Eine aktuelle Studie zur Digitalisierung im Mittelstand zeigt, dass zwei von drei mittelständischen Unternehmen in Deutschland befürchten, dass die digitale Transformation ihres Betriebs sie finanziell überfordern könnte.

Hierbei blicke besonders die Dienstleistungsbranche angespannt in die digitale Zukunft. „Unter den Dienstleistern befürchten besorgniserregende 71% der Unternehmen, dass ihnen mitten im digitalen Umbruch die finanzielle Kraft ausgehen könnte“, erklärt Dr. Daniel Bartsch, Vorstand und Gründungspartner von der Frankfurter Finanzierungsplattform creditshelf. Die aktuelle Kreditpolitik der Banken könnte also dafür sorgen, dass der Großteil des Sektors nicht in der Lage sein wird, die nun wichtigen Weichenstellungen in Richtung digitaler Geschäftsmodelle vorzunehmen. „Seit der Finanzkrise neigen Banken nämlich dazu, schnelle und unbesicherte Kredite seltener an Mittelständler auszugeben“, so Bartsch weiter.

Digitalisierung hat hohe Priorität

Der dem deutschen Mittelstand seit langem gemachte Vorwurf, dass die Unternehmen im jahrelangen Konjunkturhoch mit gut gefüllten Auftragsbüchern zu wenig an die Zukunft denken würden, wird von der aktuellen Umfrage widerlegt: Drei Viertel der für die Studie befragten Finanzentscheider räumen dem Thema Digitalisierung in ihrer Investitionsplanung eine wichtige oder sogar sehr wichtige Bedeutung ein.

„Gerade für Mittelständler war der anhaltende wirtschaftliche Boom in den vergangenen Jahren Fluch und Segen zugleich“, betont Prof. Dr. Dirk Schiereck von der TU Darmstadt. Auch wenn sich mittelständische Betriebe in vergangenen Phasen des wirtschaftlichen Abschwungs immer wieder erfolgreich auf ihre Innovationskraft besonnen haben, könnte es diesmal anders laufen. „Es geht aktuell eben nicht darum, vorhandenes Know-how zu reaktivieren, sondern neues, zum Teil branchenfremdes Wissen aufzubauen“, gibt creditshelf-Vorstand Bartsch zu bedenken. Somit führe kein Weg daran vorbei, bei Digitalisierungsprojekten auch abseits der klassischen Kreditgeber nach neuen, innovativeren Finanzierungspartnern zu suchen.

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Über den Autor

Svenja Liebig ist Redakteurin des GoingPublic Magazins sowie verantwortlich für goingpublic.de