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Bildnachweis: GoingPublic Media.

Michael Motschmann, General Partner der MIG AG, spricht im Interview über das Investment BioNTech, zieht Bilanz zur Aktie und dem weiteren Portfolio und blickt auf das, durch die Corona-Pandemie gestiegene Interesse am Life Sciences-Sektor.

VC Magazin: Drei von Ihnen verwaltete MIG Fonds waren im Jahr 2008 „Investor der ersten Stunde“ in BioNTech. Wann war Ihnen bewusst, dass dieses Unternehmen „fliegen“ wird?
Motschmann: Wir waren sehr schnell ­davon überzeugt, mit den Gründern ­Özlem Türeci und Ugur Sahin auf die richtigen Personen zu setzen. Sie zu treffen war ein Glücksfall. Mein späterer Vorstandskollege Dr. Matthias Kromayer hatte mir die beiden empfohlen und ich lernte sie im ­April 2006 in München kennen. Bereits die erste Präsentation damals – zu Ganymed – hat uns begeistert. Beide kamen aus der Forschung, waren aber imstande, uns komplexeste Zusammenhänge einfach, verständlich und stichhaltig zu erläutern. Zunächst investierten wir 2007 zusammen mit dem Family Office Strüngmann in ­Ganymed, ein Unternehmen, das die ­beiden ebenfalls gegründet hatten. Nach einer Phase des gegenseitigen Kennenlernens kam dann im Herbst 2008 die Gründung der BioNTech. Hier hatten die beiden sowohl uns als auch unsere wichtigen
Co-Investoren vom Konzept und Potenzial überzeugt. Wir alle hatten von Anfang an große Ambitionen mit BioNTech und ­waren somit auch immer von ihrer ­außergewöhnlichen Zukunft überzeugt – jedoch konnte niemand den beschleu­nigenden Einfluss der Coronapandemie vorhersehen.

VC Magazin: Sie haben inzwischen große Teile Ihrer BioNTech-Aktien veräußert und 600 Mio. EUR für Ihre Anleger realisiert. Welche vorläufigen Renditen errechnen sich dadurch für die Anleger in die MIG Fonds 7, 8 und 9, die an BioNTech beteiligt waren?
Motschmann: BioNTech ist sicherlich die deutlich renditestärkste Beteiligung der MIG Fonds und derzeit wohl eines der erfolgreichsten ­europäischen Start-ups seit der Jahrtausendwende. Wir haben anfänglich mit den genannten drei Fonds insgesamt rund 13,5 Mio. EUR in BioNTech investiert. Diese Seed-Finanzierung mit unserem Co-Investor, dem Family Office Strüngmann, war mit rund 150 Mio. EUR eine der größten Runden in Europa bis dahin. Für die wei­tere Wachstumsfinanzierung wurde später auch eine Reihe von großen Pharmakonzernen mit ins Boot geholt. Zum Börsengang im Oktober 2019 hielten die drei MIG Fonds dann noch knapp unter 6% der Aktien. Einen Großteil dieser Anteile ­haben wir inzwischen verkauft und die von Ihnen erwähnten 600 Mio. EUR an Rückflüssen erzielt. Konkret ergibt sich mit Rückflüssen aus anderen Exits für die Investoren des MIG Fonds 7 bis dato ein Faktor sieben – die Anleger haben also ­sieben Mal ihre Einlage erhalten –, für den MIG Fonds 8 von ca. 1,5 und für den MIG Fonds 9 ein Faktor vier auf die jeweilige Einlage.

VC Magazin: Wie sieht derzeit Ihre Bilanz über alle Fonds hinweg aus?
Motschmann: Aus den MIG Fonds haben wir bislang rund 580 Mio. EUR in über 40 junge ­Geschäftsmodelle investiert. Aus allen Exits flossen bis dato an Anleger rund 900 Mio. EUR zurück. Hinzu kommen noch ein Restbestand von unter 1% an BioNTech-Aktien sowie ein sehr chancenreiches und breites Portfolio aus derzeit 29 Beteiligungsunternehmen mit zum Teil erheb­lichem Potenzial für künftige Exits.

