Bildquelle: © Thyssenkrupp
Mit dem Spin-Off seines Segments Marine Systems (TKMS) im Oktober 2025 hat Thyssenkrupp (ISIN DE0007500001, MarketCap 7,16 Mrd. EUR) einen fulminanten Erfolg gefeiert – und die Blaupause für weitere Abspaltungen geliefert. Von Oliver Vollbrecht
Die AG wird zur Finanzholding
Strategisch soll sich die Thyssenkrupp AG zu einer reinen Finanzholding entwickeln, unter deren Dach die operativen Segmente unabhängiger und agiler agieren können. Ziel ist die Kapitalmarktreife jedes Segments und die Abgabe von Minderheitenanteilen über die Börse. Im Falle des Spin-Offs der Marinesparte TKMS im Oktober 2025 wurde jedem Thyssenkrupp-Aktionär pro 20 Thyssenkrupp-Aktien eine TKMS-Aktie eingebucht, die AG hält noch 51 %. In seiner vorab veröffentlichten Rede zur Hauptversammlung am 30. Januar in Bochum geht CEO Miguel López auf die Kapitalmarktreife der weiteren Segmente ein.
Jedes Segment soll Kapitalmarktreife erreichen
Einen Sonderfall bildet das seit vielen Jahren problembehaftete Segment Steel Europe (SE). Bei Deutschlands größtem Stahlhersteller prüft derzeit die indische Jindal-Gruppe eine Übernahme, die Due Diligence läuft, das Ergebnis ist noch offen.
Am weitesten auf dem Weg zur Kapitalmarktreife ist das Segment Materials Services (MS), also der Werkstoffhandel. Das aktuelle Übernahmeangebot für Klöckner & Co. durch den US-Stahlkonzern Worthington Steel belegt, dass derartige Geschäftsmodelle auf Interesse stoßen. Mit gut 11 Mrd. EUR Umsatz (Geschäftsjahr 2024/2025) ist MS etwa doppelt so groß wie Klöckner.
Automotive Technology (AT) ist von der Kapitalmarktreife weiter entfernt, hier stehen interne Umstrukturierungen in einem schwierigen Marktumfeld an. Das Segment bringt 7 Mrd. EUR Umsatz auf die Waage.
Im Segment Decarbon Technologies (DT) mit 3,5 Mrd. EUR Umsatz schließlich sieht López derzeit noch die größten Herausforderungen. Diesem Segment ist auch der seit 2023 börsennotierte Elektrolysespezialist Thyssenkrupp Nucera zugeordnet, an dem Thyssenkrupp 50,2 % hält.

Fazit
Der Vorstand um Miguel López hat die Probleme des Konzerns entschlossen angepackt, nach Jahren der Krisen hat das Unternehmen Vertrauen zurückgewonnen und der Aktienkurs ist kräftig gestiegen. Der Spin-Off von TKMS verlief bilderbuchmäßig, doch die nächsten Abspaltungen werden deutlich schwieriger. Vielleicht verrät Konzernchef Lopez auf der anstehenden Hauptversammlung, ob ein Spin-Off von Materials Services noch im laufenden Geschäftsjahr (per 30. September) oder im Kalenderjahr 2026 vorstellbar ist.
Autor/Autorin

Oliver Vollbrecht
Oliver Vollbrecht beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Geschäftsmodellen – als freier Journalist, Investor Relations-Manager und -Berater, als Investor und HV-Sprecher für die DSW. Der Schwerpunkt seiner journalistischen Arbeit liegt bei börsennotierten Unternehmen der DACH-Region.





