Bildnachweis: AstraNova – stock.adobe.com, Yggdrasil SPAC 1 AG.
Die Yggdrasil SPAC 1 AG ist eine Mantelgesellschaft (kein SPAC, trotz der Bezeichnung!) mit dem Ziel, einem Technologieunternehmen einen strukturierten, zeitlich und organisatorisch entkoppelten Zugang zum Kapitalmarkt zu ermöglichen – insbesondere über eine umgehende Notierung, ohne den vollständigen klassischen Börsengang aufsetzen zu müssen. Hier kommen auch Unternehmen aus den Life Sciences infrage. Von Urs Moesenfechtel
Plattform Life Sciences: Herr Weiß, was ist Yggdrasil im Kern – jenseits der formalen Bezeichnung „Mantelgesellschaft“?

Weiß: Wir haben eine Aktiengesellschaft mit einem Grundkapital von 250.000 EUR und 250.000 Aktien gegründet und diese an die Börse Düsseldorf gebracht. Die Gesellschaft hat kein operatives Geschäft und keine Altlasten. Genau darin liegt ihr Zweck: Yggdrasil stellt eine bereits börsennotierte Struktur mit einem dazugehörigen Netzwerk bereit, über die ein operatives Unternehmen im Wege eines Reverse IPO oder Reverse Merger an den Kapitalmarkt gebracht werden kann. Die Zielgesellschaft wird dabei gegen Ausgabe neuer Aktien eingebracht und ist anschließend börsennotiert. In diesem Vorgehen, das international – vor allem in Kanada – weit verbreitet ist, wird eine vorhandene börsennotierte Mantelgesellschaft genutzt, um eine nicht börsennotierte Gesellschaft ohne aufwendigen klassischen IPO an die Börse zu bringen.
Warum entscheiden sich Unternehmen für diesen Weg statt für einen klassischen Börsengang?
Ein klassischer IPO bündelt Listing, Kapitalaufnahme sowie PR- und Investor-Relations-Prozesse in einem einzigen, langen und kostenintensiven Projekt. Das schreckt viele Unternehmen ab. Beim Reverse IPO wird dieser Prozess bewusst entkoppelt und Schritt für Schritt durchgeführt: Zunächst erfolgt das Listing, danach Kapitalmarktkommunikation und danach opportunistisch eine Kapitalerhöhung. Dadurch ist dieses Modell auch für deutlich kleinere Gesellschaft geeignet. Wir sehen die Zielgruppe bei Technologiegesellschaften mit 30 bis 150 Mitarbeitern.
Ist das nicht die typische Unternehmensgröße für Venture Capital?
Ja, in der Tat ist ein Reverse IPO die Alternative für eine Serie A oder Serie B-VC-Finanzierung, mit dem deutlichen Vorteil sich nahezu beliebig weiterzuentwickeln, ohne Exit-Druck und komplizierte Verträge.
Für welche Unternehmen ist dieses Modell konkret geeignet?
Für Technologieunternehmen mit skalierbaren Geschäftsmodellen aus den Lebenswissenschaften. Für die Börsenreife gelten im Prinzip ähnliche Kriterien wie bei einem klassischen Börsengang, nur deutlich entspannter. Als Orientierung nenne ich ein bereits erprobtes Geschäftsmodell, das erste Umsätze erzeugt, eine klare Wachstumsperspektive sowie vorhandene Finanzierungsmittel für mindestens 9 bis 12 Monate, bevor über den Kapitalmarkt weitere Mittel eingeworben werden können. Ebenso wichtig ist eine ambitionierte Wachstumsstrategie, typischerweise bewegen sich die Unternehmen in einer Größenordnung von etwa 30 bis 150 Mitarbeitern. Regional liegt unser Fokus auf Deutschland und Österreich.
Verbinden viele Unternehmer mit dem Börsengang nicht bereits den eigenen Exit?
Danke für die Frage. Das ist ein häufiges Missverständnis. Ein Börsenzugang sollte auf keinen Fall als Endpunkt oder Exit verstanden werden. Im Gegenteil: Die Notiz an der Börse sollte der Startpunkt für eine große Wachstumsgeschichte sein. Sie ist ein strukturelles Instrument und schafft Zugang zu Kapital und vielen weitere strategischen Optionen.
Herr Weiß, herzlichen Dank für das Interview.
Das Interview führte Urs Moesenfechtel.
Autor/Autorin
Urs Moesenfechtel, M.A., ist Redaktionsleiter der Plattform Life Sciences und gehört zum Redaktionsteam der Kapitalmarkt-Plattform GoingPublic (GoingPublic, HV Magazin, www.goingpublic.de). Urs beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Themenfeldern Biotechnologie und Bioökonomie und war u.a. bereits als Wissenschaftsredakteur für mehrere Forschungseinrichtungen tätig.







