Der High-Tech Gründerfonds (HTGF) geht mit seinem fünften Seedfonds ins Fundraising. HTGF V soll öffentliches und privates Kapital für junge Technologieunternehmen mobilisieren und Start-ups von der Seed- bis in die Wachstumsphase begleiten. Das First Closing ist für Mitte 2027 geplant. Von Urs Moesenfechtel
Der High-Tech Gründerfonds (HTGF) startet das Fundraising für seine fünfte Seedfonds-Generation. Mit HTGF V will der Frühphaseninvestor sein bisheriges Modell aus öffentlichen Ankerinvestoren und privaten Fondsinvestoren fortsetzen und zugleich die Verzahnung von Seed- und Wachstumsfinanzierung ausbauen. Im Fokus stehen Technologieunternehmen unter anderem aus Life Sciences und Biotechnologie, Deep Tech sowie Digital Tech. Der HTGF verbindet die neue Fondsgeneration dabei mit dem Anspruch, technologische Innovationen stärker in industrielle Wertschöpfung zu überführen und damit das Fundament für ein „neues Wirtschaftswunder“ in Deutschland und Europa zu legen.

Romy Schnelle – Geschäftsführerin, verantwortlich für Industrial Tech und Dr. Achim Plum – Geschäftsführer, verantwortlich für Life Sciences & Chemie. Copyright Foto: Partrycia Lukas / HTGF; Montage: HTGF
Rund 150 neue Investments geplant
HTGF V soll insbesondere junge Technologieunternehmen in einer Phase finanzieren, in der wissenschaftliche und technologische Entwicklungen in marktfähige Produkte und Geschäftsmodelle überführt werden. Als First-Check-Investor steigt der HTGF typischerweise als erster Fonds bei jungen Unternehmen ein. Die initialen Investments liegen in der Regel zwischen einer und drei Mio. EUR.
Über die Laufzeit des neuen Fonds sind rund 150 Neuinvestments vorgesehen. Das First Closing ist für Mitte 2027 geplant. Die Bundesregierung unterstützt HTGF V mit Mitteln aus dem ERP-Sondervermögen. Der Fonds ist zugleich Teil ihrer Startup- und Scaleup-Strategie.
Staatssekretär Dr. Thomas Steffen vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) erklärte: „Wir wollen, dass Innovationen Made in Germany international ganz vorne mitspielen und unsere Wirtschaft stärken. Das geht nur mit erfolgreichen Startups. Mit der Startup- und Scaleup-Strategie schaffen wir als Bundesregierung dafür die richtigen Rahmenbedingungen – der HTGF ist dabei eine zentrale Maßnahme. Mit dem heutigen Start des Fundraisings für den HTGF V beginnen wir sofort mit der Umsetzung unserer Strategie und machen einen wesentlichen Schritt nach vorne, um neue Technologien in international wettbewerbsfähige Unternehmen und industrielle Wertschöpfung in Deutschland und Europa zu überführen. Ich freue mich, wenn sich möglichst viele private Investoren für eine Investition in den HTGF V entscheiden.“
Life Sciences: Kapital für den langen Weg zum Markt
Für Life-Sciences- und Biotechnologieunternehmen ist die langfristige Finanzierungsstrategie besonders relevant. Zwischen wissenschaftlichen Ergebnissen und einem marktfähigen Produkt liegen häufig mehrjährige Entwicklungs-, Validierungs- und Zulassungsphasen. Entsprechend hoch sind Kapitalbedarf und Anforderungen an spezialisierte Investoren und Industriepartner.
