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Die Hauptversammlungs- und Investor-Relations-Arbeit steht traditionell für Stabilität, Verlässlichkeit und klar definierte Abläufe. Doch geopolitische Konflikte wie der Krieg in der Ukraine oder die Eskalationen im Iran zeigen, dass politische Krisen zunehmend direkten Einfluss auf kapitalmarktrechtliche HV- und IR-Prozesse nehmen. Für Emittenten werden die Aktivitäten in dem Kontext damit zum Spiegel globaler Unsicherheiten und erfordern eine deutlich höhere Anpassungsfähigkeit. Von Sven Fenger und Joachim Lorenzen
Dieses Interview ist auch im HV-Magazin 02/26 erschienen!
Während Sanktionen gegen Russland bereits seit Jahren die Kapitalmärkte prägen, rückt mit dem Irankonflikt ein weiterer Unsicherheitsfaktor in den Fokus. Die Eskalation 2026 führte zu erheblichen Störungen von Lieferketten, Energiepreisen und internationalem Handel. Die zeitweise Blockade der Straße von Hormus – einer zentralen Öl- und Gasroute – verstärkte die Auswirkungen und bedingte auch in Europa steigende Preise, Marktvolatilität und wirtschaftliche Unsicherheit.
Parallel wurden die EU-Sanktionen gegen den Iran weiter verschärft, insbesondere durch Finanzrestriktionen, Handelsverbote sowie umfassende Listungen von Personen und Organisationen. Zudem müssen Emittenten heute sicherstellen, dass …
- keine sanktionierten Personen oder Organisationen Stimmrechte ausüben,
- wirtschaftlich Berechtigte identifiziert und überprüft werden und
- Intermediärsketten transparent nachvollziehbar sind.
Gerade bei komplexen internationalen Aktionärsstrukturen wird dies zu einer hochsensiblen Aufgabe. Fehler können nicht nur rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen, sondern auch die Legitimität von HV-Beschlüssen infrage stellen. Investor Relations (IR) und Corporate Governance stehen dabei ebenfalls im Zentrum – sowohl aus Sicht der Emittenten als auch aus Perspektive unterstützender Dienstleister.
Schnittstelle zwischen IR und Governance
Ein zentraler Trend ist die zunehmende Verzahnung von IR und Corporate Governance. Geopolitische Risiken betreffen beide Bereiche gleichermaßen. So muss IR Risiken verständlich und konsistent kommunizieren; Governance muss ihrerseits sicherstellen, dass diese Risiken tatsächlich gesteuert werden. Für Emittenten bedeutet das: Kommunikation und interne Steuerung dürfen nicht auseinanderfallen. Inkonsistenzen werden vom Kapitalmarkt schnell erkannt und kritisch bewertet.
Compliance als integraler Bestandteil
Die Hauptversammlung ist damit längst ein compliancegetriebener Prozess. Sanktionslisten, Embargos und regulatorische Vorgaben müssen kontinuierlich in die operativen Abläufe integriert werden.
Das gilt insbesondere für dynamische Krisensituationen wie im Iran: Neue Sanktionen können kurzfristig in Kraft treten und bestehende Prozesse unmittelbar verändern. Unternehmen müssen daher in der Lage sein, ihre Systeme und Prüfmechanismen nahezu in Echtzeit anzupassen.
Auch Zahlungsströme – etwa im Rahmen von Dividenden – unterliegen strengen Restriktionen. Finanztransaktionen mit sanktionierten Parteien sind untersagt, was zusätzliche Prüf- und Dokumentationspflichten mit sich bringt.
Investor Relations im geopolitischen Kontext
Neben der operativen Dimension gewinnt auch die kommunikative Ebene an Bedeutung. Investor Relations (IR) steht in Krisenzeiten unter besonderem Druck: Investoren erwarten Transparenz über Risiken, Abhängigkeiten und strategische Anpassungen.
Der Irankonflikt zeigt exemplarisch, wie stark geopolitische Entwicklungen auch Unternehmen betreffen können, die nur indirekt mit der Region verbunden sind – etwa über Energiepreise oder Lieferketten.
Die HV wird damit zum zentralen Forum, um diese Themen zu adressieren. Fragen zu Resilienz, Risikomanagement und geopolitischer Positionierung prägen zunehmend die Generaldebatte. Eine klare, konsistente und glaubwürdige Kommunikation ist entscheidend, um Vertrauen zu erhalten.
Corporate Governance unter Beobachtung
Gleichzeitig geraten Governance-Strukturen stärker in den Fokus. Der Umgang mit geopolitischen Risiken wird zunehmend als Maßstab für gute Unternehmensführung gesehen. Aufsichtsräte und Vorstände müssen darlegen, wie sie geopolitische Risiken identifizieren und bewerten, Compliance sicherstellen und langfristige Stabilität gewährleisten.
Die Hauptversammlung fungiert dabei als Kontroll- und Diskussionsorgan. Fehlentwicklungen oder mangelnde Transparenz können hier unmittelbar sichtbar werden – mit entsprechenden Auswirkungen auf Reputation und Kapitalmarktvertrauen.
Diese Entwicklungen wirken sich unmittelbar auf die Durchführung von Hauptversammlungen aus. Als HV- und IR-Dienstleister haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Fähigkeit, flexibel auf disruptive Ereignisse zu reagieren, zunehmend an Bedeutung gewinnt, da sich Marktbedingungen immer schneller und unvorhersehbarer verändern. Gegenanträge, Tagesordnungsergänzungsverlangen oder Anträge auf Sonderprüfungen können einen HV-Ablauf schon einmal hektischer erscheinen lassen.
Die Rolle eines Dienstleisters
In diesem komplexen Umfeld kommt IR- und HV-Dienstleistern eine zentrale Rolle zu. Sie sind heute weit mehr als technische Abwickler – sie agieren als integrative Partner für Compliance, Prozesssicherheit und digitale Umsetzung. Zu ihren Kernaufgaben zählen:
- die Durchführung von Sanktions- und Compliance-Prüfungen in der Aktionärsverwaltung,
- die Unterstützung bei der Identifikation wirtschaftlich Berechtigter sowie
- die Sicherstellung rechtssicherer Anmelde- und Abstimmungsprozesse.
Gerade in dynamischen Krisensituationen zeigt sich der Mehrwert von Dienstleistern: Sie ermöglichen es Emittenten, kurzfristig auf neue regulatorische Anforderungen zu reagieren und gleichzeitig die Integrität beispielsweise der Hauptversammlung sicherzustellen.
Fazit
Compliance, Investor Relations und Corporate Governance wachsen immer stärker zusammen. Die HV wird zum Knotenpunkt, an dem regulatorische Anforderungen, strategische Kommunikation und verantwortungsvolle Unternehmensführung zusammenlaufen. Geopolitische Krisen erhöhen spürbar die Anforderungen an Hauptversammlung und Investor Relations. Regulatorische Vorgaben, Sanktionsprüfungen und volatile Rahmenbedingungen führen zu mehr Komplexität und erfordern eine enge Verzahnung von IR, Compliance und Corporate Governance. Für Emittenten wird es zunehmend entscheidend, Prozesse flexibel anzupassen und Risiken konsistent zu steuern und zu kommunizieren. Gleichzeitig gewinnen spezialisierte Dienstleister an Bedeutung, um die rechtssichere und effiziente Umsetzung sicherzustellen.




