Bildnachweis: ChatGPT, Quadroguys – BioCampus Cologne.
Zwei Laborbereiche, die bei Hitze ausfallen, eine Klimaanlage, die wegen neuer europäischer Vorgaben ausgetauscht werden muss, und Sonnenschutzfolien, die im Sommer über nutzbare oder leere Räume entscheiden: Was in einer internen BVIZ-Runde zunächst wie ein technisches Detail klang, ist bei genauerem Hinsehen ein Blick auf den Investitionsstau der deutschen Innovationsinfrastruktur. Gibt es einen Weg aus diesem Investitionsstau, und wie sähe er aus? Von Peggy Zimmermann und Yvonne Patschke
Vor dem Hintergrund immer heißerer Sommer tauschten sich vor Kurzem Mitglieder des BVIZ in einer internen Runde über ein Thema aus, das zunächst rein technisch klingt: die Klimatisierung ihrer Gebäude. Was in diesem Gespräch zusammenkam, zeigt exemplarisch, vor welchem Investitionsdruck viele Technologie- und Gründungszentren in Deutschland stehen, und warum der BVIZ seit Mai 2025 ein bundesweites Förderprogramm für die Modernisierung des Bestands fordert.
30.000 EUR hier, 250.000 EUR dort
Ein Zentrum berichtete, wie es zwei Laborbereiche einer ehemaligen Filmfabrik nachträglich klimatisieren musste, weil empfindliche Analysegeräte bei mehr als 26 Grad Innenraumtemperatur ausfielen. Für rund 150 Quadratmeter fielen Kosten von etwa 30.000 EUR an, die Hälfte davon trug der Mieter. Ein anderes Mitglied schilderte den bevorstehenden Austausch einer 15 bis 16 Jahre alten Klimaanlage, deren Kühlmittel wegen der europäischen F-Gase-Verordnung künftig nicht mehr eingesetzt werden dürfen. Der Kostenrahmen dafür liegt bei rund 250.000 EUR. Weitere Beiträge drehten sich um Sonnenschutzfolien, mobile Klimageräte und modulare Lösungen für Bürobereiche, immer verbunden mit der Frage, wie sich solche Investitionen refinanzieren lassen, wenn Mieten gedeckelt sind und kaum Rücklagen gebildet werden können. Auch die Frage, wie Stromkosten für gemeinsam genutzte Klimatechnik fair zwischen Vermieter und Mietern abgerechnet werden können, blieb in der Runde ungelöst und wurde als praktisches Alltagsproblem vieler Zentren benannt.
Der Sanierungsstau in Zahlen
Diese Gespräche sind kein Einzelfall, sondern ein Ausschnitt aus einem deutlich größeren Bild. Eine BVIZ-Umfrage unter
56 Mitgliedszentren aus dem Jahr 2025 unterlegt das mit Zahlen. 92 % der befragten Zentren sehen dringenden Modernisierungsbedarf, 63 % beziffern ihn auf bis zu 5 Mio. EUR, weitere 30 % auf 5 bis 15 Mio. EUR, einzelne Einrichtungen sehen einen noch höheren Bedarf. Nur 28 % haben in den vergangenen Jahren überhaupt Fördermittel für Modernisierungsmaßnahmen erhalten, 73 % melden konkrete Defizite bei der digitalen Infrastruktur. Fast 90 % der Zentren befinden sich in öffentlicher Trägerschaft, was ihre finanziellen Spielräume zusätzlich einschränkt.[1] Zentren, die mit EFRE-Mitteln gebaut wurden, unterliegen Zweckbindungen von 15 bis 25 Jahren, in denen wirtschaftliche Überschüsse durch Förderauflagen oft erschwert oder sogar nachteilig sind, sodass kaum Rücklagen für Sanierungen wie die im internen Austausch beschriebenen entstehen können.
Anerkannt in der Praxis, vergessen in der Politik
Dabei ist die Leistung der BVIZ-Mitgliedszentren beachtlich. Sie haben über Jahrzehnte hinweg maßgeblich zur Gründung zahlreicher Unternehmen und zur Schaffung von Arbeitsplätzen in ihren Regionen beigetragen und begleiten Start-ups gerade in der besonders risikoreichen Frühphase.[2] Mehr als die Hälfte der Zentren verfügt über eigene Labore, die Branchenschwerpunkte liegen vor allem in Biotechnologie, IT und Softwareentwicklung, Medizintechnik sowie Künstlicher Intelligenz und Cybersecurity. Gerade diese Branchen sind auf spezialisierte, gut ausgestattete Infrastruktur angewiesen, die sich nicht von selbst instand hält.[3]
Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung 2025 kommen bestehende Technologie- und Gründungszentren trotz ihrer Rolle für Innovation und Mittelstand quasi nicht vor. Der BVIZ hat deshalb mit einem Positionspapier und einer Pressemitteilung ein German Innovation Infrastructure Program gefordert, einen bundesweiten Fördertopf, der Ländern, Kommunen und Trägern unbürokratisch Mittel für Sanierung, Erweiterung und energetische Modernisierung zur Verfügung stellt.[4]
Idealerweise soll das Programm über die KfW organisiert werden, wie es in den 2000er-Jahren bereits im Konjunkturprogramm II (Gesetz zur Sicherung von Beschäftigung und Stabilität in Deutschland) funktioniert hat. Erste Gespräche fanden bereits auf oberster Bundesebene statt. Der BVIZ wertet den politischen Dialog als ermutigend und arbeitet daran, das Anliegen auch bei weiteren zuständigen Ressorts und möglichen Förderpartnern wie der KfW zu verankern.