Dr. Achim Plum, Geschäftsführer des HTGF beim HTGF (und innerhalb der Geschäftsführung ist er für den Investmentbereich „Life Sciences & Chemie“) zuständig., betont: „Zwischen wissenschaftlichem Durchbruch und Markteintritt liegen in Life Sciences und Chemie oft Jahre. Entscheidend ist, dass Teams frühzeitig die passende Finanzierung, fachliches Sparring und die richtigen Entwicklungs- und Industriepartner an ihrer Seite haben. Der HTGF bringt diese Elemente zusammen, damit aus Forschung marktfähige Lösungen und langfristige Wertschöpfung entstehen. Dass dies funktioniert, zeigen die Unicorns im HTGF-Portfolio, die in diesem Bereich entstanden sind. Diese Erfolgsgeschichte wollen wir mit dem HTGF V fortsetzen.“
Finanzierung von Seed bis Growth
HTGF V soll Teil einer Multi-Stage-VC-Plattform werden, mit der Unternehmen über die klassische Seed-Finanzierung hinaus begleitet werden können. Ergänzend zum Seedfonds stehen dafür der HTGF Opportunity Fonds sowie der DeepTech & Climate Fonds (DTCF) zur Verfügung. Über die Plattform sind nach Angaben des HTGF Folgeinvestments von bis zu 60 Mio. EUR möglich. Der Opportunity Fonds richtet sich an ausgewählte Portfoliounternehmen in späteren Wachstumsphasen. Der DTCF adressiert insbesondere kapitalintensive Technologieunternehmen in der frühen Wachstumsphase. Damit reagiert der HTGF auf eine zentrale Herausforderung technologieorientierter Start-ups: Gerade in kapitalintensiven Bereichen kann zwischen einer erfolgreichen Seed-Runde und der Finanzierung der industriellen Skalierung eine erhebliche Finanzierungslücke entstehen.
Industrie und Mittelstand als Fondsinvestoren
Wie bei den bisherigen Fondsgenerationen sollen öffentliche und private Investoren gemeinsam Kapital bereitstellen. Angesprochen sind insbesondere Unternehmen aus Industrie und Mittelstand sowie institutionelle Investoren. Für die beteiligten Unternehmen soll sich die Investition nicht allein auf eine finanzielle Beteiligung am Fonds beschränken. Der HTGF verspricht Zugang zu kuratiertem Dealflow und Technologietrends sowie Möglichkeiten für Pilotprojekte, Venture-Clienting, Co-Investments und strategische Beteiligungen. In der vierten Seedfonds-Generation sind derzeit 45 Unternehmen aus Industrie und Mittelstand engagiert. Sie tragen nach Angaben des HTGF rund ein Drittel des Fondsvolumens.
Mehr als 800 Start-ups seit 2005 finanziert
Seit seiner Gründung im Jahr 2005 hat der HTGF mehr als 800 Technologie-Start-ups finanziert und mehr als 200 Exits realisiert. Fünf Unternehmen aus dem Portfolio erreichten Unicorn-Status. Bisher konnten mehr als zehn Mrd. EUR an Folgefinanzierungen mobilisiert werden. Auf jeden vom HTGF investierten Euro entfallen demnach mehr als elf Euro an Folgeinvestments. Gemeinsam mit dem DTCF bündelt die Plattform inzwischen mehr als drei Milliarden Euro Fondsvolumen.
HTGF V adressiert die Finanzierungskette als Ganzes
Mit HTGF V setzt der High-Tech Gründerfonds nicht nur eine weitere Seedfonds-Generation auf. Entscheidend ist die Einbettung in eine Finanzierungsstruktur, die junge Technologieunternehmen länger begleiten soll. Für Life Sciences ist dieser Ansatz besonders relevant: Lange Entwicklungszyklen und hoher Kapitalbedarf machen Anschlussfinanzierungen ebenso wichtig wie das erste Seed-Investment. Ob das Modell zusätzliche private Mittel in ausreichendem Umfang mobilisieren kann, wird sich im Fundraising bis zum geplanten First Closing Mitte 2027 zeigen. Mit rund 150 vorgesehenen Neuinvestments könnte HTGF V jedoch zu einem wichtigen Finanzierungsbaustein für die nächste Generation deutscher und europäischer Life-Sciences- und Deep-Tech-Unternehmen werden.
Autor/Autorin
Urs Moesenfechtel, M.A., ist Redaktionsleiter der Plattform Life Sciences und gehört zum Redaktionsteam der Kapitalmarkt-Plattform GoingPublic (GoingPublic, HV Magazin, www.goingpublic.de). Urs beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Themenfeldern Biotechnologie und Bioökonomie und war u.a. bereits als Wissenschaftsredakteur für mehrere Forschungseinrichtungen tätig.






