Bildnachweis: IBU-tec, IBU tec.

Die IBU-tec advanced materials AG (ISIN: DE000A0XYHT5, MarketCap: ca 80 Mio. EUR) treibt ihre Transformation zum Anbieter von Batteriematerialien weiter voran. Während langfristige Vereinbarungen – insbesondere mit PowerCo – die Grundlage für zukünftiges Wachstum legen, bleibt das laufende Jahr operativ von einer Übergangsphase geprägt. Für Investoren rückt damit die Frage in den Fokus, wie schnell die Industrialisierung tatsächlich gelingt. GoingPublic durfte im Zuge einer Pressereise den Standort Bitterfeld besuchen. Von Jenny Gspahn


Wachstum im Batteriebereich, Druck im Bestandsgeschäft

Ein Blick auf die jüngsten Geschäftszahlen zeigt das typische Bild einer laufenden Transformation: IBU-tec erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2025 mit rund 250 Mitarbeitern einen Umsatz von 44,3 Mio. EUR (Vorjahr: 50,6 Mio. EUR). Dabei basiert das Geschäftsmodell weiterhin auf zwei eng verzahnten Säulen: einem technologiegetriebenen Dienstleistungsgeschäft in der thermischen Verfahrenstechnik sowie dem Aufbau eines zunehmend skalierbaren Produktgeschäfts mit eigenen Materialien.

Das klassische Dienstleistungsgeschäft umfasst Prozessentwicklung, Materialtests und Lohnfertigung für Industriekunden. Dabei werden Materialien thermisch behandelt (z. B. Trocknen, Kalzinieren), um deren Eigenschaften gezielt zu verändern. Dieses Segment ist projektabhängig und entsprechend zyklisch. Demgegenüber entwickelt und produziert IBU-tec eigene Batteriematerialien, insbesondere sogenanntes LFP-Kathodenmaterial (Lithium-Eisenphosphat). Dabei handelt es sich um ein zentrales Vorprodukt für Lithium-Ionen-Batterien, das anschließend von Zellherstellern in Batteriezellen verbaut wird.

Seit dem Börsengang im Jahr 2017 hat sich das Unternehmen schrittweise von einem reinen Spezialdienstleister hin zu einem hybriden Industrieplayer entwickelt. Während IBU-tec damals noch fast vollständig von projektgetriebenen Entwicklungs- und Lohnfertigungsaufträgen abhängig war, wurde in den vergangenen Jahren gezielt der Aufbau eigener Materialkompetenzen vorangetrieben – insbesondere im Bereich Batteriematerialien.

Insbesondere das Batteriegeschäft entwickelte sich dabei zum zentralen Wachstumstreiber. Der Umsatz im Segment Batteriematerialien stieg 2025 deutlich auf 17,7 Mio. EUR nach 9,8 Mio. EUR im Vorjahr – und machte damit bereits rund 40 % des Konzernumsatzes aus. Damit verschiebt sich die Gewichtung im Geschäftsmodell zunehmend von einem projektgetriebenen Serviceanbieter hin zu einem hybriden Modell mit wachsendem Industrieproduktfokus.

Trotz des herausfordernden Umfelds konnte die Profitabilität deutlich gesteigert werden: Das EBITDA erhöhte sich auf 4,6 Mio. EUR (Vorjahr: 1,0 Mio. EUR), die EBITDA-Marge verbesserte sich entsprechend auf 10,5 % (Vorjahr: 2,0 %). Bezugsgröße ist der Gesamtumsatz von 44,3 Mio. EUR, strategisch strebt das Unternehmen mittelfristig eine weitere Verbesserung auf 13 bis 15 % EBITDA-Marge bis 2030 an.

Bitterfeld: Skalierung als entscheidender Hebel

Mit dem neuen Produktionsstandort in Bitterfeld schafft IBU-tec die Grundlage für den nächsten Skalierungsschritt. Geplant ist eine Produktionskapazität von rund 15.000 Tonnen LFP-Kathodenmaterial pro Jahr, die den Übergang in die industrielle Großproduktion ermöglichen soll.

Der Aufbau erfolgt im Rahmen langfristiger Verträge mit PowerCo SE. PowerCo ist die Batteriezelltochter des Volkswagen-Konzerns und zentraler strategischer Abnehmer für Batteriematerialien in Europa. Laut Unternehmensplanung sollen sich nach Produktionsstart in Bitterfeld wiederkehrende Umsätze im Bereich eines mittleren bis oberen zweistelligen Mio.-EUR-Betrags pro Jahr ergeben.

