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Um die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen, bis ein Impfstoff zur Verfügung steht, ist die umfassende und häufige Testung der Bevölkerung wichtig. Die Biotechnologie-Industrie habe schnell reagiert und durch die Entwicklung, Herstellung und den Vertrieb von Tests maßgeblich dazu beigetragen, dass die Infektionsrate in Deutschland gesunken ist. Das erklärte der Branchenverband BIO Deutschland.

Corona: Es stehen ausreichend Tests zur Verfügung

Führende Diagnostika-Anbieter und Mitglieder des Biotechnologiebranchenverbandes BIO Deutschland betonten im Rahmen einer Pressekonferenz, dass ausreichend Tests zur Verfügung stehen, um Bürgerinnen und Bürger auf akute sowie auf durchlaufene Infektionen zu testen, und die Testkapazitäten weiter erhöht werden können. Wichtig sei nun ein schlüssiges Konzept, welche Personen in Deutschland getestet werden und wie häufig getestet wird, damit die Industrie auch weiterhin bedarfsgerecht produzieren kann, erklären die Industrie-Experten. Damit verbunden müssten auch transparente Erstattungsmodelle aufgestellt werden.

Bedeutung der Biotechnologie in Zeiten von Corona

Oliver Schacht, Vorstandsvorsitzender von BIO Deutschland und Geschäftsführer von Curetis, sagte: „Wir haben unsere eigenen Entwicklungsaktivitäten intensiviert und unsere Produktpalette schnell um die Erfassung von Corona-Infektionen ergänzt. So konnten wir die Tests auf akute Infektionen in kurzer Zeit anbieten.“ Kooperationen mit internationalen Partnern hätten den Marktzugang zudem beschleunigt. Jetzt brauche die Branche Klarheit, wie breit diese Tests eingesetzt und auch vergütet werden sollen.

Schacht forderte eine rigorose Ausweitung der Corona- bzw. Antikörper-Tests. Nicht einmal in Krankenhäusern sei sämtliches medizinisches Personal bisher getestet worden. Der BIO Deutschland-Vorsitzende unterstrich einmal mehr die Bedeutung der Biotechnologie in Zeiten von Corona. „Ohne Biotechnologie kann man diese Pandemie nicht in den Griff kriegen“, so Schacht. Diese Bedeutung solle man auch nach einer wirtschaftlichen Wiederholung nicht außer Acht lassen.

Erfahrung im Umgang mit Pandemien

Roland Sackers, Vorstandmitglied der BIO Deutschland und Finanzvorstand von QIAGEN, kommentierte: „Wie die gesamte Industrie hat auch QIAGEN die Produktion seiner Testverfahren auf akute Infektionen schnell und umfassend gesteigert. Bis Oktober wollen wir die Herstellung von RNA-Extraktionen im Vergleich zu 2019 um das 50-fache erhöhen.“ Die Herstellung von bis zu 20 Mio. Tests pro Monat am Jahresende sei durchaus möglich. Auch das Portfolio der Tests werde ständig weiterentwickelt, um so optimale Testmöglichkeiten für die Bevölkerung zu gewährleisten.

Geholfen habe nicht zuletzt die enge Zusammenarbeit zwischen Industrie, Behörden und wissenschaftlichen Einrichtungen. Erfahrungen mit Pandemien habe man schon in der Vergangenheit gemacht. Neu hingegen sei die Herausforderung einer sich global rasant ausbreitenden Pandemie mit schnell wachsenden Fallzahlen. Auch müssten hinsichtlich Logistik oder Genehmigungsverfahren die Besonderheiten einzelner Länder beachtet werden. Sackers lobte in diesem Zusammenhang auch die gute Zusammenarbeit mit der Politik, etwa bei der unkomplizierten Ausweitung der Produktions- und Logistikkapazitäten. Neben den Akuttests verwies der QIAGEN-Vorstand insbesondere auf die Notwendigkeit von Tests bei medizinischem Fachpersonal sowie in Alten- und Pflegeeinrichtungen. Selbst Antikörper-Tests beweisen nur, ob ein Mensch bereits mit Corona infiziert gewesen sei oder nicht. Bis ein Wirkstoff gegen Corona auf dem Markt oder eine flächendeckende Testung der Bevölkerung erfolgt sei, bleibe Social Distancing das Mittel der Wahl.

Tracking-App derzeit mit wenig Sinn

Das Unternehmen CeGaT hat einen der ersten zertifizierten Antikörper-Tests auf den Markt gebracht. „Dabei war uns wichtig, neben der bestmöglichen Qualität einen Test anzubieten, der günstig und für alle Personen leicht zugänglich ist“, ergänzt Dirk Biskup, Geschäftsführer des Tübinger Diagnostikanbieters CeGaT. Aufgrund der hohen Dunkelziffer sei es für den Einzelnen wichtig zu wissen, ob sie oder er mit dem Corona-Virus infiziert war oder nicht. Erst mit diesem Wissen könnten vernünftige individuelle Entscheidungen mit hoher Sicherheit getroffen werden.

Biskup empfahl die Durchführung von Tests selbst bei leichten Symptomen. Zudem sollten alle Bürgerinnen und Bürger in Deutschland durch Antikörper-Tests erfasst werden. Eine Corona-Tracking-App mache bei der anzunehmenden hohen Dunkelziffer an Infizierten aus seiner Sicht derzeit keinen Sinn. „Jetzt gilt es diejenigen zu identifizieren, die Corona bereits hinter sich haben“, so Biskup. Entscheidungen über das weitere Vorgehen müssten auf volkswirtschaftlicher, auf Unternehmensebene sowie auf einer persönlichen Ebene heraus betrachtet werden. Nicht zuletzt müssen man gesundheitliche und wirtschaftliche Risiken gegeneinander abwägen. Gerade vor dem Hintergrund einer zunehmenden Lockerung der Hygieneregeln sei ein schnellerer und niederschwelligerer Zugang zu Tests unabdingbar. „Corona wird nicht verschwinden“, betonte Biskup. Man fliege auf Sicht.

In Deutschland arbeiten derzeit mehrere Dutzend Unternehmen an der Entwicklung und Herstellung von Testsystemen für SARS-CoV-2 Infektionen. Weitere Infos unter www.biodeutschland.org/de/diagnostik-933.html

Über den Autor

Holger Garbs ist seit 2008 als freier Redakteur für die GoingPublic Media AG tätig. Er schreibt für die Plattform LifeSciences und das VentureCapital Magazin.