VC Magazin: Welche Pläne haben Sie hinsichtlich des verbleibenden Aktienpakets? Wünschen Ihre Investoren einen schnellen Exit?
Motschmann: Hierüber werden meine Kollegen im Vorstand der MIG AG entscheiden, wie sie es schon in der Vergangenheit gemacht ­haben. Ich bin aus aufsichtsrechtlichen Gründen als Aufsichtsrat der BioNTech in diesen Prozess nicht involviert. Ich denke aber, unsere Investoren in den betroffenen Fondsgesellschaften sind mit unseren Entscheidungen zufrieden.

VC Magazin: Verleiht die BioNTech-Story auch dem aktuellen Fundraising Rückenwind?
Motschmann: Ja, damit rechnen wir. Wir waren in den vergangenen Jahren bereits mit mehreren Exits erfolgreich – ich darf an SuppreMol, sunhill technologies, Ganymed, und Siltectra erinnern. Mit den Börsengängen und Aktienverkäufen von Brain und Nfon sowie dem IPO von Immatics an der ­Nasdaq im vergangenen Jahr haben wir den Proof of Evidence unseres Geschäftsmodells nachhaltig erbracht. Dennoch ist der Erfolg von BioNTech, an dem wir nun partizipieren, selbstverständlich der Ritterschlag für uns als Wagniskapitalgeber, der uns noch sichtbarer macht. Die Anleger honorieren dies mit ihrem Vertrauen, insbesondere jene, die in die genannten Fonds investiert haben und häufig auch ­einen Teil ihrer Gewinne wieder bei uns anlegen.

VC Magazin: Gibt es Life-Sciences-Unternehmen in Ihrem Portfolio, denen Sie eine ähnliche Entwicklung zutrauen?
Motschmann: Obwohl wir natürlich von dem Potenzial unseres aktuellen Portfolios überzeugt sind, wäre es vermessen, zu behaupten, uns gelänge sofort eine BioNTech-2.0-Story. Dennoch sehe ich bei vielen Firmen die Möglichkeit und das Potenzial, diese ­Unternehmen in ihrem Wert deutlich ­weiter zu entwickeln und im Sinne unserer Investoren weitere erfolgreiche Exits zu verwirklichen. Wir haben Erwartungen und Hoffnungen, wollen aber lieber später über erreichte Ziele sprechen.

VC Magazin: Inwiefern hat Corona die Finanzierung der Life Sciences verändert?
Motschmann: Corona hat schlagartig das Rampenlicht auf das Feld Life Sciences und die Biotechno­logie gelenkt. Fabelhafterweise konnte Deutschland mit BioNTech und auch ­CureVac in diesem weltweiten Technologiewettbewerb um sichere und wirksame Impfstoffe Punkte sammeln. Dies ist eine historisch einmalige Chance, da der ­Beweis ­angetreten wurde, mit einer ­großen Innovation Bahnbrechendes zu bewirken. Diese Chance sollte man nun nutzen, um die Rahmenbedingungen für Innovationen in allen Bereichen investorenfreundlicher zu gestal­ten. Wir brauchen diese jungen innovativen Unternehmen in Deutschland in allen Technologiefeldern, um in der kommenden ­Dekade die wirtschaftliche Transformation zu verwirklichen. Die Defizite bei der Finanzierung von jungen Unternehmen in diesen Branchen, die doch sehr langfristige und professionelle Engagements erfordern, bleiben aber ohne diese notwen­digen Veränderungen der Rahmenbedingungen bestehen. Wenn wir den Standort Deutschland für ­Investoren ­attraktiver machen, dann kann das notwendige ­Ökosystem für Deeptechgründer entstehen. Ob dies gelingt, hängt vom Willen ­aller Gestaltenden ab und von unserem Mut, notwendige Veränderungen jetzt ­anzugehen.

Vielen Dank für das Interview!

Das Interview führte Mathias Renz.

ZUM INTERVIEWPARTNER
Michael Motschmann ist seit 2008 Mitglied des Aufsichtsrats der BioNTech SE und Vorstandsmitglied der MIG Ver­waltungs AG, die seit 2008 über die MIG Fonds 7, 8 und 9 in BioNTech investiert ist.

QuelleVentureCapital Magazin