Bildnachweis: WLanholding.

Die WLanholding ist eine privat geführte Investmentgesellschaft mit Fokus auf Life Sciences und Sustainability. Gegründet von Werner Lanthaler, investiert sie vor allem in sehr frühe, wissenschaftsgetriebene Projekte – häufig in Konstellationen, in denen klassische Venture-Capital-Modelle an ihre Grenzen stoßen.

Plattform Life Sciences: Herr Dr. Lanthaler, wie würden Sie die Investmentlogik von WLanholding beschreiben – insbesondere im Life-Sciences-Bereich? 

Dr. Werner Lanthaler: Unsere Investments sind bewusst offen angelegt, nicht nur für Life Sciences, sondern auch für Sustainability. Innerhalb der Life Sciences fokussieren wir uns sehr klar auf Early-Stage, translational, highest-end scientific projects, oft im Pre-Seed-Bereich. Thematisch geht es um therapeutische und diagnostische Ansätze, die mit Krankheitsbildern einer alternden Gesellschaft zu tun haben. Aging Diseases verstehen wir dabei nicht eng, sondern als Healthy Productive Aging. Das schließt diagnostische Lösungen ausdrücklich mit ein und ist nicht auf Therapeutika beschränkt.

Dr. Werner Lanthaler ist seit vielen Jahren in leitenden Funktionen der biopharmazeutischen Industrie tätig, mit Schwerpunkten in den Bereichen Innovation, Transformation und nachhaltige Unternehmensentwicklung. Bis 2024 war er 15 Jahre lang Vorstandsvorsitzender (CEO) der Evotec SE. Zuvor war er als Finanzvorstand (CFO) der Intercell AG tätig. Dr. Lanthaler promovierte in Betriebswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität Wien und verfügt über weitere akademische Abschlüsse in Betriebswirtschaft, Projektmanagement und Psychologie. Im Jahr 2024 gründete er die WLanholding. Copyright Foto: WLanholding

Wie treffen Sie angesichts eines breiten Angebots die konkrete Investitionsentscheidung?

Bei Therapeutika suchen wir nach harter wissenschaftlicher Evidenz. Bei Diagnostika ist für uns entscheidend, ob sich eine kommerzielle Adoption abzeichnet. Dazu kommen persönliche Netzwerke und Referenzen im wissenschaftlichen und diagnostischen Umfeld. Ein dritter zentraler Punkt ist die Pilotmarkt-Logik: Wir wollen sehr früh sehen, ob ein Ansatz in einem Pilotmarkt funktioniert. Spätere Rollouts interessieren uns weniger – wir investieren bewusst dort, wo sich die Grundannahmen testen lassen.

WLanholding ist stark auf Ihre Person zugeschnitten. Wie ist die Struktur dahinter?

Operativ arbeiten wir zu viert. Zusätzlich gibt es hinter der WLanholding eine zweite Gesellschaft, über die unser Kapital durch einen deutschen Unternehmer gehebelt wird. Das erlaubt es uns, je nach Situation größere Runden mitzutragen. Ein Beispiel ist das Unternehmen PIRCHE aus Berlin, das eine human-patient-database-getriebene Plattform für Organ-Matching entwickelt, wo wir sowohl direkt als auch über diese zweite Struktur investiert haben. Andere Unternehmen wie InSphero, Pionier für 3D-In-vitro-Zellmodelle für die präklinische Forschung, haben ein breiteres Investorenumfeld. Und es gibt Gesellschaften wie aTENSION.life, ein Diagnostics-Unternehmen mit Fokus auf Bluthochdruckdiagnostik auf Basis von Massenspektrometrie, Proxygen, international bekannt für seine Molecular-Glue-Plattform zur gezielten Protein-Degradation, oder Solgate, ein Biotech-Unternehmen, das Therapeutika gegen bislang schwer adressierbare SLC-Transporter entwickelt, in die bislang ausschließlich WLanholding investiert ist. Wir wollen in der Regel Erstinvestor sein und investieren typischerweise zwischen 500.000 und 1,5 bis 2 Mio. EUR. Dabei streben wir an, mindestens rund zehn Prozent zu halten und immer aktiv in der Governance mitzuarbeiten. Das bedeutet: Ein Boardsitz ist für uns Standard.

Gibt es ein Unternehmen, das Ihre Arbeitsweise besonders gut illustriert?

Sehr gut zeigen das Proxygen und Solgate – klassische akademische Spin-outs. PIRCHE ist ein weiteres Beispiel, ebenso aTENSION.life, wo wir den Chairman stellen. Und mit CERABYTE haben wir bewusst auch ein Unternehmen aus dem Grenzbereich zu Life Sciences im Portfolio: langfristige Datenspeicherung für datenintensive Anwendungen, insbesondere in den Life Sciences. Das sind im Wesentlichen unsere Investments aus dem letzten Jahr.

Wo verorten Sie sich im DACH-Investmentmarkt?

Wir co-investieren regelmäßig mit großen VCs. Gleichzeitig sind wir kein Fonds. Wir haben keine LPs, keine festen Exit-Zeithorizonte und können sehr langfristig operieren. Einige unserer Investments halten wir seit deutlich über fünf Jahren – ohne Exit-Druck.

Welche Lücke füllt WLanholding im Life-Sciences-Investoren-Ökosystem?

PIRCHE ist dafür ein gutes Beispiel. Human-Patient-Database-getriebenes Organmatching ist für klassische Biotech-VCs nicht therapeutisch genug, für Diagnostik-Investoren nicht klar zuordenbar und für Kliniken kein Plug-and-Play-Geschäftsmodell. Solche Unternehmen sind wissenschaftlich hochspannend, aber wirtschaftlich schwer prognostizierbar: Sie fallen durch klassische Raster – und genau dort sehen wir unsere Rolle. Ähnlich ist es bei aTENSION.life: Massenspektrometrie in der Routinediagnostik ist wissenschaftlich unvermeidbar, aber in ihrer zeitlichen Entwicklung schwer abschätzbar. Dieses Risiko gehen wir bewusst ein, gestützt auf Pilotmärkte und ein Geschäftsmodell, das sich zumindest in frühen Anwendungsszenarien nachvollziehen lässt.

Herr Dr. Lanthaler, herzlichen Dank für das interessante Gespräch.

Das Interview führte Urs Moesenfechtel.

Autor/Autorin

Redaktionsleiter Plattform Life Sciences at  | Website

Urs Moesenfechtel, M.A., ist seit 2021 Redaktionsleiter der GoingPublic Media AG - Plattform Life Sciences und für die Themenfelder Biotechnologie und Bioökonomie zuständig. Zuvor war er u.a. als Wissenschaftsredakteur für mehrere Forschungseinrichtungen tätig.