Im Rahmen der Besichtigung des neuen Werks wurde insbesondere der neue Sprühturm als zentrales Element der Prozesskette sichtbar, der die industrielle Umsetzung der Kathodenmaterialproduktion ermöglicht.

Der Ansatz ist klar auf Wachstum ausgerichtet: Die Kapazitäten werden gezielt vor dem vollständigen Hochlauf der Nachfrage aufgebaut, um künftige Volumina bedienen zu können. Dies eröffne erhebliches Skalierungspotenzial, erhöht aber zugleich die Anforderungen an einen schrittweisen Hochlauf und eine ausreichende Auslastung der neuen Anlage.

Wachstum kommt – aber zeitversetzt

Auch auf Analystenseite wird die strategische Neuausrichtung grundsätzlich positiv bewertet. Das aktuelle Research von Montega sieht insbesondere im Aufbau der Produktionskapazitäten in Bitterfeld den zentralen Werttreiber.

Allein auf Basis der bestehenden Vereinbarungen – insbesondere mit PowerCo – ergibt sich mittelfristig ein Umsatzpotenzial von 80 bis 90 Mio. Euro, auch wenn 2026 noch ein Umsatzrückgang erwartet wird aufgrund des hohen Ressourceneinsatzes im Zuge des Aufbaus der neuen Anlage. „Unsere Planung basiert auf bestehenden Verträgen – das ist so konkret wie nie zuvor“, so CEO Leinenbach. Perspektivisch hält man sogar eine deutliche Ausweitung darüber hinaus für möglich, sofern noch zusätzliche Kunden gewonnen werden.

1 Monatschart IBU-tec advanced materials AG Stand 24.04.2026 10:14 || Quelle: stock3.com

Aktienstory

Aufgrund der guten Perspektiven sehen die Analysten von Montega auf Sicht von 12 Monaten ein Kursziel von 25 EUR. Bei aktuellen Kursen um 16,85 EUR (Marktkapitalisierung ca. 80 Mio. EUR) bedeutet das noch über 60 % Potenzial, obwohl die Aktie schon in den vergangenen Wochen gut gelaufen ist. Nach mehreren Jahren mit externen Belastungen – von Pandemie bis Energiekrise – hatte das Vertrauen des Kapitalmarkts in IBU-tec gelitten. Dies könnte sich nun ändern.

Fazit

IBU-tec hat sich strategisch klar im Wachstumsmarkt Batteriematerialien positioniert. Die Kombination aus bestehenden Vereinbarungen, steigender Nachfrage im E-Mobilitätssektor und regulatorischem Rückenwind stimmt optimistisch. Wenn die geplante Skalierung des Geschäfts durch die neue Anlage in Bitterfeld gelingt und die Wachstumspläne aufgehen, hat auch die Aktie noch weiteres Potenzial.

„Wir sind strategisch besser aufgestellt als je zuvor“

GoingPublic im Gespräch mit Jörg Leinenbach, CEO, IBU-tec

GoingPublic: Vielen Dank für Ihre Zeit. Wir haben zum Richtfest bereits etwas über den Börsengang 2017 und die damaligen Erwartungen gehört. Ein zentraler Punkt war die Kapitalaufnahme zur Finanzierung von Wachstum. Planen Sie weitere Kapitalerhöhungen?

Leinenbach: Aktuell besteht kein konkreter Bedarf für eine weitere Kapitalmaßnahme. Die Finanzierung unserer Investition in Bitterfeld ist sichergestellt. Grundsätzlich bleibt der Kapitalmarkt für uns jedoch ein strategisches Instrument. Bereits zum Zeitpunkt des Börsengangs war es ein wichtiges Ziel, uns diese Flexibilität zu sichern.

Die Aktie hat zuletzt deutlich zugelegt. Zuvor gab es jedoch eine Phase, in der das Vertrauen des Kapitalmarkts gelitten hat. Wie wollen Sie dieses Vertrauen langfristig sichern?

Unser Aktienkurs, erholt sich seit einiger Zeit wieder signifikant. Im Geschäftsjahr 2025 hat sich die IBU-tec Aktie ganz deutlich besser entwickelt als alle wichtigen deutschen Börsenindizes. Der entscheidende Faktor dafür war, dass wir jetzt bezüglich unserer Strategie im Batteriebereich überzeugend und signifikant geliefert haben. In den Jahren zuvor wurde die Entwicklung auch durch mehrere externe Krisen beeinflusst – darunter die Corona-Pandemie, geopolitische Konflikte, die Energiekrise sowie die schwache Entwicklung in Teilen der Chemieindustrie.

