Mit einer neuen Geschäftsstelle am Weinberg Campus in Halle (Saale) erweitert der Business Angels Mitteldeutschland (BAM!) e.V. nicht nur seine regionale Präsenz. Die Ansiedlung steht für einen umfassenderen Anspruch: Forschung, Unternehmertum, öffentliche Förderung und privates Frühphasenkapital sollen künftig enger zusammenarbeiten. Damit gewinnt eines der dynamischsten Innovationsökosysteme Ostdeutschlands einen weiteren Baustein. Von Urs Moesenfechtel
Der symbolische Akt dauerte nur wenige Sekunden. Ein Transponder statt eines klassischen Schlüssels wechselte den Besitzer. Anschließend begann das Networking. Doch die Eröffnung der neuen Geschäftsstelle von Business Angels Mitteldeutschland (BAM!) Ende Juni am Weinberg Campus in Halle (Saale) markierte weit mehr als den Einzug eines weiteren Vereins in den Technologiepark. Vielmehr wurde an diesem Abend sichtbar, wie sich der Campus zunehmend auch als Standort für Frühphasenfinanzierung positioniert.

Warum Halle?

Von Angels für Angels
Inhaltlich stellte Antholz weniger die Geschäftsstelle als vielmehr das Selbstverständnis des Vereins in den Mittelpunkt. BAM! verstehe sich als Netzwerk „von Angels für Angels“. Ziel sei es, die Business-Angel-Kultur in Mitteldeutschland weiter zu professionalisieren, Erfahrungen zwischen Investoren auszutauschen und den Einstieg für Unternehmerinnen und Unternehmer zu erleichtern, die sich erstmals als Business Angel engagieren möchten. Dabei gehe es ausdrücklich nicht ausschließlich um große Investments. Viele potenzielle Business Angels verfügten über unternehmerische Erfahrung, Branchenwissen und Kontakte, wüssten jedoch nicht, wie der Einstieg in Frühphaseninvestitionen gelingen könne. BAM! wolle hierfür eine niedrigschwellige Plattform bieten, auf der gemeinsames Lernen und gemeinsames Investieren im Vordergrund stehen. Gleichzeitig verfolgt der Verein das Ziel, das Innovationspotenzial Mitteldeutschlands über die Region hinaus sichtbarer zu machen. Einen wichtigen Meilenstein sieht BAM! dabei im European Business Angel Congress, der vom 2. bis 4. Juni 2027 in Leipzig stattfinden wird.
Ein Investitions-Hub entsteht


Ein Netzwerk wird sichtbar
Dass die Eröffnung weit über eine formale Schlüsselübergabe hinausging, zeigte auch die Zusammensetzung der Gäste. Vertreter der Investitionsbank Sachsen-Anhalt, der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft und Bürgschaftsbank Sachsen-Anhalt, der IBG-Fonds und ihres Fondsmanagements, des Life Science Cluster Sachsen-Anhalt, der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, der Hochschule Anhalt sowie Unternehmerinnen und Unternehmer aus dem Umfeld der HALLE Startup Partners nutzten den Abend zum Austausch. Hinzu kamen Patentanwälte, Investoren und weitere Akteure des regionalen Innovationsökosystems. Gerade diese Breite unterstrich den Anspruch der neuen Geschäftsstelle. BAM! soll nicht neben dem bestehenden Ökosystem arbeiten, sondern Teil davon werden.

Mehr als eine Geschäftsstelle
Für sich genommen mag die Eröffnung einer Geschäftsstelle unspektakulär erscheinen. Im Kontext der Entwicklung des Weinberg Campus erhält sie jedoch eine andere Bedeutung: Der Standort entwickelt sich seit Jahren konsequent weiter – von der Forschungsinfrastruktur über Inkubatoren und Gründungsprogramme bis hin zu neuen Labor- und Büroflächen für technologieorientierte Unternehmen. Mit BAM! kommt nun eine Institution hinzu, die privates Frühphasenkapital systematisch in dieses Ökosystem einbindet.
Ob daraus tatsächlich mehr Investitionen, mehr Unternehmensgründungen und mehr erfolgreiche Finanzierungsrunden entstehen, wird sich zeigen. Die Richtung ist jedoch klar: Der Weinberg Campus will Forschung, Unternehmertum und Kapital künftig nicht mehr nur räumlich zusammenbringen, sondern auch organisatorisch enger miteinander verzahnen. Die Ansiedlung von BAM! ist dafür ein weiterer, sichtbarer Schritt.
Autor/Autorin
Urs Moesenfechtel, M.A., ist Redaktionsleiter der Plattform Life Sciences und gehört zum Redaktionsteam der Kapitalmarkt-Plattform GoingPublic (GoingPublic, HV Magazin, www.goingpublic.de). Urs beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Themenfeldern Biotechnologie und Bioökonomie und war u.a. bereits als Wissenschaftsredakteur für mehrere Forschungseinrichtungen tätig.





