Bildnachweis: Invitris GmbH.

Antimikrobielle Resistenzen sind schon jetzt weltweit Todesursache Nummer eins. Verantwortlich sind hauptsächlich antibiotikareistente Bakterien, die herkömmliche Infektionsbehandlungen vereiteln. Invitris’ Plattformtechnologie Phactory ermöglicht die synthetische Herstellung von Phagenderivaten und anderen antimikrobiellen Proteinen wie Endolysinen von hoher Ausbeute und Reinheit. Mit dieser Plattform können neuartige biologische Arzneimittel mit völlig neuen Wirkmechanismen entwickelt und in großem Maßstab hergestellt werden.

Durch mikrobielle Infektionen könnten in den kommenden Jahren weltweit 10 Mio. Todesfälle pro Jahr verursachen werden.[1] Das entspräche einer Steigerung um 25% im Vergleich zu Krebs. Antimikrobielle Resistenzen beeinträchtigen nicht nur Infektionskontrolltherapien, sondern auch lebenswichtige medizinische Verfahren wie Operationen und Krebstherapien. Neben dem immensen menschlichen Leid, das mit diesen Resistenzen einhergeht, droht eine erhebliche wirtschaftliche Belastung der Gesundheitssysteme weltweit.

Technologieerklärung. Copyright: Invitris GmbH
Technologieerklärung. Copyright: Invitris GmbH

Das geht, viral

Die Invitris GmbH hat sich dem drängenden Problem der weltweit steigenden mikrobiellen Infektionen angenommen. Das in München ansässige Biotech-Start-up setzt dabei auf Bakteriophagen. Durch ihren gezielten Einsatz in der medizinischen Behandlung will es antibiotikaresistente Bakterien bekämpfen und dadurch die Effektivität von Infektionskontrolltherapien, Operationen und Krebsthien steigern. „Wir wollen Phagentherapeutika in die breite Anwendung bringen und erwarten, dass Invitris die Flexibilität, Geschwindigkeit, Qualitätskontrolle und Kosten des Entwicklungs- und der Produktionsprozesse drastisch verbessern sowie phagenbezogene Forschungsaktivitäten anregen wird“, so Dr. Patrick Großmann, CEO und Mitgründer von Invitris.

Invitris’ Technologie ist die erste, die hoch skalierbar und ohne Wirtsbakterien (in vitro) beliebige Phagen synthetisch erzeugen kann. Dies ermöglicht eine präzise Anpassung der Bakteriophagen an spezifische Bakterienstämme, was eine gezielte und effiziente Eliminierung von Infektionen erlaubt. Mit diesem Ansatz strebt Invitris auch die Förderung einer personalisierten und zielgerichteten Medizin an. Obwohl sich das Start-up hauptsächlich auf Phagen konzentriert, kann die Plattform ebenfalls Endolysine und andere Proteine synthetisieren, die auch in der Onkologie und der Industrie Anwendung finden.

Von der Labormagie zur Phactory

Invitris wurde 2018 als Spin-off des International Genetically Engineered Machine Competition („iGEM“) Munich Team „Phactory“ gegründet. Das Team umfasst mittlerweile acht Vollzeitbeschäftigte am Innovations- und Gründerzentrum Biotechnologie (IZB) in Martinsried/Planegg bei München. Zwischen 2020 und 2023 konnte Invitris durch öffentliche Fördermittel 2 Mio. USD nicht verwässerten Kapitals einsammeln, um die Technologie zur Marktreife zu bringen. Im Mai 2023 erhielt Invitris von INCATE[2] als erstes Unternehmen weltweit eine Phase-II- Finanzierung Invitris in die weltweit renommierteste Start-up-Kaderschmiede „Y Combinator“[3] aufgenommen und konnte eine Beteiligungsfinanzierung realisieren. Das Geld verwendet Invitris nun dazu, ihre Plattformtechnologie Phactory in einen klinischen Reinheitsgrad (GMP) zu überführen, um damit Humantherapeutika produzieren zu können. Perspektivisch sind Partnerschaften mit anderen biopharmazeutischen und industriellen Unternehmen geplant.

KURZPROFIL INVITRIS GMBH

Gründung: 2022
Standort: Planegg-Martinsried bei München
Sektor: Rote Biotechnologie
Mitarbeiter: acht Vollzeitangestellte
Internet: https://invitris.com

[1] Siehe https://health.ec.europa.eu/antimicrobial-resistance/eu-action-antimicrobial-resistance_de und https://doi.org/10.1016/S2468-2667(22)00225-0
[2] INCATE ist eine gemeinnützige Partnerschaft, die Translations- und Grundlagenforschung, Industrie, erfahrene Unternehmer und Investoren aus ganz Europa und darüber hinaus zusammenbringt; www.incate.net/
[3] www.ycombinator.com/

Autor/Autorin

Redaktionsleiter Plattform Life Sciences at GoingPublic Media AG | Website

Urs Moesenfechtel, M.A., ist seit 2021 Redaktionsleiter der GoingPublic Media AG - Plattform Life Sciences und für die Themenfelder Biotechnologie und Bioökonomie zuständig. Zuvor war er u.a. als Wissenschaftsredakteur für mehrere Forschungseinrichtungen tätig.