Entscheidend ist nun der Blick nach vorne: Wir stehen am Beginn einer neuen Wachstumsphase, insbesondere durch unsere Investitionen in die neue Anlage. Gleichzeitig kommunizieren wir bewusst realistisch, da Großprojekte naturgemäß mit zeitlichen Unsicherheiten verbunden sind. Transparenz und Verlässlichkeit in der Kommunikation sind zentrale Faktoren, um Vertrauen nachhaltig zu stärken.

Sie haben neben der bisherigen Strategie auch eine Perspektive bis 2030 formuliert. Welche Rolle spielen dabei neue Märkte?

Der zentrale Treiber ist der Batteriemarkt, der ein stark wachsender Zukunftsmarkt ist. Dabei sind wir nicht ausschließlich auf den Automobilsektor fokussiert. Dieser ist aktuell aufgrund regulatorischer Rahmenbedingungen besonders relevant, aber unsere Technologien sind grundsätzlich breiter einsetzbar – etwa auch in stationären Energiespeichern.

Unsere Strategie besteht darin, zunächst Kapazitäten aufzubauen und diese flexibel auszulasten. Dabei waren die PowerCo-Deals der erste große Durchbruch. Zusätzlich führen wir seitdem verstärkt Gespräche mit weiteren potenziellen Kunden. Gleichzeitig verfügen unsere Anlagen über vielseitige Einsatzmöglichkeiten, sodass wir auch bei veränderten Marktbedingungen alternative Anwendungen bedienen können. Diese technologische Flexibilität ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Geschäftsmodells.

Was sind aus Ihrer Sicht aktuell die wichtigsten Argumente für Investoren?

Wir haben unsere strategische Planung bis 2030 deutlich konkretisiert und verfolgen einen klaren Wachstumspfad. In unserer Perspektive bis 2030 berücksichtigen wir ausschließlich Projekte und Entwicklungen, die auf bestehenden Vereinbarungen basieren. Das schafft eine höhere Verlässlichkeit in der Planung.

Hinzu kommt eine insgesamt starke Ausgangsposition: Wir verfügen mit unserem Produktionsprozess über einen technologischen Vorsprung. So verbraucht unser neues Produktionsverfahren nur halb so viel Energie wie konventionelle Verfahren, bei gleichbleibend hoher Produktqualität. Wir profitieren außerdem von regulatorischen Trends und sind in unserem Produkt-Portfolio breit aufgestellt. Unsere Investitionen sind finanziert, und als derzeit einziger Hersteller von LFP-Kathodenmaterial in Europa sind wir jetzt schon stark positioniert. Darüber hinaus sehen wir strukturelle Wachstumstreiber, etwa im Bereich Automatisierung und Robotik. Auch im Bereich Verteidigungstechnologie spielen Batterien eine zunehmend wichtigere Rolle. Auch hier ergeben sich für uns zusätzliche Anwendungsfelder und Potenziale.

Vielen Dank für das Gespräch

Das Interview führte Jenny Gspahn

 

ZUM INTERVIEWPARTNER

Jörg Leinenbach CEO IBU-tec || Foto: IBU-tec

Jörg Leinenbach ist seit Januar 2015 bei der IBU-tec und seit 2023 CEO der Unternehmens-Gruppe. Er trägt für alle wertschöpfenden Prozesse im Unternehmen die Verantwortung und führt den kaufmännischen Bereich bei IBU-tec. Er studierte an der Universität des Saarlandes Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Revision- und Treuhandwesen sowie Steuerrecht. In seinem bisherigen beruflichen Werdegang bekleidete er verschiedene Managementpositionen im Rechnungswesen, Controlling und Beteiligungsmanagement.

 

 

 

 

Kurzprofil IBU tec AG
WKN/ISIN A0XYHT/DE000A0XYHT5
Branche Spezialchemie, Batteriematerialien & E-Mobilität
Gründungsjahr 1885 (Ursprünge)
Umsatz 2025 44,3 Mio. EUR
EBITDA 2025 4.6 Mio. EUR
EBITDA-Marge 10,50%
Kurs aktuell 16,75 EUR
Market Cap 80,75 Mio. EUR
Internet www.ibu-tec.de

Autor/Autorin

Content Managerin at GoingPublic Media AG

Jenny Gspahn ist Content Managerin für die Kapitalmarkt-Plattform GoingPublic (GoingPublic, HV Magazin, www.goingpublic.de). In ihrer täglichen Arbeit beschäftigt sie sich mit Themen rund um den Aktienmarkt, aktuelle Börsengänge sowie alle Aspekte rund um die Börsennotiz von Unternehmen.