Technologiezentren im Härtetest der Klimaveränderung
Wie tief die Herausforderungen im Gebäudebestand vieler Technologie- und Gründungszentren reichen, zeigt ein Blick auf den Kölner Innovationsstandort mit dem BioCampus Cologne und dem RTZ Köln. Der BioCampus Cologne und das RTZ Köln begleiten gemeinsam Unternehmen von der Gründung bis zur weiteren Skalierung und stehen damit exemplarisch für die Innovationsinfrastruktur, die Deutschland für technologieorientierte Ausgründungen und Wachstumsunternehmen benötigt.
Der BioCampus Cologne entstand auf dem ehemaligen Werksgelände von Nattermann & Cie. Seit der Eröffnung als BioPark im Jahr 2002 ist jedoch auch der Campus selbst zu einem Bestandsstandort geworden. Auf rund 25 Hektar bietet der Standort heute in acht Gebäuden etwa 30.000 Quadratmeter Nutzfläche für Unternehmen aus den Bereichen Life Sciences, Healthcare und technologieorientierte Innovation.
Viele Technologiezentren wurden zu einer Zeit geplant und errichtet, in der die heute spürbaren Auswirkungen der Klimaveränderung noch nicht in diesem Ausmaß absehbar waren. Klimaanlagen, Lüftungsanlagen und weitere gebäudetechnische Systeme wurden für andere klimatische Rahmenbedingungen ausgelegt als jene, mit denen Betreiber und Unternehmen inzwischen konfrontiert sind. Längere Hitzeperioden, steigende Außentemperaturen und höhere Anforderungen an Energieeffizienz und Nachhaltigkeit führen daher zu zusätzlichem Modernisierungsbedarf. Gleichzeitig müssen die Zentren auch künftig verlässliche Arbeits-, Forschungs- und Laborbedingungen für ihre Unternehmen gewährleisten.
Parallel dazu werden auf dem BioCampus Cologne mit LABORATOR und HUBitat zwei neue Labor- und Bürogebäude mit einer Bruttogeschossfläche von insgesamt rund 34.000 Quadratmetern entwickelt. Der Rat der Stadt Köln hat hierfür die Mittel für die Entwurfsplanung freigegeben. Über die Realisierung der Gebäude soll nach Vorlage eines belastbaren Kostenrahmens in einem weiteren Beschluss entschieden werden. Die Projekte sollen insbesondere der hohen Nachfrage nach Labor- und Innovationsflächen in den Bereichen Life Sciences und Healthcare Rechnung tragen und den Innovationsstandort Köln weiter stärken.[5]
Das Beispiel verdeutlicht ein Thema, das viele Innovationszentren in Deutschland beschäftigt: Neben dem notwendigen Ausbau neuer Kapazitäten erfordert auch die Anpassung bestehender Gebäude an veränderte klimatische Bedingungen erhebliche Investitionen. Gerade für die Modernisierung von Klima-, Lüftungs- und Gebäudetechnik fehlen jedoch häufig geeignete Förderinstrumente und langfristige Finanzierungsmöglichkeiten.
Zwischen Forderung und Förderung
Dasselbe Muster zeigt sich bei den übrigen BVIZ-Mitgliedszentren, deren Gesellschafter ebenfalls überwiegend Kommunen sind und die ebenso ohne ausreichende Mittel für die Sanierung des Bestands dastehen. Sie sitzen zwischen alten Zweckbindungen, gedeckelten Mieten und Förderprogrammen, aus denen sie wegen ihrer Trägerstruktur häufig herausfallen, weil sie formal nicht als KMU gelten.
Kleine und große Zentren treibt am Ende dieselbe Frage um: Wird die Modernisierung bestehender Technologie- und Gründungszentren künftig strukturell ermöglicht oder bleibt sie unsystematisch, abhängig von den jeweiligen Rahmenbedingungen vor Ort?
Der BVIZ hat mit dem German Innovation Infrastructure Program eine Antwort formuliert. Ob die Bundesregierung den Vorschlag aufgreift, wird sich zeigen. Die politischen Gespräche sind ein erster Schritt und zeigen, dass das Thema in Berlin angekommen ist. Die eigentliche Arbeit, ein tragfähiges Programm zu entwickeln, steht noch bevor. Für den BVIZ bleibt es deshalb wichtig, konkrete Fälle wie die Klimaanlagen seiner Mitgliedszentren mit den politischen Gesprächen zu verbinden, damit aus einzelnen Erfahrungsberichten ein belastbares Gesamtbild des Modernisierungsbedarfs und daraus eine Grundlage für ein Förderprogramm entsteht.
Quellen:
[1] BVIZ-Umfrage 2025, veröffentlicht in: BVIZ|Impuls Magazin 2025, „Sanierungsstau in Innovationszentren“, S. 12f.
[2] BVIZ FACTS 2025, veröffentlicht in: BVIZ|Impuls Magazin 2025, S. 17
[3] BVIZ-Umfrage 2025, veröffentlicht in: BVIZ|Impuls Magazin 2025, „Sanierungsstau in Innovationszentren“, S. 12f.
[4] BVIZ-Positionspapier „Modernisieren statt neu bauen: Investitionen in bestehende Technologie- und Gründungszentren sichern“, Bundesverband Deutscher Innovations-, Technologie- und Gründerzentren e. V. (BVIZ), 6. Mai 2025.
[5] 2022-10-09 stadt-koeln pressemitteilung





