Bildnachweis: Symbolbild. RioPatuca Images@stock.adobe.com, VERBIO Vereinigte Bioenergie AG.

Die Corona-Pandemie hat uns alle fest im Griff – täglich steigen die Infektionszahlen in Europa und besonders auch in den USA. Eine Kehrtwende scheint aktuell noch nicht in Sicht zu sein – zumal wichtige Utensilien im Hygienebereich, wie z.B. Schutzkleidung oder Desinfektionsmittel, knapp werden. Einige Unternehmen haben deshalb ihre Produktion umgestellt, um in der derzeitigen Krise zu unterstützen. So auch die VERBIO Vereinigte Bioenergie AG, die normalerweise Bioethanol herstellt und nun Desinfektionsmittel produziert. Wir sprachen mit CEO Claus Sauter über die Produktionsumstellung.

GoingPublic: Herr Sauter, aufgrund der Corona-Pandemie stellen Sie ab sofort Händedesinfektionsmittel her. Erklären Sie uns doch noch mal kurz und knapp unseren Lesern, wie es zu dem schnellen Entschluss kam?

Claus Sauter im Gespräch mit dem GoingPublic Magazin.
Claus Sauter im Gespräch mit dem GoingPublic Magazin.

Claus Sauter: Wir stellen normalerweise Bioethanol für den Einsatz als Biokraftstoff her. Dieser Ethanol ist nicht geschmacks- und geruchsneutral, weil dies für den Kraftstoffmarkt nicht erforderlich ist. Deshalb waren wir selbst anfangs noch etwas zögerlich, ob eine Umstellung auf hochreines Ethanol und die Herstellung von Desinfektionsmittel realisierbar wären. Als uns aber immer mehr Anfragen und förmliche Hilferufe aus der Region um unsere Produktionsstätten erreichten, haben wir uns der technischen und logistischen Herausforderung gestellt und losgelegt. Parallel mussten die rechtlichen Bedingungen geklärt werden. Ohne die schnelle Reaktion der zuständigen Bundes- und Landesbehörden, wäre das nicht möglich gewesen. Jetzt können wir einen wirksamen Beitrag zur Eindämmung des Corona-Virus leisten.

Inwiefern mussten Sie Ihre Produktionsvorrichtungen umstellen, um das Desinfektionsmittel herstellen zu können bzw. wie kompliziert war die Umstellung?

Die Umstellung  war ein Kraftakt. In weniger als zwei Wochen hat das Team unseres Zörbiger Standorts die Produktionstechnologie komplett umgestellt. Die Kollegen aus unserer Biodieselproduktion in Bitterfeld liefern das benötigte Pharmaglyzerin. Am 24. März haben wir in unserer Anlage in Zörbig mit der Herstellung von Hände-Desinfektionsmittel begonnen. Eine weitere große Herausforderung ist die Logistik. Das Bioethanol für den Kraftstoffmarkt füllen wir in große Zugwaggons ab und liefern es ausschließlich an Großkunden. Jetzt füllen wir Desinfektionsmittel in kleine 10 Liter und 20 Liter Kanister ab. Und das rund um die Uhr. Die Lieferungen gehen an eine Vielzahl von Bestellern bundesweit. Was unser Team geleistet hat ist phänomenal.

„Wir werden uns sehr genau anschauen, welche Möglichkeiten sich auf Basis unserer Koppelprodukte ergeben, um zukünftig unabhängiger vom Biokraftstoffmarkt zu werden“

 

Wie lange werden Sie die Desinfektionsmittel-Produktion voraussichtlich fortführen?

Zunächst werden wir solange Desinfektionsmittel herstellen, wie es der Bedarf aufgrund der Corona-Krise erfordert und wir durch eine entsprechende Sondergenehmigung dazu berechtigt sind. Ethanol ist nicht nur Biokraftstoff, sondern auch ein hochwertiges pharmazeutisches Produkt. Sobald sich die Rahmenbedingungen wieder normalisiert haben, werden wir uns sehr genau anschauen, welche Möglichkeiten sich auf Basis unserer Koppelprodukte ergeben, um zukünftig unabhängiger vom Biokraftstoffmarkt zu werden.

Welche Auswirkungen hat die aktuelle Corona-Krise ansonsten auf Ihr Geschäftsmodell?

An unserem Geschäftsmodell und an unserer Strategie ändert die Corona-Krise gar nichts. Natürlich ist der kurzfristige Bedarf an Diesel und Benzin und damit auch der Bedarf an Biodiesel und Bioethanol zurückgegangen. Bei der Biomethanproduktion hatten wir letzte Woche aber z. B. eine Rekordproduktion. Unsere Produktion läuft weiter, sofern die vor- und nachgelagerte Logistik funktioniert und wir alle gesund bleiben. Die Investitionsprojekte in Kanada, in den USA und Indien setzen wir auch fort. VERBIO ist krisenerprobt und breit aufgestellt, schließlich produzieren wir nicht nur Biokraftstoffe sondern auch andere hochwertige Produkte, wie Pharmaglyzerin und Sterol, wo die Märkte nach wie vor stabil sind. Außerdem haben wir ein phantastisches Team, das in der Lage ist, besondere Herausforderungen wie die derzeitige zu meistern.

„Was unser Team geleistet hat ist phänomenal“

Trotz der derzeitigen Unsicherheit am Markt: Können Sie bereits eine Prognose für den Jahresverlauf geben?

Niemand ist im Moment in der Lage einen verlässlichen Ausblick zu geben, weil niemand weiß, wie lange die Situation noch anhält und so lange gilt unsere kommunizierte Prognose. Sollten sich wesentliche Abweichungen davon abzeichnen, müssen und werden wir als Aktiengesellschaft natürlich gemäß der Ad-hoc-Pflicht eine Meldung veröffentlichen.

Herr Sauter, vielen Dank für das spannende Gespräch.

Über den Autor

Svenja Liebig ist Redaktionsleitern Kapitalmarktmedien bei der GoingPublic Media AG. Ihre Schwerpunktbereiche liegen bei Themen rund um IPOs, Investor Relations, Unternehmensfinanzierung und den Kapitalmärkten in Österreich und der Schweiz.