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Der Mangel an kurstreibenden Nachrichten bei den Unternehmen und das schwierige Marktumfeld sorgen im Berichtszeitraum für eine negative Performance des Baskets. Insgesamt vier Unternehmen liegen beim Börsenwert über der Milliardenmarke. Zugleich mangelt es weiter an mittelgroßen Biotechfirmen aus dem Feld der Medikamentenentwickler. Mit Medigene verschwindet ein Biotechwert der ersten Stunde vom Kurszettel. Von Stefan Riedel

Der im Mai 2022 aufgesetzte Biotech & Co. Basket der Plattform Life Sciences bildet aktuell die Wertentwicklung von 19 börsennotierten deutschen Biotechunternehmen und der Biotechfirma Marinomed aus Österreich ab, deren Aktie an deutschen Börsenplätzen gehandelt wird.

Die wichtigsten Zahlen, Trends und Kursentwicklungen des Biotech-Baskets im Berichtszeitraum (1. Januar bis 31. März 2026):

  • Der Börsenwert aller gelisteten Unternehmen belief sich zum Ende des Berichtszeitraums auf etwas mehr als 33,5 Mrd. EUR. Davon entfielen 64,3 % auf die seit Ende 2019 an der Nasdaq notierende BioNTech AG und 22,5 % auf das im DAX gelisteten Diagnostikunternehmen Qiagen.
  • Die Marktkapitalisierung aller im Basket enthaltenen Unternehmen sank im Berichtszeitraum um 5,5%. Damit schaffte der Basket eine bessere Performance als der DAX, der im selben Zeitraum aufgrund der kräftigen Kursverluste im März 7,4% an Wert verlor. Im Gegensatz dazu gewann der Nasdaq Biotechnology Index als maßgeblicher Branchenindex 2,3% an Wert hinzu.
  • Lediglich vier der 20 Unternehmen schafften eine positive Kursperformance. Die dreistelligen Kursgewinne bei Immunic heben sich dabei deutlich ab. Im Gegenzug verschwand mit der insolventen Medigene ein Börsenstar aus der Zeit des Neuen Marktes vom Kurszettel.
  • Vier Unternehmen (BioNTech, Qiagen, atai Beckley Inc., Immatics) kommen auf eine Marktkapitalisierung von mehr als einer Mrd. EUR.
  • Das Feld der für Nebenwerte- und Spezialistenfonds in Frage kommenden Small Caps mit einem Börsenwert von 100 bis 500 Mio. EUR besteht aktuell mit Formycon und Immunic aus gerade einmal zwei Titeln. Weitere vier Firmen kommen auf eine Marktkapitalisierung zwischen 50 und 100 Mio. EUR.

Schlüsseljahr für BioNTech

Diese Entwicklung erfolgte vor dem Hintergrund, dass die Europäische Kommission mit dem EU Biotech Act die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Biotechfirmen auf verschiedenen Ebenen stärken will. Der Gesetzesvorschlag zielt zum einen darauf ab, die bestehende Investitionslücke durch private und öffentliche Mittel zu schließen. Zum anderen sollen regulatorische Verfahren vereinfacht werden, unter anderem durch kürzere Genehmigungsfristen für klinische Studien.

Für das Basket-Schwergewicht BioNTech wird 2026 ein Schlüsseljahr. Bis zum Jahresende rechnet das Unternehmen mit 15 laufenden klinischen Phase-3-Studien in der Onkologie.

Kurstreibende Studienergebnisse sind im Jahresverlauf vor allem von BNT316 zur Behandlung von Lungenkrebs zu erwarten. Positive Resultate aus der späten Entwicklungspipeline entscheiden letztendlich darüber, ob das Geschäftsmodell von BioNTech den Sprung im Impfstoffentwickler zum Entwickler von Krebs- und Immuntherapien gelingt.

Für Nervosität an den Märkten sorgte Anfang März die Ankündigung der Firmengründer Ugur Sahin und Özlem Türeci, bis Ende 2026 aus dem Unternehmen auszuscheiden und die Neugründung einer Firma zu planen, die sich mit der Entwicklung der nächsten Generation von mRNA-basierten Medikamenten befassen wird. Die personelle Neubesetzung der Konzernspitze wird den Märkten Rückschlüsse liefern, wie BioNTech die Kommerzialisierung seiner nächsten marktreifen Medikamente angehen wird.

Zwei Schwergewichte im Fokus

Übernahmespekulationen beflügelten zum Jahresanfang den Aktienkurs von Qiagen. Mit der abflachenden Börseneuphorie drehte die Kursperformance im Quartalsverlauf ins Minus. Wie bei BioNTech steht auch bei Qiagen in diesem Jahr ein Führungswechsel an der Unternehmensspitze statt. Für 2026 peilt das Unternehmen bei Umsatz und Gewinn je Aktie ein Wachstum von fünf Prozent an. Evotec befindet sich mit seinem Geschäftsmodell weiter im Umbruch. Das Management des Auftragsforschers für die Pharma- und Biotechindustrie  sieht 2026 als Übergangsjahr und erwartet ein positives EBITDA unter dem Vorjahreswert von 41 Mio. EUR.

