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Der World Fund ist ein europaweit agierender Climatetech-VC mit Fokus auf Deeptech. Der Fonds investiert in Technologien, die das Potenzial für eine massive Reduktion von CO2-Äquivalenten haben. Schwerpunkte sind Energiewende, Food- und Agtech, Industrie, Mobility und Built Environment.

Plattform Life Sciences: Frau Dr. Geiser, der World Fund arbeitet mit einer ­ungewöhnlich harten Impact-Schwelle. Was bedeutet das konkret für Ihre Investmentpraxis?

Dr. Nadine Geiser: Ein Unternehmen muss mit seiner Technologie bis 2040 in der Lage sein, jährlich signifikante Greenhouse-Gas-Emissions-Reduktionen zu ­erzielen. Diese Schwelle schränkt unser Investitionsuniversum bewusst stark ein und fokussiert uns auf Sektoren wie etwa Energie, Batterierecycling, Construction oder Food und Agriculture. Gleichzeitig bedeutet das, dass viele Unternehmen, die durchaus relevante Umweltprobleme adressieren, nicht in unser Mandat passen. Entscheidend ist für uns nicht nur die Höhe des Impacts, sondern auch die Frage, wie er erzielt wird. Wir wollen den Industrien kein „Weiter-so“ ermöglichen. Statt inkrementeller Effizienzgewinne ­suchen wir nach wirklich alternativen, transformativen Ansätzen – nach Deeptechlösungen mit hoher technologischer Eintrittshürde, die strukturellen Wandel ermöglichen.

Dr. Nadine Geiser
Dr. Nadine Geiser, Principal,
World Fund. Copyright Foto: World Fund

Zu Ihren Portfoliounternehmen zählt cylib, das sich auf das Recycling von Lithium-Ionen-Batterien und die ­Rückgewinnung kritischer Rohstoffe konzentriert. Wie passt dieses Unternehmen in Ihr auf Systemtransformation ausgerichtetes Investmentraster?

Batterien sind zentral für die Energie­wende. Ohne sie gibt es keine Versorgungssicherheit bei erneuerbaren Ener­gien. Gleichzeitig ist Mining extrem ­emissionsreich. Recyclingtechnologien wie cylib sparen massiv Emissionen ein. Der Hauptpunkt unserer Investment­hypothese ist das Enabling der Energiewende – auch wenn das bedeutet, ein ­bestehendes System strategisch umzubauen, statt es zu ersetzen.

Sie investieren von Seed bis Series B, mit starkem Fokus auf späte Phasen ohne nennenswerte Umsätze. Warum?

Viele Deeptechunternehmen haben 30 Mio. bis 60 Mio. EUR geraist, sind vier bis fünf Jahre alt und generieren kaum ­Umsätze, weil Industrieanlagen fehlen. Generalisten fordern 5 Mio. bis 15 Mio. EUR Umsatz – diese Firmen haben vielleicht 500.000 EUR. Das Risiko können klassische Software- oder Growth-Fonds nicht tragen. Unser Sweetspot ist deshalb genau diese B- oder B-Plus-Phase. Dabei ist für uns natürlich auch die Exitfrage ­relevant, sie ist aber nicht der Haupt­treiber. Uns geht es darum, Fundamentalwert aufzubauen. Wir erwarten einen ­klaren Value-Uptake innerhalb von zwei bis fünf Jahren. Fünf Jahre ohne Wert­entwicklung wäre zu lang – aber Exit­timing ergibt sich immer aus der Einzelfallanalyse.

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Das Interview mit Frau Dr. Nadine Geiser ist in der aktuellen Plattform Life Sciences-Ausgabe „Investoren in Life Sciences“, 2 Jg., erschienen. Titelbild. Copyright: Phoenix AI Photo – stock.adobe.com

Sie planen derzeit einen zweiten Fonds …

Ja. Eine genaue Zahl steht noch nicht fest, aber wir zielen auf einen etwas ­größeren Fund. Der Fokus wird noch ­stärker auf kapitalintensiven Deeptechphasen liegen, weil uns dort der Markt geradezu überrennt.

Viele Ihrer Portfoliounternehmen ­arbeiten sehr industrienah. Welche Rolle spielen Corporates für Sie – ­strategisch und als Investoren?

Viele unserer Firmen könnten ohne ­Industriepartner gar nicht skalieren. Bei cylib sind beispielsweise Bosch und ­Porsche investiert, was einen klaren ­industriellen und europäischen Angle hat. Bei Planet A Foods sind unter anderem Deutsche Bahn, Nestlé, REWE, Lambertz, Kölln und Riegelein beteiligt. Das zeigt, dass diese Technologien nicht im Labor bleiben, sondern real in beste­hende Wertschöpfungsketten integriert werden. Für uns ist wichtig, dass diese Partnerschaften nicht nur Kapital ­bringen, sondern auch Zugang zu Infrastruktur, Märkten und Umsetzungskompetenz. Unsere These ist: Wenn Clima­tetechprodukte besser und günstiger sind, dann werden sie auch von der ­Industrie angenommen – selbst von ­denen, die dem Klimadiskurs eigentlich skeptisch gegenüberstehen. Deshalb sprechen wir intern auch von „Products for Climate Deniers“.

Frau Dr. Geiser, herzlichen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Urs Moesenfechtel.

Autor/Autorin

Redaktionsleiter Plattform Life Sciences at  | Website

Urs Moesenfechtel, M.A., ist Redaktionsleiter der Plattform Life Sciences und gehört zum Redaktionsteam der Kapitalmarkt-Plattform GoingPublic (GoingPublic, HV Magazin, www.goingpublic.de). Urs beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Themenfeldern Biotechnologie und Bioökonomie und war u.a. bereits als Wissenschaftsredakteur für mehrere Forschungseinrichtungen tätig.