Schon 2016 liefen die Vorbereitungen für den vermeintlich größten Börsengang der Geschichte an: Saudi-Arabiens Öl-Gigant Aramco strebte an die US-Börse. Mit ganzen 5% Streubesitz. 5% von 2.000 Mrd. USD wären immerhin 100 Mrd. USD Emissionsvolumen gewesen, das Vielfache der bisherigen Bestmarke.

Kronprinz Prince Mohammed bin Salman, a.k.a. ‚MbS‘, hatte diese Pläne maßgeblich vorangetrieben. Ziel: eine wirtschaftliche Neuausrichtung des Landes, sozusagen eine Aufstellung für die Zukunft, eine Generalüberholung.

König Salman sah dies offenbar nicht ganz so fortschrittlich und schritt Kreisen zufolge mehrfach ein.

Ein Listing – speziell in den USA – hätte volle öffentliche Aufmerksamkeit bedeutet und die Erforderlichkeit entsprechender Transparenz. Davon ist ein Unternehmen wie Aramco mehr oder minder Lichtjahre entfernt. Die IPO-Pläne wurden daher von Beginn an eher belächelt.

Offensichtlich gab es hier eine Art ‚Over-Ruling‘ des Königs über den Kronprinzen. Während der die IPO-Pläne noch weiter betrieb, befand der König, dass weder Timing noch Bewertung passten. Da sich diese völlig unklare Gemengelage schon im letzten Jahr abzeichnete, überrascht der Stopp der Börsenpläne inzwischen niemanden mehr. Und bedeutet natürlich auch einen Rückschritt für die Saudis, sich internationaler zu öffnen, wie eben von MbS in Aussicht gestellt.

Reformschritte wurden derweil unternommen, wenn man an soziale Reformen denkt, wie dass Frauen in Saudi-Arabien jetzt auch Autofahren dürfen oder dass Kinos erlaubt wurden.

Der alternde König wiederum ist besorgt über seinen Platz in der Geschichte. Offenbar mehr als alles andere. Wird er etwa derjenige sein, der den Staatskonzern Aramco an Ausländer verscherbelte oder Palästina hergab für einen Deal? Welches Argument letztlich den Ausschlag gab, dass den König intervenieren ließ, bleibt unklar. Eines ist jedoch klar: Wer das Sagen hat in Saudi-Arabien.

Mitarbeiter des Öl-Multis Aramco. Fotos: Saudi-Aramco.
Mitarbeiter des Öl-Multis Aramco. Fotos: Saudi-Aramco.

Schon Anfang des Jahres hatte Aramco Zahlungen an IPO-beteiligte Banken eingefroren, darunter die namhaftesten und üblichen Verdächtigen wie JP Morgan oder Morgan Stanley. Stattdessen wurden sie angewiesen, sich nach ‚Alternativen‘ zum IPO umzusehen. Spätestens hier war klar, dass ein IPO extrem unwahrscheinlich würde.

Aus Anlegersicht ist das ‚Nicht-IPO‘ eher zu begrüßen. Eine Transparenz wie normalerweise bei US-Börsenlistings üblich wäre wohl in keinem Fall zu erwarten gewesen und Probleme vorprogrammiert. Die Pläne standen also schon seit Beginn an auf dem falschen Fuß. Man kann nicht die Vorteile eines Listings in den USA genießen wollen, ohne die Nebenwirkungen auszublenden. Eine Bewertung von 2.000 Mrd. USD allein aufgrund eigenen Dafürhaltens war sicherlich eine weitere Hürde, die noch hätte diskutiert werden müssen. Eine niedrigere Bewertung wiederum hätten die Saudis nicht akzeptiert und als Ausverkauf empfunden.

Von daher: Patt und logischer Ausgang.

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