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Bildnachweis: Corona Borealis – stock.adobe.com.

Deutschland befindet sich mit vielen anderen Ländern weiterhin im Ausnahmezustand: Um die Viruserkrankung zu verlangsamen herrscht nun seit über zwei Wochen ein Lockdown im gesamten Land. In den vergangenen Tagen tauchten vermehrt Fragen auf wie lange das noch so weiter gehen könne und vor allem wie lange unsere Wirtschaft das noch aushalten müsse. Welche möglichen Wege führen aus dem Lockdown? Selbstverständlich muss man hier immer im Hinterkopf behalten, dass dieser Entschluss zu Gunsten der Gesundheit der Bevölkerung getroffen wurde. Und menschliches Leben lässt sich keinesfalls mit Geld aufwiegen. Dennoch ist die Frage wann die Maßnahmen gelockert werden natürlich berechtigt und verständlich.

Der Weg zurück ist lang

Unser Nachbarland Österreich macht es vor: Nach Ostern beginnt hier der langsame Weg zurück in Richtung Normalität. Ziel sei es, dass ab dem 14. April kleine Geschäfte sowie Bau- und Gartenmärkte unter strengen Auflagen wieder öffnen dürfen. Ab 1. Mai dürfen dann alle Geschäfte, Einkaufszentren und Friseure wieder öffnen. Hotels und die Gastronomie sollen frühestens Mitte Mai folgen. Die Ausgangsbeschränkungen werden bis Ende April verlängert, die Schulen bleiben bis Mitte Mai geschlossen. Veranstaltungen sollen bis Ende Juni nicht stattfinden. Zudem wird das Tragen eines Mundschutzes auch in öffentlichen Verkehrsmitteln verpflichtend. Auch Tschechien, Norwegen und China beschreiben erste Wege aus dem Lockdown und lockern die Ausgangsbeschränkungen.

Bewegungsprofile zur besseren Kontrolle

Die Ausgangsbeschränkungen scheinen jedoch auch messbare Wirkung gezeigt zu haben. Google hat für die vergangenen Wochen „aggregierte und anonymisierte“ Daten von Nutzern ausgewertet, die der Speicherung ihrer Standortinformationen zugestimmt haben. Die Diagramme, aus den unterschiedlichsten Ländern, zeigen einen klaren Rückgang der Bewegung außerhalb der eigenen vier Wände, sei es in Geschäften, Parks oder an Bahnhöfen. In Deutschland wurden sogar einzelne Bundesländer ausgewertet. „Wir hoffen, dass diese Berichte dabei helfen, Entscheidungen zum Umgang mit der COVID-19-Pandemie zu treffen“, erklärten die Leiterin des Kartendienstes Google Maps, Jen Fitzpatrick und Googles Gesundheitsbeauftragte Karen DeSalvo.
Viele asiatische Länder, aber auch Israel, setzen im Kampf gegen das Coronavirus bereits massiv auf die Auswertung von Handydaten. Südkorea ist es augenscheinlich mit Hilfe von Massentests, der Isolierung und der Nutzung von Handydaten gelungen, die Ausbreitung des Erregers stark zu verlangsamen – ohne, dass das öffentliche Leben zum Erliegen kam.

Mithilfe von Apps weitere Informationen sammeln?

Diese Lösung klingt einerseits vielversprechend, lässt sich aber schon allein aus datenschutztechnischen Gründen in Deutschland nicht so einfach adaptieren. Tracking Apps arbeiten, wie auch die Auswertung von Google, mit Bewegungsprofilen und würden so Standorte und ortsgebundene Daten aufzeichnen. Daher scheint eine Tracing App eine gute Alternative: Ein Großteil der Bevölkerung scheint dieser Technologie positiv gegenüber zu stehen und erkennt, dass diese zum Schutz jedes Einzelnen dienen. Wenn jemand positiv auf das Virus getestet wurde, würde die App alle Personen informieren, mit denen der Betroffene eine gewisse Zeit lang nah zusammen gewesen ist. Die Anwendung, die momentan hoch im Kurs steht ist eine paneuropäische Initiative, die mit der sogenannten Pepp-PT-Technologie arbeitet. Die App nutzt Bluetooth und es wäre keine Speicherung der ortsbezogenen Daten nötig – die Infos werden auf dem eigenen Gerät anonymisiert abgespeichert. Im Falle einer Infektion werden die Kontakte über die Tatsache, dass sie in der Nähe einer infizierten Person waren und damit das Risiko besteht, dass sie sich angesteckt haben könnten, informiert und könnten zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen, wie eine häusliche Quarantäne, einleiten. Da sich die App jedoch erst in der Entwicklung befindet, gibt es momentan noch keine genaueren Details. Auch wie Deutsche ohne Smartphone, die höchstwahrscheinlich vermehrt zur Risikogruppe gehören, ebenfalls von der Anwendung profitieren können, ist noch offen. Am wahrscheinlichsten scheint keine Verpflichtung, sondern eine freiwillige Nutzung einer App zusätzlich zu den bereits bestehenden Regelungen wie Abstand halten, Menschenansammlungen vermeiden sowie möglichst viel zu testen.
Darüber hinaus hat das RKI heute eine App vorgestellt, die sich an alle Smartwatches und Fitnessarmbandträger richtet: Die App „Corona-Datenspende“ wurde zusammen mit dem e-Health-Unternehmen Thryve und unter Einbeziehung des Bundesdatenschutz­beauftragten entwickelt und soll ergänzende Informationen dazu liefern, wo und wie schnell sich das Coronavirus in Deutschland ausbreitet. „Viele Menschen in Deutschland zeichnen regelmäßig mit Smartwatches oder Fitnessarmbändern ihre Vitaldaten auf. Dazu zählen der Ruhepuls, Schlaf und das Aktivitätsniveau. Bei einer akuten Atemwegserkrankung ändern sich diese Vitalzeichen in den meisten Fällen deutlich. Daher können auch typische COVID-19-Symptome wie Fieber durch die App erkannt werden“, so das RKI auf seiner Website. „Wenn in einer ausreichend großen Stichprobe die Anzahl der symptomatischen Patienten erfasst werden kann, könnte uns das dabei helfen, früher Rückschlüsse auf Infektionsgeschehen, Verbreitung und auch auf die Wirksamkeit der bisherigen Maßnahmen zu ziehen“, sagt Prof. Lothar H. Wieler, der Präsident des RKI. Sie ersetzt jedoch keinesfalls die regulären Tests, sondern dient nur als Ergänzung.

