Bildnachweis: Jan Honsan for ASTA.
Die ASTA Energy Solutions AG sieht sich als einen der weltweit führenden Anbieter von kupferbasierten Lösungen für Stromübertragung und -erzeugung sowie E-Mobilität. Im Jahr 1814 gegründet, erwirtschaftet das Unternehmen aus Oed im Bezirk Wiener Neustadt mit seinen weltweit rund 1.400 Mitarbeitern einen Umsatz von 696 Mio. EUR. Ende Januar 2026 ist ASTA an die Frankfurter Börse gegangen und notiert seitdem dort im Prime Standard. ASTA war damit als österreichisches Unternehmen das erste IPO des Jahres an der Frankfurter Börse sowie zugleich der erste Small-/Mid-Cap-IPO 2026 in Europa. CEO Dr. Karl Schäcke erläutert die Hintergründe und Erfahrungen des Börsengangs.
Dieses Interview ist auch im HV-Magazin 02/26 erschienen!
HV Magazin: Warum haben Sie als österreichisches Unternehmen Frankfurt und nicht Wien als Börsenplatz gewählt?
Dr. Schäcke: Die Deutsche Börse bietet deutlich höhere internationale Sichtbarkeit und beherbergt die primäre Peergroup von ASTA. Wichtige Kunden – etwa Siemens Energy – sind in Frankfurt gelistet und auch PFISTERER SE, ein zentraler Core Peer. Frankfurt bietet die notwendige Aufmerksamkeit von Analysten und Investoren weltweit, insbesondere für Themen rund um die Energiewende.
ASTA hat das Segment des Prime Standards gewählt. Warum?
Wir haben uns bewusst für den Prime Standard entschieden, weil dieses Segment für höchste Transparenz, starke Corporate Governance und internationale Kapitalmarktfähigkeit steht. Für uns ist das ein klarer Vertrauensbeweis gegenüber Investoren und ein Signal, dass wir langfristig, professionell und auf Augenhöhe mit internationalen Peers agieren wollen. Zudem eröffnet der Prime Standard den Zugang zu einem breiteren Investorenkreis und schafft die Grundlage für Sichtbarkeit, Liquidität und potenzielle Indexfähigkeit.
Welche Erfahrungen haben Sie bei Ihrem Börsengang gemacht?
Der Börsengang war für uns organisatorisch wie kulturell ein sehr prägendes Erlebnis. Es ist beeindruckend, was dieser Schritt intern ausgelöst hat – in Bezug auf Professionalität, Fokus und Zusammenarbeit über Funktionen hinweg. Gleichzeitig spüren wir die veränderte Wahrnehmung sehr deutlich nach außen: nicht nur in Europa, sondern an all unseren Standorten weltweit. Diese Sichtbarkeit nutzen wir bewusst für unsere Positionierung am Markt und auch im Talent Hiring. Und natürlich ist der Aktienkurs ein täglicher Begleiter. Er macht sichtbar, wie der Markt uns und unsere Entscheidungen einschätzt. Das nehmen wir sehr ernst – mit Respekt und einer gewissen Demut.
Was würden Sie mit dem heutigen Wissen anders machen?
Mit dem heutigen Wissen würden wir es genauso wieder machen. Der Börsengang hat unsere Organisation gestärkt, unsere Sichtbarkeit erhöht und uns strategisch wie kulturell weitergebracht. In Summe war es für ASTA der richtige Schritt zum richtigen Zeitpunkt.
Gibt es aus Ihrer Sicht Unterschiede bei Börsengängen zwischen Österreich und Deutschland?
Aus unserer Sicht ist die Unterscheidung zwischen nationalen Börsen heute weitgehend überholt. Der Handel findet über internationale Plattformen wie XETRA ohnehin global und nahezu rund um die Uhr statt. Für uns war daher entscheidend, wo wir die größte internationale Sichtbarkeit und die relevante Peergroup finden. Die Deutsche Börse bietet genau das: Sie beherbergt zentrale Kunden wie Siemens Energy ebenso wie wichtige Core Peers wie PFISTERER SE. Frankfurt verfügt zudem über eine hohe Aufmerksamkeit von Analysten und Investoren weltweit – insbesondere für Themen rund um die Energiewende. Das war für ASTA der ausschlaggebende Faktor.
Sie hatten mit Siemens Energy einen Cornerstone-Investor an Bord. Wie hat sich das konkret ausgewirkt?
Die Beteiligung von Siemens Energy als Cornerstone-Investor hat unserer Equity Story zusätzliche Glaubwürdigkeit verliehen. Sie unterstreicht die strategische Bedeutung unserer Produkte für führende OEMs der Branche. Darüber hinaus konnten wir drei weitere internationale Cornerstone-Investoren gewinnen: Invesco, BNP Paribas Asset Management und WCM Investment Management. Das war ein starkes Zeichen und ein klarer Vertrauensvorschuss in unser Geschäftsmodell, unsere Strategie und unser Wachstumspotenzial – und es hat dazu geführt, dass wir vielfach überzeichnet waren.
Abschließend: Wie bewerten Sie den österreichischen Finanzplatz? Für wen ist er interessant, wo sind dessen Grenzen?
Der österreichische Finanzplatz hat klare Stärken – insbesondere für mittelständische Unternehmen, Familienunternehmen und Emittenten mit starkem regionalem Bezug. Er bietet einen hohen Qualitätsanspruch, verlässliche institutionelle Investoren und kurze Wege. Gleichzeitig liegen die Grenzen vor allem bei internationaler Sichtbarkeit und Kapitalmarkttiefe. Unternehmen, die auf internationale Wachstumsmärkte setzen oder eine globale Investorenbasis aufbauen möchten, sollten abwägen, wie die Wiener Börse diese Strategie unterstützen kann.
Zum Interviewpartner

Dr. Karl Schäcke ist CEO der ASTA Group und ein erfahrener Manager, Unternehmer sowie Investor. Er verfügt über umfangreiche Erfahrung in Unternehmenswachstum, Restrukturierung und operativer Optimierung und treibt mit ASTA die globale Energiewende im Bereich Energieinfrastruktur voran.
Autor/Autorin
Die Redaktion der Kapitalmarkt Plattform GoingPublic (Magazin, www.goingpublic.de, LinkedIn Kanal, Events) widmet sich seit Dezember 1997 den aktuellen Trends rund um die Finanzierung über die Börse. Ob Börsengang (GoingPublic) oder die vielfältigen Herausforderungen für börsennotierte Unternehmen (Being Public), präsentiert sich GoingPublic cross-medial als Kapitalmarktplattform für Emittenten und Investment Professionals.





