil von rund 8,3% hinter sich. „Dieser Aufsichtsrat hat die Aktionäre 350 Mio. EUR gekostet“, hieß es in der zugehörigen Pressemitteilung. Moniert wurde, dass zwei der drei Mitglieder des Aufsichtsrats Positionen in Firmen, die der Michael Chiang Unternehmensgruppe zuzurechnen sind, innehätten und damit keine Unabhängigkeit gegeben sei. Michael Chiang hält über seine Investmentfirma Yield Return Investment einen Anteil von 27,6% an Balda, gleichzeitig – zusammen mit seiner Frau – einen Anteil von 26% an TPK. Konkret kritisierten die Amerikaner die nicht vollzogene Ankündigung des Vorstands von der HV 2011, sich von den TPK-Anteilen zu trennen. Der Aufsichtsrat gab zu diesem Deal jedoch keine Zustimmung. Die Vorwürfe der amerikanischen Aktionäre konzentrierten sich also auf den Aufsichtsrat, der in der Vergangenheit immer wieder die Veräußerung des TPK-Pakets abgelehnt hat. Pikant: Der Großinvestor war zugleich Gründer und Großaktionär bei TPK, und im Aufsichtsrat von Balda saßen – auch wenn dem widersprochen wurde – Personen, die ebenfalls in Beziehung mit diesem standen. Offenbar wurden hier persönliche und geschäftliche Interessen vermischt.

Bei den drei Wahlvorschlägen Octavians präsentierte der Hedgefonds einen unabhängigen Kandidaten, der dann auch Aufsichtsratsvorsitzender werden sollte: René Charles Jäggi, ehemaliger Präsident verschiedener Fußballvereine und Geschäftsführer bei Adidas. Zudem standen Behdad Alizadeh, ein Partner bei Pardus Capital Management, ebenfalls einem Finanzinvestor, und schließlich Igor Kuzniar, Managing Director bei Octavian, zur Wahl.

Die Mannschaften formieren sich

Mit dem Einberufungsverlangen begann ein offen und verdeckt ausgetragener Kampf um die Macht bei Balda. So wurde Octavian von einer eigens verpflichteten Kommunikationsagentur beraten und versuchte einen Proxy Fight mit Hilfe eines nationalen (registrar services) und internationalen (Georgeson) Proxy Solicitors. Auch Balda versuchte, seine Schäfchen ins Trockene zu bringen, und heuerte ebenfalls einen Proxy Solicitor an. Gleichzeitig versuchte das Unternehmen die Kommunikation mit den Medien zu steuern. So wurde der eigenen Kommunikationsabteilung ein Maulkorb verpasst und eine externe Kommunikationsagentur auf Balda-Seite verpflichtet, die den Vorstand beraten und die Kontakte nach draußen halten sollte.

Moderne Kommunikationswege wurden genutzt, um interessierte Aktionäre in eigenem Sinne zu informieren. Octavian stellte auf www.shareholdersforbalda.com auch gleich im Disclaimer klar, dass damit kein abgestimmtes Verhalten zustande kommen solle oder Aktionäre beeinflusst werden sollen, sondern dass es um die Bereitstellung von Hintergrundinformationen gehe. Zu finden waren auf der Seite aktuelle Pressemitteilungen, Profile der vorgeschlagenen Aufsichtsratskandidaten und weitere Hintergrundinformationen. Heiß diskutiert wurde auch auf Internet-Foren wie Wallstreet Online über die Vorgänge bei der Gesellschaft. Auf diesem Weg konnte ein Vertreter ein Stimmenpaket von insgesamt rund 600.000 Stimmen für die Octavian-Anträge sammeln.

Übrigens hatte das Einberufungsverlangen auch direkte Auswirkung auf das Management der Gesellschaft: Vier Wochen nach Eingang des Einberufungsverlangens, dem der Vorstand stattgegeben hat, weil er ihm aus rechtlicher Sicht stattgeben musste, wurde er ausgetauscht. Angeblich wegen unterschiedlicher Ansichten (was während der HV Buhlmann zu dem Wortspiel „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan“ hinriss – der ehemalige Vorstandsvorsitzende heißt Rainer Mohr). Noch am selben Tag präsentierte der Aufsichtsrat ad-hoc zwei neue Vorstände.

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