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Das Thema „Wasserstoff als Energieträger“ ist nicht neu. Schon seit Jahren wird dazu geforscht und darüber diskutiert. Es ist ein Thema der weißen, der industriellen Biotechnologie, welches nun, im „Jahr der Bioökonomie“ durch die Ausrufung einer Nationalen Wasserstoffstrategie durch die Bundesregierung eine neue Gewichtung bekommen hat. Von Holger Garbs

 

Grüner Wasserstoff gilt als das Erdöl von morgen und als unverzichtbares Element einer erfolgreichen Energiewende. Vor diesem Hintergrund mag es verwundern, dass an Universitäten und Forschungseinrichtungen zwar schon seit Jahren zu dem Thema geforscht wird, seitens Politik und Wirtschaftskonzernen bislang vergleichsweise wenig zu diesem Thema zu hören war.

Grüner Wasserstoff stärkt den Technologiestandort Deutschland

Doch hat dies nun zumindest seitens der politischen Entscheidungsträger ein Ende: Denn die Bundesregierung hat jüngst eine Nationale Wasserstoffstrategie verabschiedet. Die Strategie „soll Grünen Wasserstoff marktfähig machen und seine industrielle Produktion, Transportfähigkeit und Nutzbarkeit ermöglichen“, heißt es. Insgesamt neun Mrd. EUR will die Regierung zur Förderung von Grünem Wasserstoff ausgeben.

Grüner Wasserstoff sei von zentraler Wichtigkeit für das Erreichen der Pariser Klimaschutzziele. Mit seiner Hilfe sei es möglich, Deutschlands größte Treibhausgas-Verursacher klimafreundlich umzugestalten und gleichzeitig den Technologiestandort Deutschland zu stärken.

CO2-frei in der Produktion

Grüner Wasserstoff wird durch Elektrolyse von Wasser hergestellt. Dabei wird ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien genutzt. Die Produktion des Wasserstoffes erfolgt damit, unabhängig von der Elektrolysetechnologie, vollkommen CO2-frei.

Seinen wichtigsten Anwendungsbereich findet Grüner Wasserstoff in der Industrie, vor allem als alternativer Brennstoff. Gemeinsam mit CO2, etwa als Baustein von Polymeren, kann Gründer Wasserstoff dabei helfen, die fossile Rohstoffbasis der Chemieindustrie zu ersetzen. Weiterhin ist Grüner Wasserstoff in der Lage, Brennstoffzellen in Strom und Wärme umwandeln. Auf diese Weise sollen Schwankungen im Stromnetz ausgeglichen, Häuser beheizt und mit Elektrizität versorgt werden.

Auch Fahrzeuge können so angetrieben werden. Warum die heimische Automobilindustrie diese Möglichkeit, etwa im Vergleich zur E-Mobilität, nicht intensiver als Alternative zu herkömmlichen Otto- oder Dieselmotoren verfolgt hat, soll an dieser Stelle nicht eingehender diskutiert werden. Vielleicht brauchte es aber auch ein klares Signal aus der Politik – verbunden mit der Hoffnung auf millionen- oder milliardenschwere Förderungen.

Als Alternative zur Elektrifizierung lässt sich Grüner Wasserstoff schließlich auch im Verkehr einsetzen. Auch Schiffe und Flugzeuge können Grünen Wasserstoff als Antriebsquelle nutzen.

Kurzum: Zum Erreichen von Klimazielen oder dem Voranbringen einer klimafreundlichen Mobilität bietet Grüner Wasserstoff reichhaltige Ressourcen. Bewusst will die Politik schwerpunktmäßig auf Grünen Wasserstoff setzen, im Gegenzug zu Blauem, Grauen oder dem Türkisen Wasserstoff. Ersterer wird aus fossilen Brennstoffen gewonnen und das entstandene CO2 wird ungenutzt in die Atmosphäre abgegeben und verstärkt so den Treibhauseffekt. Auch bei der Produktion von Blauem Wasserstoff wird CO2 produziert, dieses wird anschließend, zumeist unterirdisch, gespeichert. Bei der Produktion von Türkisem Wasserstoff wird Erdgas eingesetzt, welches Wiederum die Bildung von Methan nach sich zieht, welches noch wesentlich klimaschädlicher ist, als CO2. Fazit: Nur Grüner Wasserstoff ist in seiner Produktion wirklich klimafreundlich.

Es braucht ein Marktkonzept

Und doch regen sich Zweifel und Bedenken. So fordern beispielsweise die Grünen einen stärkeren Ausbau der erneuerbaren Energien, ohne die die Produktion vom Grünem Wasserstoff nicht sinnvoll sei. Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft wiederum fordert ein klares Marktkonzept für die Produktion und Nutzung von Grünem Wasserstoff. Die Entscheidung der Bundesregierung ziele vor allem auf einzelnen Technologie- und Projektentwicklungen. Marktanreize gilt es vor allem für emissionsreiche Sektoren wie die Stahl-, Flugzeug- oder Schiffsindustrie zu setzen. Und generell kritisieren Umweltschützer, dass sich die Regierung zwar auf die Förderung von Grünem Wasserstoff konzentriert, die Produktion und Nutzung vom klimafeindlicherem Blauen Wasserstoff aber nicht grundsätzlich ausgeschlossen wird. Man werde den Eindruck nicht los, dass die fossile Gasbranche mit ihrem blauen Wasserstoff schon in den Startlöchern sitzt, um doch noch das Rennen zu machen, heißt es beispielsweise seitens der Deutschen Umwelthilfe.

Fazit

Wie genau sich Marktanreize und -strategie künftig auch gestalten werden, mit der Verabschiedung einer Nationalen Wasserstoffindustrie hat die Bundesregierung ein klares Zeichen gesetzt. In der Entwicklung neuer Technologien und Produkte dürfte denn auch die industrielle Biotechnologie künftig eine noch stärkere Rolle spielen. Kürzlich hat der Bund mit seinem Einstieg beim Wirkstoffentwickler CureVac der roten Biotechnologie zu einer systemrelevanten Position verholfen und sich somit klar zu der Branche bekannt. Ein klares Zeichen dieser Art auch in Richtung weißer Biotechnologie wäre daher wünschenswert.

Über den Autor

Holger Garbs ist seit 2008 als freier Redakteur für die GoingPublic Media AG tätig. Er schreibt für die Plattform LifeSciences und das VentureCapital Magazin.