Mit PharmaSGP aus Gräfeling bei München steht seit heute Morgen ein Pharmaunternehmen mit einem breiten Portfolio chemiefreier und nicht verschreibungspflichtiger Arzneimittel (OTC) und anderer Gesundheitsprodukte auf dem Frankfurter Börsenparkett. Die Erstnotiz erfolgte am Morgen. Das IPO gelang aber nur mit Mühe.

Die Preisspanne hatte das Unternehmen zunächst mit 31,50 bis 36,50 EUR je Aktie festgelegt. Darauf basierend wäre PharmaSGP auf Börsenwert zwischen 378 und 438 Mio. EUR gekommen – am Ende kam der untere Wert heraus als fixer Angebotspreis.

Ursprünglich war eine Ausgabe von bis zu 12 Mio. Aktien geplant. Einen Tag vor der geplanten Erstnotiz ließ das Unternehmen jedoch verlauten, dass es eine Reduzierung des Volumens für seinen Börsengang erwäge. In einer offiziellen Mitteilung war dann nur noch von bis zu 3,5 Mio. Inhaberaktien (Stückaktien) aus dem Bestand der veräußernden Aktionäre die Rede, möglicherweise plus 15% als sog. Greenshoe (Mehrzuteilungsoption).

Dem Unternehmen wird durch den Börsengang also kein Geld zufließen, vielmehr wollen die Altaktionäre und Gründer ihre Anteile verkaufen, um andere Projekte zu finanzieren. Neue Aktien sollen demnach nicht ausgegeben werden.

Erlösverwendung

Die Aktien der Gesellschaft werden derzeit von den Gesellschaftsgründern Dr. Clemens Fischer über die FUTRUE GmbH (90%) und Madlena Hohlefelder über die MVH Beteiligungs- und Beratungs-GmbH (10%) gehalten. Der FUTURE-Inkubator hat seit 2007 über 20 Unternehmen aus dem Gesundheitswesen ins Leben gerufen. Dabei setzt FUTURE auf vermeintlich modische Trends wie Functional Food, Dermaceuticals oder intelligente Bakterien. Die verkaufenden Aktionäre wollten voraussichtlich anteilig verkaufen und den Erlös aus dem Angebot zur Finanzierung kapitalintensiver Projekte außerhalb der PharmaSGP verwenden.

Unternehmen

Das Unternehmen plant, seine Wettbewerbsposition weiter auszubauen. Dahingehend soll die Zahl der der Indikationen, die durch das Produktangebot von PharmaSGP abgedeckt werden, erhöht werden. Bereits etablierte Markenfamilien sollen zur Einführung neuer chemiefreier OTC-Arzneimittel und anderer Gesundheitsprodukte genutzt werden, um die europäische Präsenz von PharmaSGP auszubauen und die eingeschlagene Wachstumsstrategie durch die Nutzung weiterer M&A-Möglichkeiten zu beschleunigen.

Die Produkte von PharmaSGP werden ausschließlich über Apotheken verkauft. Die Arzneimittel des Unternehmens basieren auf natürlichen pharmazeutischen Wirkstoffen mit dokumentierter Wirksamkeit und weniger bekannten Nebenwirkungen als bei den meisten chemischen Arzneimitteln. Grundlage der Produkte ist die Verwendung von natürlichen Essenzen, aber auch Cannabis-Extrakten.

Die Kernmarken des Unternehmens decken chronische Indikationen ab, darunter rheumatische Schmerzen und Nervenschmerzen sowie andere altersbedingte Leiden. In Deutschland gilt PharmaSGP mit den Markenfamilien RUBAXX bei rheumatischen Schmerzen und RESTAXIL bei neuralgischen Schmerzen als Marktführer für systemische, chemiefreie Schmerzmittel. Beide Mittel werden als Tropfen, Tabletten oder Gel angeboten. Darüber hinaus bietet das Unternehmen Produkte gegen sexuelle Schwäche und Schwindelbeschwerden an.

Seit der Einführung des ersten Produkts aus dem aktuellen Produktportfolio im Jahr 2012 hat PharmaSGP sein Geschäftsmodell auch in andere europäische Länder, darunter Österreich, Italien, Belgien und Spanien, exportiert und vor kurzem die Marktzulassung für drei seiner meistverkauften Produkte in Frankreich erhalten. Künftig soll die Internationalisierung weiter vorangetrieben und das bestehende Logistiknetz, die Produkte werden über Apotheken vertrieben, ausgebaut werden.

Zahlen

PharmaSGP gilt als profitabel und schuldenfrei. Attraktiv für Anleger dürfte auch der Einstieg in den Markt für Naturheilmittel und -kosmetik sein. Beide Segmente liegen im Trend. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz von PharmaSGP nach Unternehmensangaben bei 62,6 Mio. EUR bei einer EBIT-Marge von 35,8%. Im ersten Quartal 2020, das von der globalen Corona-Pandemie gestreift wurde, stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum noch um gut 11% auf 16,7 Mio. EUR. Das EBIT legte um gut 13% auf 4,3 Mio. EUR zu.

Fazit

Es hätte zweifellos bessere Börsentage für ein IPO gegeben: DAX-Titel Wirecard büßte in den letzten Tagen rund 10 Mrd. EUR Marktkapitalisierung ein. Man kann Investoren daher nicht übelnehmen, dass sie sich bei einem Unternehmen, über das man kaum etwas weiß, zurückhielten. Allerdings muss der Emittent auch ein wenig mehr selbst tun: Die Homepage ist ähnlich aussagekräftig wie ein Satz aus dem Munde Franz Beckenbauers.

PharmaSGP-AngebotsübersichtEmissionsparameter
WKNA2P 4LJ
Zeichnungsfrist8. bis 18. Juni 2020
Erstnotiz19. Juni 2020
Erster Kurs32,30 EUR
Emissionsspanne31,50 bis 36,50 EUR je Aktie (später 31,50 EUR fix)
Emissionsvolumenca. 127 Mio. EUR
MarktsegmentPrime Standard
Emissionsprospektja
OrderbuchmanagerBerenberg
Free Float33,5%

 

 

Über den Autor

Holger Garbs ist seit 2008 als freier Redakteur für die GoingPublic Media AG tätig. Er schreibt für die Plattform LifeSciences und das VentureCapital Magazin.