Bildnachweis: CARMA FUND.

CARMA FUND ist ein spezialisierter europäischer Life-Sciences-Tech-Transfer-Fonds. Der Fokus liegt auf sehr frühen Entwicklungsphasen – oft vor oder unabhängig von einer formalen Unternehmensgründung. CARMA finanziert und entwickelt akademische IP gemeinsam mit Universitäten, Kliniken und Industriepartnern und schafft so risikoreduzierte Assets für spätere Start-ups oder direkte Industriekooperationen.

Plattform Life Sciences: Herr Dr. Raditsch, Was zeichnet den CARMA FUND aus?

Dr. Martin Raditsch: Wir bringen über 60 Jahre kollektive Erfahrung in Technologietransfer, Frühphasenfinanzierung und Lizenzierung mit. Dadurch verstehen wir nicht nur die Technologie, sondern auch die Menschen dahinter. Wir kommen aus der EMBL-, BASF-, Goethe-Universität-, Future-Capital- und Creathor-Ventures-Welt; CARMA ist vor allem aus Ascenion und INNOVECTIS heraus entstanden. Unser Dealflow basiert nicht nur auf PowerPoint-Folien, sondern insbesondere auf einem tiefen Zugang zu akademischen Projekten unserer Partner. In den vergangenen dreieinhalb Jahren haben wir über 1.500 Projekte gesichtet und daraus bislang 20 Investments realisiert.

Dr. Martin Raditsch, RTTP, General Partner, CARMA FUND
Dr. Martin Raditsch ist Gründer der CARMA FUND Management GmbH und hat den Fonds während seiner Zeit als Geschäftsführer des Technologietransferunternehmens Innovectis GmbH ins Leben gerufen. Bei CARMA FUND spielt er eine zentrale Rolle bei Investitionsentscheidungen, leitet das Investmentteam und überwacht die allgemeine Verwaltung des Fonds. Mit einem Hintergrund in Molekularbiologie promovierte Martin am Max-Planck-Institut für medizinische Forschung. Er hat mehrere technologieorientierte Unternehmen gegründet und als CEO geleitet, war Präsident der ASTP und hatte Führungspositionen in Technologietransferstellen sowie eine Abteilungsleiterposition bei BASF inne. Copyright Foto: CARMA FUND.

Wie positioniert sich CARMA FUND damit im Venture-Ökosystem?

Wir sind einer der wenigen echten Tech-Transfer-Fonds in Europa mit Fokus auf sehr frühe Phasen. Unser Modell erlaubt es uns, IP aus Universitäten direkt zu finanzieren, gemeinsam mit Kliniken und Entwicklungsdienstleistern weiterzuentwickeln und entweder ein Start-up aufzubauen oder früh Kooperationen mit Pharmaunternehmen einzugehen. Ein Beispiel ist ein präklinisches Projekt zur Behandlung des Ovarialkarzinoms an der Goethe-Universität Frankfurt, das wir 2025 als Projektfinanzierung gestartet haben. Mit einem überschaubaren siebenstelligen Anfangsinvestment kommen wir hier sehr weit, weil die Universitätsklinik und die Kliniker die treibende Kraft sind.

Wie strukturieren Sie Ihr Portfolio?

Wir investieren in Therapeutika, Diagnostik, Medtech und Digital Health – mit einem bewussten Mix aus „Fast Returnern“, „Mid-Term Returnern“ und „Long-Term Returnern“. Aktuell verwalten wir rund 56 Mio. EUR. Unsere First Tickets liegen typischerweise zwischen 250.000 EUR und über einer Million, bei Projektfinanzierungen auch darüber. Wir steigen meist ab TRL 4 ein, teilweise früher, noch vor der Gründung. Konkrete Beispiele aus unserem Portfolio sind das belgisch-französische Biotech Elkedonia aus dem Argobio-Umfeld, Exciva mit einem differenzierten Ansatz im Alzheimer-Bereich sowie WMT.

Und Sie planen bereits den nächsten Fonds…

Ja. Der zweite Fonds ist aber keine Neuausrichtung, sondern die Skalierung eines bewährten Modells. Inhaltlich ändert sich nichts – nur die Größe. Für den nächsten Fonds zielen wir auf rund 100 Mio. EUR, das First Closing ist für Mitte 2027 geplant. Die Nachfrage, die wir in Deutschland und Europa sehen, rechtfertigt diesen Schritt. Es wird keinen separaten Late-Stage-Fonds geben; wir bleiben bei dem, was wir gut können.

Wo sehen Sie aktuell den größten Hebel?

Nicht in Trends, sondern in Umsetzung. Wir investieren dort, wo wir echten Patientennutzen sehen – etwa bei antimikrobiellen Resistenzen oder in der Neurologie, auch jenseits kurativer Ansätze. Unser Ziel ist es, mit überschaubarem Kapital Technologien so weit zu bringen, dass sie für die Industrie relevant werden. Genau dieses Modell skalieren wir jetzt.

Herr Dr. Raditsch, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Urs Moesenfechtel.

Autor/Autorin

Redaktionsleiter Plattform Life Sciences at  | Website

Urs Moesenfechtel, M.A., ist seit 2021 Redaktionsleiter der GoingPublic Media AG - Plattform Life Sciences und für die Themenfelder Biotechnologie und Bioökonomie zuständig. Zuvor war er u.a. als Wissenschaftsredakteur für mehrere Forschungseinrichtungen tätig.