Entwicklung der Testsituation

Auch in der Testthematik wurden seit dem letzten Update weitere Fortschritte gemacht: In der Zwischenzeit gibt es in Deutschland 400 Testzentren und auch Schnelltests werden immer populärer. So startet der amerikanische Pharmakonzern Abbott diese Woche mit dem Vertrieb neuer Corona Testkits für seine kompakten und somit sehr mobilen Diagnostikgeräte ID Now. Hier kann mit Hilfe eines chemischen Moleküls innerhalb von 5 Minuten ein positives Ergebnis und in 13 Minuten ein negatives Ergebnis detektiert werden. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat Abbott bereits eine Notfallzulassung erteilt.
Auch deutsche Unternehmen wie das Bosch-Tochterunternehmen Bosch Healthcare Solutions hat zusammen mit der nordirischen Medizintechnik-Firma Randox einen Schnelltest entwickelt, der innerhalb von zweieinhalb Stunden Ergebnisse liefert. Der Nachweis von Sars-CoV-2 erfolgt anhand des Viruserbguts.
Darüber hinaus hat der Schweizer Pharmakonzern Roche mit einem vollautomatisierten Corona-Test für Aufsehen gesorgt. Der Test läuft auf Geräten namens Cobas 6800 und 8800, von denen weltweit etwa 800 Geräte im Umlauf sind. Innerhalb von dreieinhalb Stunden liegt das Ergebnis vor und Roche schätzt bei seinem derzeitigen Produktionstempo weltweit pro Monat 8,5 Millionen Coronatests auf den Maschinen durchführen zu können. Konzernchef Severin Schwan bezeichnete dies bei der Präsentation im März als „Quantensprung“. Auch hier hat die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA das neuartige Verfahren bereits freigegeben und eine Notfall-Zulassung erteilt.

Bewertung der Ausbreitung anhand von Infektionszahlen und Tests

Selbstverständlich gibt die Anzahl der durch Test identifizierten Erkrankten einen Hinweis auf die Entwicklung. Jedoch sind sich Experten einig, dass die offiziellen Zahlen nicht den tatsächlichen Zahlen entsprechen. Aufgrund der nach wie vor schwierigen Testmöglichkeiten, aber auch dem unterschiedlichen Verlauf der Krankheit werden viele infizierte Menschen nicht registriert. Für Wissenschaftler ist es natürlich äußerst wichtig herauszufinden, wie weit sich Sars-CoV-2 schon ausgebreitet hat und wie viele infizierte Menschen es tatsächlich tötet. Schätzungen zufolge beträgt die tatsächliche Zahl der Infizierten wohl mindestens das Doppelte der bestätigten Fälle, möglicherweise auch sehr viel mehr.
Um hier verlässlichere Informationen zu sammeln, startete am vergangenen Wochenende in München eine erste Querschnittsstudie: Wissenschaftler unter der Leitung von Michael Hölscher, Direktor des Tropeninstituts der Uniklinik München, wollen dort Menschen in 3000 Haushalten auf Antikörper gegen Sars-CoV-2 testen. Die Stichprobe der Studie wird repräsentativ sein, sodass sich das Ergebnis auf ganz München übertragen lässt und so auch Hinweise auf die Lage in anderen deutschen Großstädten und Regionen geben kann. Erste Ergebnisse sollen bereits in wenigen Tagen und Wochen zur Verfügung stehen. Zusätzlich soll das Virus so auch besser „verstanden“ werden, um zu wissen wie viele Intensivbetten man braucht, wie schnell die Ansteckung verläuft und wann die Erkrankung als ausgeheilt gilt.
Darüber hinaus soll demnächst eine Antikörper-Studie bei 100.000 Probanden an den Start gehen. Koordiniert werden soll die Studie von dem Epidemiologen Gérard Krause vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig, beteiligt sind außerdem das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung, die Blutspendedienste, die NAKO Gesundheitsstudie, das Robert Koch-Institut und das Institut für Virologie der Berliner Charité.