Bildnachweis: Wikipedia / Heinrich-Böll-Stiftung , Wikipedia / Heinrich-Böll-Stiftung – Grüner Wirtschaftstag 2025. Bildhintergrund nachbearbeitet mit KI.

Die Bundesagentur für Sprunginnovationen SPRIND GmbH agiert dort, wo Grundlagenforschung endet und klassische Investoren noch nicht einsteigen. Mit Validierungsaufträgen, Gründungszuschüssen, Eigenkapitalbeteiligungen, Wandeldarlehen und technologieoffenen Challenges arbeitet SPRIND operativ an der Schnittstelle von Staat, Startups und Venture Capital.

Plattform Life Sciences: Herr Professor Zaby, SPRIND wird oft zwischen Forschungsförderung und Venture Capital verortet. Wo sehen Sie sich selbst?

Prof. Dr. Zaby: Wir sind kein VC und keine klassische Förderinstitution. Unser Auftrag ist es, Ergebnisse aus der Grundlagenforschung über das „Valley of Death“ zu bringen – also genau das Zeitfenster zwischen dem Ende der Forschungsförderung und dem Punkt, an dem privates Kapital einsteigen kann. Unser Ziel ist Crowding-in von privatem Kapital. Das funktioniert: Unser Hebel liegt über alle Technologien bei einem Vielfachen des von uns eingesetzten Kapitals – bei einem noch sehr jungen Portfolio, möglich gemacht durch das SPRIND-Freiheitsgesetz seit Anfang 2024.

Prof. Dr. Andreas Zaby, Innovationsmanager, SPRIND GmbH
Prof. Dr. Andreas Zaby ist Professor für Betriebswirtschaftslehre und war bis April 2024 Präsident der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin und prägte dort insbesondere die strategische Weiterentwicklung im Bereich Innovation und Transfer. Zuvor war er unter anderem als Strategieberater sowie als Mitgründer und Finanzvorstand eines biopharmazeutischen Unternehmens tätig. Aktuell arbeitet er als Innovationsmanager bei der Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND). Copyright Foto: SPRIND

Wie sieht das operativ aus?

Wir starten meist mit Validierungsaufträgen ab rund 200.000 Euro. Das ist häufig der erste Kontakt. Gründungszuschüsse können bis zu einer Million Euro betragen. Danach können Eigenkapitalbeteiligungen oder Wandeldarlehen folgen. Wenn es um Scale-ups oder First-of-a-Kind-Anlagen geht, fördern wir auch in zweistelliger Millionenhöhe – jedoch nicht allein als SPRIND, sondern gemeinsam mit privaten Investoren.

Staatliches Kapital auf dem Cap Table gilt bei internationalen VCs oft als kritisch. Wie erleben Sie das?

Diese Vorbehalte kennen wir, aber wir spüren sie gegenüber der SPRIND nicht. Der Grund ist unser striktes Pari-passu-Prinzip: identische Terms, keine Sonderrechte. In einer Seed-Finanzierung Ende 2025 hat die SPRIND rund 30 Prozent der Runde getragen, die privaten Investoren 70 Prozent. Der private Lead-Investor hat klar gesagt: Ohne die SPRIND wäre diese Runde nicht zustande gekommen.

Wann ziehen Sie sich zurück?

Unser Ziel ist nicht der Exit. Unser Ziel ist, so früh wie möglich privates Kapital zu attrahieren. Sobald das gelingt, ziehen wir uns zurück. Wir maßen uns nicht an, Hochtechnologieunternehmen mit Kapitalbedarfen jenseits von 100 Millionen Euro allein durchfinanzieren zu können.

Wo setzt SPRIND thematisch Schwerpunkte?

In den Life Sciences etwa bei neuen Ansätzen zu Therapie von Alzheimer und bei In-vivo-Gen- und Zelltherapien in der Onkologie, die trotz präklinischer Phase bereits starkes Interesse von Big Pharma sehen. Darüber hinaus investieren wir stark Kernfusion, in Frontier Models in der Künstlichen Intelligenz, mit dem Anspruch europäischer technologischer Souveränität durch Leapfrogging. Ein weiterer Schwerpunkt ist Dual Use und Defense, z.B. autonome Drohnen und Drohnen-Abwehr.

Viele der Technologien, die Sie adressieren, werden aber nicht zwangsläufig in Deutschland entwickelt…

Herkunft ist für uns nicht das primäre Kriterium. Generell gilt: Europa ist für uns Inland – wir sind Europeans at heart. Deshalb fördern wir auch Projekte in anderen EU-Mitgliedstaaten, zuletzt etwa in Dänemark, und Spanien. Entscheidend ist, ob eine Technologie das Potenzial hat, hier Wirkung zu entfalten. Außerhalb der EU ist das anders: Dort fördern wir nur mit klarer Relocation-Perspektive nach Deutschland. Gleichzeitig arbeiten wir eng mit internationalen Innovationsagenturen zusammen – etwa mit Vinnova in Schweden, ARIA im Vereinigten Königreich, verschiedenen Advanced Research Projects Agencies (ARPA)-Organisationen in den USA oder aber der Israel Innovation Authority. So bleiben wir technologisch angebunden, ohne unseren Standortauftrag aus dem Blick zu verlieren.

Gibt es ein Thema, das Sie persönlich besonders fasziniert?

Ich brenne für Sprunginnovationen, mit denen wir bisher unheilbare Erkrankungen therapieren können. Denken Sie an neurodegenerative Erkrankungen: Wir wissen aber nicht, welcher Ansatz sich durchsetzen wird, ähnlich wie beim Thema Kernfusion, was für uns auch von hohem Interesse ist. Daher setzen wir bei „Sprunginnovationen“ nicht auf ein einzelnes Pferd, sondern auf das ganze Rennen.

Herr Dr. Zaby, herzlichen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Urs Moesenfechtel.

Autor/Autorin

Redaktionsleiter Plattform Life Sciences at  | Website

Urs Moesenfechtel, M.A., ist seit 2021 Redaktionsleiter der GoingPublic Media AG - Plattform Life Sciences und für die Themenfelder Biotechnologie und Bioökonomie zuständig. Zuvor war er u.a. als Wissenschaftsredakteur für mehrere Forschungseinrichtungen tätig.