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Bildnachweis: Plattform Life Sciences.

Thema Buy and Build: Welche Unterstützung können Investoren Gründern und jungen Start-ups geben?

Bialojan: Das Thema Buy and Build ist eine Motivation für Investoren, aber auch die Corporates, immer früher in die Deals ­gehen. Denn je früher der Zeitpunkt, desto mehr Möglichkeiten bestehen, geeignete Gründerteams aufzubauen und notwendige Modifikationen am Businessplan vorzunehmen. Hat ein Start-up schon einige Jahre lang verschiedene Förderprogramme oder Acceleratoren durchlaufen, sind die Weichen hier zumeist schon gestellt. Da haben Investoren kaum noch Chancen, großen ­Einfluss zu nehmen. Umso erfreulicher ist es, dass sich Investoren immer früher engagieren. Es müsste nur häufiger passieren.

Pfister: Die Frage ist aber auch: Wie viel Buy and Build kann ein Investor leisten? Beim High-Tech Gründerfonds gibt es mittlerweile Mitarbeiter, die sich explizit um den Bereich Human Resources kümmern und unseren Portfoliounternehmen helfen, geeignete Mitarbeiter und Manager zu finden. Letztlich sind die Möglichkeiten für einen Finanz­investor begrenzt, doch die Bedeutung von Teamergänzungen ist jedem bewusst.

Seit kurzer Zeit darf sich auch die Universität Heidelberg wieder „Exzellenz-Universität“ nennen. Welche Auswirkungen wird dies auf den hiesigen Life-Sciences-Standort haben?

Domin: Es bleibt abzuwarten, ob eine solche Auszeichnung tatsächlich zu einer höheren Gründungsrate führt. Natürlich wird dadurch eine exzellente Forschung gefördert. Entscheidend bleibt aber aus meiner Sicht, dass man sich grundsätzliche Gedanken über die langfristige Optimierung von Technologietransfers macht.

Höger: Für ein Unternehmen ist es wichtig, dass durch eine solche Auszeichnung gute Studenten der Biowissenschaften nach Heidelberg kommen. Aus einem solchen Fundus kann man perfekt ausgebildete Mitarbeiter rekrutieren.

Kremoser: Der Status einer „Exzellenz-Universität“ hat Leuchtturmwirkung für die Region, er stärkt die „Man Power“ des Biotechclusters. Das eigentliche Problem aber, nämlich die Finanzierung der gesamten Infrastruktur, um eine Idee in den Markt zu bringen, bleibt davon weitgehend unberührt. Die akademische Forschungsförderung ­allein reicht für die erfolgreiche Umsetzung des Technologietransfers nicht aus. Trotz ­aller Förderprogramme fehlt einfach das private Kapital. Es mag zwar vorhanden sein, doch es gibt vielfach keinen Reiz, dieses auch zu investieren.

Thema öffentliche Förderung: Herr ­Kalkbrenner, wie betrachten Sie das aus Investorensicht?

Kalbrenner: Für uns als Investoren spielt es keine Rolle, ob ein Unternehmen eine öffent­liche Förderung erhält. Im Gegenteil: Viele ­Unternehmen opfern wertvolle Zeit, um ­Arbeitsprogramme abzuarbeiten, die sie etwa in das Programm GO BIO eingebracht haben, anstatt ein Produkt auf dem schnellstmög­lichen Weg in die Klinik zu bringen. Ich glaube, dass viele öffentliche Förderungen nicht dazu geeignet sind, eine Firma wirklich ­erfolgreich im Markt zu platzieren. Unterschiede finden sich aber auch in den Sichtweisen der Institute. Es gibt Universitäten, da bekommen wir jedwede Unterstützung für eine Neugründung oder eine Nutzung der Labore. Bei anderen Hochschulen verhandelt man unnötig lange über IP-Transferleistungen für ein Produkt, welches vielleicht im Jahr 2035 auf den Markt kommt. Mein Eindruck: Es gibt Techtransferbüros, die zu viel mit­reden wollen.

Bialojan: Wir brauchen in Deutschland eine stärkere Denkweise im kommerziellen Sinn. Derzeit sind wir zu stark in der Förderkultur verhaftet. Man sollte vielmehr akzeptieren, dass es eine natürliche Selektion geben wird. Die guten Firmen werden überleben, weil sie gut sind, und nicht, weil sie durch eine Vielzahl an Förderprogrammen künstlich am ­Leben gehalten werden. Förderprogramme sind im akademischen Bereich durchaus sinnvoll – doch anschließend muss es auch auf der kommerziellen Seite die entsprechende Unterstützung geben. Hier reden wir ­natürlich auch über steuerliche Anreize.

Kremoser: Ministerien wie das Bundeswirtschaftsministerium oder das Forschungsministerium sind im Endeffekt große „Rohrverteilungsanlagen“: Wie viel Wasser passt oben rein und in welche verschiedenen Rohre fließt es ab? Dabei gilt es natürlich, verschiedene Bedürfnisse zu befriedigen, sodass am Ende alle Beteiligten glücklich sind – Ministerien und Länder. Doch dieses Vorgehen führt am eigentlichen Kern des Problems vorbei, denn noch immer ist die vorherrschende Denk­weise: „Wir müssen mehr Geld investieren!“ Aber ohne Unternehmertum und ohne privates Risikokapital kommen aus diesen staat­lichen Förderprogrammen immer nur „Ansätze“ ­heraus. Beispielsweise wurde und wird die Elektromobilität in Deutschland massiv gefördert; ein Unternehmen wie Tesla entstand trotzdem in den USA. Wie kann ich den Spirit ändern, damit auch in Deutschland mehr privates und risikobereites Kapital aktiviert wird?

Höger: Die steuerlichen Rahmenbedingungen in Deutschland sind einfach innovationsfeindlich und nicht zielgerichtet. In Frankreich oder der Schweiz z.B. sind Rückversicherer angehalten, einen bestimmten Prozentsatz ihres Gewinns in die Innova­tionsförderung zu investieren.