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Die internationalen Kapitalmärkte haben sich im bisherigen Jahresverlauf erstaunlich robust gezeigt. Trotz geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Belastungen bewegen sich viele Aktienindizes in der Nähe ihrer Höchststände. Zahlreiche Risiken wurden und werden zwar diskutiert; auch auf den bisherigen Hauptversammlungen dieser Saison sind die Unsicherheiten immer wieder Thema. In den Unternehmensbewertungen spiegeln sich diese Entwicklungen bislang jedoch nur begrenzt wider. Das könnte sich im weiteren Jahresverlauf ändern. Von Thorsten Fues
Dieser Beitrag ist auch im HV-Magazin 2/26 erschienen!
Ein wesentlicher Belastungsfaktor bleibt die Eskalation im Nahen Osten. Der Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran sowie die Einschränkungen der Schifffahrt in der Straße von Hormus haben die Energiemärkte belastet. Schäden an Förderanlagen und Infrastruktur wirken weit über die Region hinaus. Die Folgen sind steigende Energiepreise, höhere Transportkosten und Belastungen globaler Lieferketten.
Die Auswirkungen treffen Unternehmen und Verbraucher gleichermaßen. Energieintensive Industrien kämpfen mit höheren Produktionskosten, private Haushalte mit steigenden Preisen für Energie und Konsumgüter. Selbst bei einer politischen Entspannung dürfte das Preisniveau für Öl und Gas länger erhöht bleiben. Damit wächst zugleich der Druck auf die Unternehmensergebnisse.
Handelspolitik bleibt kaum kalkulierbar
Parallel dazu bleibt die internationale Handelspolitik ein erheblicher Unsicherheitsfaktor. Trotz zahlreicher Vereinbarungen unter anderem mit der Europäischen Union bleibt die amerikanische Zollpolitik schwer kalkulierbar. Unternehmen können Investitionen nur eingeschränkt langfristig planen. Besonders betroffen davon sind exportorientierte Volkswirtschaften wie Deutschland.
Hohe Bewertungen und KI-Fantasie
Hinzu kommt die zunehmend diskutierte Bewertung vieler Unternehmen. Vor allem im Technologiesektor und bei KI-getriebenen Wachstumswerten erscheinen die Bewertungen teilweise außergewöhnlich ambitioniert. Die Märkte setzen offenbar darauf, dass die wirtschaftlichen Belastungen nur vorübergehend sind und gleichzeitig dauerhaft hohe Wachstumsraten möglich bleiben.
Besonders aufmerksam verfolgen die Notenbanken die Entwicklung der Inflation. Sollten die gestiegenen Energiepreise dauerhaft wirken, könnte dies Druck auf die Zentralbanken ausüben, das Zinsniveau länger hochzuhalten oder gar zu erhöhen. Genau darin liegt ein erhebliches Risiko für die Börsen.
Erstaunliche Widerstandskraft der Börsen
Trotz all dieser Risiken notiert der DAX weiterhin nur knapp unter seinem Allzeithoch – ein Anstieg seit dem von Donald Trump verkündeten „Liberation Day“ mit folgendem Kurseinbruch im April 2025 von ungefähr 35 %. Selbst geopolitische Verwerfungen im Nahen Osten führten nur kurzfristig zu Rücksetzern, die anschließend nahezu vollständig aufgeholt wurden.
Diese Entwicklung zeigt, wie stark die Märkte derzeit auf ein optimistisches Szenario setzen. Gleichzeitig drängt sich jedoch der Eindruck auf, dass die strukturellen Risiken weiterhin unterschätzt werden.
Fazit
Vor diesem Hintergrund erscheint weniger die Frage entscheidend, ob es zu einer stärkeren Korrektur kommen wird, sondern vielmehr, welcher Auslöser diese letztlich hervorrufen könnte. Die kommenden Monate dürften daher nicht nur für Investoren, sondern auch für Unternehmen und Hauptversammlungen besonders spannend werden.
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