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MIG Capital beteiligt sich über die MIG Fonds 4, 6, 12 und 17 an einer Finanzierungsrunde über insgesamt 35 Mio. EUR für das niederländische Biotechnologieunternehmen TIBEAY Biosciences B.V. mit Sitz in Nijmegen. Die Runde wird von der Münchner Athos KG angeführt; weitere Investoren sind Meneldor und Oost NL. MIG stellt zunächst 2,5 Mio. EUR bereit und plant, das Engagement perspektivisch auszuweiten. Von Jenny Gspahn

TIBEAY entwickelt mit Ronopterin einen First-in-Class-Wirkstoff zur Behandlung des sekundären Hirnschadens nach schwerem Schädel-Hirn-Trauma (SHT). Die nun eingeworbenen Mittel sollen insbesondere die Durchführung einer europäischen, multizentrischen Phase-3b-Studie sowie die Vorbereitung eines Zulassungsantrags bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) ermöglichen. Der Abschluss der Finanzierung markiert damit einen entscheidenden Schritt in der späten klinischen Entwicklung des Programms.

Finanzierungsstruktur und Investorenkreis

Die Finanzierungsrunde über insgesamt 35 Mio. EUR wird von der Athos KG angeführt. Neben MIG Capital und den MIG Fonds beteiligen sich Meneldor sowie Oost NL.

Für MIG Capital ist die Beteiligung Teil einer frühen bis spät-klinischen Wachstumsstrategie im Bereich innovativer Biotechnologieunternehmen mit hoher medizinischer Differenzierung und klar definierbaren Marktsegmenten. „Mit TIBEAY investieren wir in einen vielversprechenden Therapieansatz. Ronopterin adressiert einen biologischen Signalweg, dessen medizinische Relevanz bereits 1998 mit dem Nobelpreis für Medizin gewürdigt wurde. Als Investor wollen wir mithelfen, eine bislang ungedeckte therapeutische Lücke zu schließen“, so Andreas Kastenbauer, Partner MIG Capital.

Medizinische und marktstrategische Bedeutung

Aus Investorensicht bietet Ronopterin das Potenzial, in einem bislang nicht adressierten therapeutischen Markt einen neuen Behandlungsstandard zu etablieren. Die klare biologische Zielstruktur, die späte klinische Entwicklungsphase sowie der hohe ungedeckte medizinische Bedarf erhöhen die strategische Relevanz für potenzielle Pharma- und Kommerzialisierungspartner.

Analystisch wird insbesondere die Kombination aus First-in-Class-Mechanismus und klar definierter Indikation als attraktives Profil für spätere Partnerschaften im Bereich Neurologie und Intensivmedizin bewertet.

Fokus auf eine bislang unadressierte neurologische Notfallsituation

Schweres Schädel-Hirn-Trauma (SHT) betrifft weltweit ca. 50 Millionen Menschen jährlich, etwa 10 % davon schwer. In Europa gibt es rund 1,5 Millionen Krankenhausaufnahmen pro Jahr. Langzeitschäden entstehen vor allem durch sekundäre neuroinflammatorische und oxidative Prozesse, die häufig zu dauerhaften neurologischen Defiziten führen. Es existieren bislang keine zugelassenen Therapien, die diesen sekundären Schaden gezielt behandeln.

Ronopterin als First-in-Class-Ansatz in der Neuroprotektion

Ronopterin ist ein First-in-Class-Wirkstoff, der selektiv die iNOS hemmt. Nach schwerem SHT trägt iNOS zur Bildung neurotoxischer reaktiver Sauerstoff- und Stickstoffspezies bei. Durch die Hemmung dieses Signalwegs greift Ronopterin in die sekundäre Hirnschädigung ein und soll neuroinflammatorische Prozesse und Folgeschäden reduzieren. Damit adressiert es einen bislang unbehandelten pathophysiologischen Mechanismus.

Prof. Dr. John Stover, CMO von TIBEAY: „Ronopterin könnte erstmals eine wirksame Therapie für schweres SHT bieten und die Prognose sowie Lebensqualität der Patienten verbessern.“

Klinische Entwicklungsstrategie und Phase-3b-Programm

Die Entwicklung konzentriert sich auf eine europäische multizentrische Phase-3b-Studie, basierend auf bestehenden Daten und optimiert für frühe Behandlung und Patientenselektion. Sie umfasst Patienten mit akutem schwerem SHT und ist zulassungsrelevant für die EMA. Parallel werden Produktion, Logistik und regulatorische Vorbereitung für einen möglichen Markteintritt aufgebaut.

Autor/Autorin

Content Managerin at GoingPublic Media AG

Jenny Gspahn ist Content Managerin für die Kapitalmarkt-Plattform GoingPublic (GoingPublic, HV Magazin, www.goingpublic.de). In ihrer täglichen Arbeit beschäftigt sie sich mit Themen rund um den Aktienmarkt, aktuelle Börsengänge sowie alle Aspekte rund um die Börsennotiz von Unternehmen.