Anleihen mittelständischer Unternehmen stehen in der Kritik. Jüngst hat die Stuttgarter Börse verkündet, sich aus diesem Segment zurückzuziehen. Die Börse Düsseldorf hält Anleihen als Finanzierungsalternative für Unternehmen weiterhin für bedeutsam. 

 Hier wird gehandelt – dafür steht die Börse Düsseldorf seit vielen Jahren. Nicht nur Aktien, Anleihen und Fonds wechseln die Besitzer über den Skontroführerhandel und das elektronische System QUOTRIX. Auch mit dem Anleihensegment für kleinere und mittelgroße Unternehmen gehört die Börse Düsseldorf zu den Handelsplätzen in Deutschland, die Akzente setzen.

Zugegeben, es gibt eine Vielzahl von Problemen mit diesen Unternehmensanleihen und die Zahl der Ausfälle ist zweifellos viel zu hoch. Die Entwicklung belastet diese Finanzierungsform für Unternehmen dermaßen, dass sich zum Beispiel die Börse Stuttgart komplett aus dem Anleihen-Geschäft zurückgezogen hat. Düsseldorf verfolgt einen anderen Ansatz: Durch Verbesserung der Transparenz für die Investoren soll der Baustein für die Passivseite der Unternehmen erhalten bleiben. Denn vor allem durch Basel III wird die Finanzierung über den Kapitalmarkt für Unternehmen wichtiger. Kredite dürften wegen der notwendigen und zunehmenden Eigenkapitalunterlegung der Banken teurer und vor allem schwieriger erhältlich werden. Da werden Unternehmen nach Alternativen suchen und die Emissionstätigkeit dürfte in der Folge spürbar zunehmen.

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Thomas Dierkes

Faire Handelsbedingungen, größere Transparenz

Faire Handelsbedingungen bieten und eine noch größere Transparenz für alle Beteiligten schaffen – so lauten die Prämissen der Börse Düsseldorf für den Neustart. Anfang 2015 wird die Börse Düsseldorf ein Konzept vorstellen, welches sowohl die Interessen von erfahrenen Privatanlegern und institutionellen Investoren wie auch von Anleiheemittenten berücksichtigt. Im Fokus steht eine bessere Erkennbarkeit der Risikoposition, um Investoren anhand von veröffentlichten Daten eine kompetente Einschätzung zu ermöglichen. Auf die Verwendung des Begriffs „Mittelstand“ wird die Börse in Zukunft verzichten, um Anlegern nicht eine falsche Assoziation mit dem Mittelstand – dem Rückgrat der deutschen Wirtschaft – nahezubringen.

Unabhängig von veränderten Rahmenbedingungen sollten sich die bereits am Markt befindlichen Emittenten bemühen, ihre Kommunikation weiter zu optimieren und neben der kontinuierlichen Lieferung von Informationen über den Geschäftsverlauf das Thema der Refinanzierung rechtzeitig in den Mittelpunkt zu stellen. Die Emittenten an der Börse Düsseldorf beschäftigen sich nach unseren Informationen nicht erst seit gestern mit dem Thema Rückzahlung. Finden und kommunizieren die Unternehmen und ihre Kapitalmarktpartner überzeugende Konzepte, lässt sich auch eine Anschlussfinanzierung besser darstellen. Die Transparenz und Offenheit der heutigen Emittenten ist letztlich ein wesentlicher Beitrag zur Stabilisierung des Segments.

Fazit

Der Markt für kleinere und mittlere Unternehmensanleihen befindet sich zweifellos in einer schwierigen Situation. Doch anders als andere Börsen sehen wir in der aktuell laufenden Marktbereinigung eine Chance, welche die Börse Düsseldorf nutzen wird, um gemeinsam mit Kapitalmarktpartnern und Emittenten den Markt für Anleihen kleiner und mittlerer Unternehmen weiter zu etablieren. Getreu unserem Motto: An der Börse Düsseldorf wird gehandelt!

Der Beitrag erschien zum ersten Mal im GoingPublic Magazin 1/2 Ende Dezember. 

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