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Obwohl Shareholder-Aktivismus nichts Neues in der Schweiz ist, so war das Land doch nie ein bevorzugtes Jagdgebiet für Hedge Funds und andere institutionelle Anleger. Das könnte sich nun ändern: Sowohl das Nestlé-Management als auch die Öffentlichkeit in der Schweiz waren erst einmal vor den Kopf gestoßen, als bekannt wurde, dass Third Point, der Hedge Fund des Milliardärs Daniel Loeb, sich mit 3,5 Mrd. USD beteiligt hatte und „wertsteigernde Maßnahmen“ fordert. Von Falko Bozicevic

Worin diese aktionärsfreundlichen Maßnahmen bestehen sollen, legte Loeb in einem prägnanten Brief an die Aktionäre von Third Point dar. Zunächst soll die Beteiligung an L’Oréal im Wert von 25 Mrd. USD verkauft werden. Die Erlöse sollen dann in Aktienrückkäufe fließen. Darüber habe die Bilanz verlängert zu werden durch Aufnahme von Fremdkapital, das ebenfalls in Aktienrückkäufe fließen solle. Third Point legt dar, dass die Peergroup durchweg eine Nettoverschuldung von 2–4x EBITDA aufweist, während der Faktor bei Nestlé lediglich bei 1x liegt. Bedenkt man, dass Nestlé im vergangenen Jahr sogar Nullzinsanleihen am Markt leicht platzieren konnte, so erscheint die Forderung von Loeb gar nicht mal so weit hergeholt.

Margen könnten um 4% steigen

Weiterhin fordert der Aktivist eine Bereinigung der über 2.000 Nestlé-Marken. Darunter allerdings allein 34 mit jährlichen Umsätzen von über 1 Mrd. CHF. Es wird empfohlen, Randaktivitäten zu veräußern und sich auf Bereiche zu konzentrieren, die starke Wachstumsraten bieten und das Potenzial, die Margen auszuweiten. Loeb prognostiziert, dass die Margen bei Nestlé mit dieser Strategie in den nächsten Jahren um bis zu 4% gesteigert werden können. Dies wiederum führe an der Börse zu einer steigenden Bewertung – so die Theorie.

Die Gewinne je Aktie sind bei Nestlé in den vergangenen Jahren in der Tat kaum noch gestiegen, und auch das Umsatzwachstum ist unter die Zielmarke von 5% gefallen. Da die Dividende dennoch angehoben wurde, wenn auch moderat, beträgt die Ausschüttungsquote nun 84%. Auch beim Vergleich des Total Shareholder Return (Kursgewinne + Dividendenrückflüsse) ist Nestlé über 1, 3, 5 und 10 Jahre zurückgefallen. Laut Loeb könnten die Gewinne je Aktie über die kommenden Jahre von 3,40 auf 5–6 CHF steigen, wenn denn die vorgeschlagenen Maßnahmen umgesetzt würden.