Pentixapharm im Aufwind

Kurstreibende Nachrichten beflügelten im Januar die Aktie von Pentixapharm, den letzten deutschen Biotech-Börsengang vom Oktober 2024. Das auf Nuklearmedizin spezialisierte Unternehmen erhielt von der US-Behörde FDA positives Feedback für das Phase-3-Studiendesign von Ga-PentixaFor, das am weitesten fortgeschrittenen klinischen Kandidaten. Das radiodiagnostische Mittel soll bei therapieresistenter Hypertonie und primärem Aldosteronismus zum Einsatz kommen, einer Erkrankung, die als häufigste Ursache von sekundärem Bluthochdruck gilt, aber oft übersehen wird. Mittels PET/CT-Bildgebung lässt sich dabei unterscheiden, ob die Erkrankung einseitig oder beidseitig vorliegt. Unilaterale Fälle werden chirurgisch behandelt, bilaterale erfordern lebenslange Medikation.

Das Ende von MediGene

Mit MediGene, dessen IPO Anfang 2000 in die Boomphase des Neuen Marktes fiel und bei dem das Insolvenzverfahren vor dem Abschluss steht, verschwand ein weiteres Unternehmen im Berichtszettel vom Kurszettel. Bei bioXXmed hat sich im Januar durch eine Kapitalmaßnahme der Börsenwert auf 100.000 Euro verringert.

Heidelberg Pharma erhielt dagegen im Berichtszeitraum von seinen Pharmapartnern Takeda Pharma/Japan und Huadong Medicine Inc./China Meilensteinzahlungen zu einem nicht genannten Betrag. Noch wichtiger für die weitere Entwicklung ist, dass Heidelberg Pharma durch die angepasste Vereinbarung mit Healthcare Royalty und die Beteiligung von Soleus Capital die Reichweite der gesicherten Finanzierung bis Mitte 2027 verlängert hat.

Das IPO-Klima bleibt schwierig

In der Summe reflektiert die Entwicklung im Biotech Basket das schwierige Marktumfeld für börsengelistete Biotechfirmen in Europa. Drei der vier höchstkapitalisierten deutschen Biotechfirmen sind an der Nasdaq gelistet. Erfolgreiche private Finanzierungsrunden im Jahr 2025 sind weiterhin ein klares Indiz dafür, dass es an potenziellen Erfolgsstories in der deutschen Biotechbranche nicht mangelt. Die nach dem Berichtszeitraum bekanntgegebene Übernahme von Tubulis durch den US-Biotechkonzern Gilead Sciences für 5 Mrd. USD untermauert diese Tatsache.

Biotech & Co. Basket: 18 Unternehmen nach Marktkapitalisierung
Unternehmen Market Cap Market Cap Veränderung
31.12.2025 31.03.2026
BioNTech SE 22.911,03 22.338,21 -2,50%
QIAGEN N.V. 8.026,94 7.173,89 -10,63%
Evotec SE 970,46 768,97 -20,76%
ATAI Beckley Inc. 1.269,43 1.116,14 -12,08%
Immatics N.V. 1.154,26 1.142,19 -1,05%
Formycon AG 452,35 318,41 -30,98%
Heidelberg Pharma 112,74 138,0 15,31%
4basebio PLC 98,3 82,81 -15,76%
Famicord 106,32 82,97 -21,96%
InflarX N.V. 67,8 55,36 -18,35%
Immunic 51,72 125,25 142,17%
BRAIN Biotech AG 54,63 53,53 -2,01%
Pentixapharm 36,92 46,59 26,19%
Vivoryon Therapeutics 42,05 39,38 -6,35%
Marinomed Biotech AG 32,57 30,71 -5,71%
Biofrontera AG 14,84 15,57 4,92%
TME Pharma 6,26 4,89 -21,88%
Mainz Biomed B.V. 8,64 5,0 -42,13%
bioXXmed 1,16 0,12 -89,66%
Marktkapitalisierung nach Entwicklung kumuliert 35.417,26 33.537,99 -5,47%
DAX-Kurs im Vergleichszeitraum 24.490,41 22.680,04 -7,39%

Autor/Autorin

Stefan Riedel
Finanzredakteur at Büro für Kommunikation

Stefan Riedel ist in den internationalen Finanzmärkten unterwegs. Seit 20 Jahren schreibt der passionierte Börsianer für die Plattformen und Publikationen von GoingPublic Media, unter anderem GoingPublic und die Plattform Life Sciences.