Werbung

Bildnachweis: Corona Borealis – stock.adobe.com.

Die Stadt Jena und der Lankreis Nordhausen möchten ab nächster Woche eine Pflicht zum Tragen einer Gesichtsmaske in der Öffentlichkeit einführen. Der Grund sei, dass an vielen Orten der nötige Mindestabstand von 1,5 m nicht eingehalten werden könne. Wer keine „professionelle“ Maske hat kann auch ein selbstgenähtes Exemplar, ein Tuch oder einen Schal verwenden. Aber hilft das denn wirklich? Besteht ein wirksamer Schutz durch Gesichtsmasken? Oder wer schützt hier wen?

Gesichtsmasken im asiatischen Raum

In Asien hat man bereits in „Nicht-Corona-Zeiten“ häufiger Menschen mit Gesichtsmasken gesehen. Meistens in überfüllten und stark durch Smog belasteten Regionen, aber auch nach Waldbränden oder Vulkanausbrüchen. Besonders in Japan schützen sich die Menschen aber auch ohne besondere äußere Einflüsse mit dem Tragen einer Gesichtsmaske vor Erkältungen, tragen sie aber auch um kleinere Hautunreinheiten zu verstecken. Es gibt sie in den verschiedensten Materialien, bunt bedruckt für Kinder, sowie mit besonderen Duftnoten. Der eigentliche Grund weshalb das Tragen der Masken jedoch empfohlen wurde, war um 1919 als sich die Spanische Grippe ausgebreitet hat. Und bei jeder weiteren Epidemie gewannen sie an Popularität. Aber liegt das auch an dem wirksamen Schutz durch Gesichtsmasken?

Das Tragen von Atemschutzmasken in Zeiten des Coronavirus scheint damit in China, Japan oder auch Korea verständlich. Im Vergleich sind auf den Bilder aus Deutschland nach wie vor nur vereinzelte Menschen mit Maske zu sehen. Liegt das allein an den Lieferschwierigkeiten? Nein, sicher nicht – die Grundeinstellung ist eine andere: Während viele asiatische Gesellschaften das Prinzip des richtigen Verhaltens im Kollektiv prägt, überwiegt hier doch oft der Individualismus. Sich selbst einschränken ohne daraus einen Vorteil zu ziehen und nur zum Wohl der anderen? Nicht doch…

Vorteile und Risiken des Tragens einer Gesichtsmaske

Aber hilft es dem Einzelnen selbst nicht auch sich mit einer Maske zu schützen? Mit Sicherheit steigt mit dem Tragen einer Maske die Wahrscheinlichkeit, dass sich die gefürchteten Tröpfchen im Zellstoff verfangen oder man sich selbst nicht so oft ins Gesicht fasst – aber einen wirklichen Schutz bieten diese „einfachen“ Masken für den Träger nicht – wohl aber für seine Umwelt. Wenn man selbst an Erkältungssymptomen leidet und in die Öffentlichkeit muss, ist ein solcher Gesichtsschutz sicher eine gute Idee. Den Trägern muss jedoch klargemacht werden, das dieser schnell durchfeuchtet, regelmäßig gewechselt und wenn möglich auch bei 60°C gewaschen werden muss um seine Mitmenschen weiterhin zu schützen. Und keineswegs darf das Tragen der Maske ein falsches Gefühl des Schutzes vermitteln – sie ersetzt nicht weitere Hygienemaßnahmen, wie das richtige Händewäschen, Niesetikette oder den Sicherheitsabstand zu anderen Personen. Zudem ist die Luftzufuhr unter einer solcher Maske selbstverständlich eingeschränkt, muss jedoch an erster Stelle stehen!

In unserem Nachbarland Österreich ist Mund-, und Nasenschutz in Supermärkten, mittelfristig auch bei allen Aufenthalten in der Öffentlichkeit, seit dem vergangenen Mittwoch Pflicht. Entsprechende Masken werden an den Supermärkten verteilt. Somit soll die Übertragung der Viren weiter eingedämmt werden, denn oft wird das Virus von Menschen übertragen, die selbst noch keine Symptome haben. Diese könnten mit dem Tragen von Masken reduziert werden und würden sich somit positiv auf die weitere Verbreitung auswirken.

Entwicklung in Deutschland

Kommt eine solche Regelung demnächst auch zu uns nach Deutschland? Viele Freiwillige nähen bereits Gesichtsmasken – dürfen diese aus rechtlichen Gründen jedoch nicht als Schutzmasken titulieren. Neben Abmahnungen drohen Anbietern auch Straf- und Bußgeldverfahren. Aber auch viele Unternehmen nutzen den Moment um zu helfen und statt der gewohnten Produkte nun Gesichtsmasken zu produzieren. So z.B. der Zulieferer Zettl Automotive, das deutsch-tschechische Start-up BeWooden, der Hemdenhersteller Eterna oder auch der Bekleidungshersteller Trigema um nur einige Unternehmen zu nennen. Vorbildlich ist momentan jegliches Engagement um die Knappheit bei Hygiene-und Schutzausrüstung zu verbessern. So konnte beispielsweise der Offenbacher Seifenhersteller Kappus nach der angemeldeten Insolvenz nun doch noch gerettet werden. Außerdem engagiert sich VERBIO, die normalerweise Bioethanol herstellen und produzuert nun Desinfektionsmittel.
Ob der Ansatz einer Maskenpflicht jedoch auch für ganz Deutschland verfolgt wird, wirft bei vielen Experten konträre Ansichten auf. Auch das RKI hat seine Empfehlung kürzlich geändert und schreibt nun: „Es gibt keine hinreichenden Belege dafür, dass ein MNS (Mund-Nasen-Schutz) oder eine Behelfsmaske einen selbst vor einer Ansteckung durch andere schützt.“ Aber: „Das Risiko, eine andere Person durch Husten, Niesen oder Sprechen anzustecken, kann so verringert werden.“ Zuverlässigen Schutz für den Einzelnen bieten nur sogenannte „medizinische“ Masken. Diese verfügen über einen sogenannten FFP (Filtering Face Piece) Filter. Nachdem diese zusammen mit Schutzkleidung und anderen medizinischen Geräten momentan Mangelware sind, sollten diese nicht von Menschen im Alltag getragen werden, sondern für diejenigen reserviert bleiben, die tagtäglich mit Infizierten zu tun haben.