Der bereits seit 25 Jahren  an der Börse in Shanghai notierte Haushaltsgerätehersteller Qingdao Haier betritt neues Terrain: Als erstes Unternehmen überhaupt planen die Chinesen eine Notierung am deutsch-chinesischen D-Shares-Markt in Frankfurt. Damit wollen sie u.a. ihre Reputation in Europa stärken. Doch wie gut werden die chinesischen D-Aktien von Investoren hierzulande künftig angenommen? Von Svenja Liebig

Börsengang

Im Rahmen des D-Shares-Börsengang will Haier 265 Mio. neue Aktien sowie weitere knapp 40 Mio. neue Aktien im Zuge der Greenshoe-Option (Mehrzuteilungsoption / Überzeichnungsreserve) ausgeben. Die Preisspanne liegt zwischen 1,00 und 1,50 EUR je Aktie. In den Handel gehen sollen die Aktien voraussichtlich am 24. Oktober – die Zeichnungsfrist läuft noch bis zum 18. Oktober.

Haier auf der IFA in Berlin 2018
Haier auf der IFA in Berlin 2018

Am oberen Ende der Preisspanne sind  Emissionserlöse von demnach bis zu 456 Mio. EUR möglich. Das Unternehmen beabsichtigt die Einnahmen aus der Platzierung der D-Shares in erster Linie zu verwenden, um die Bekanntheit der Marke Haier und das Wachstum des internationalen Geschäfts des Unternehmens in Europa zu fördern. Zudem soll ein Teil des Erlöses zur Finanzierung der geplanten Akquisition von Candy, einem europäischen Haushaltsgerätehersteller für rund 475 Mio. EUR, genutzt werden. D-Shares Aktionäre werden für das laufende Geschäftsjahr 2018 zudem voll dividendenberechtigt sein.

Die Deutsche Bank agiert als Sole Global Coordinator und Joint Bookrunner. UBSJ.P. Morgan und China International Capital Corporation Hong Kong agieren als Joint Bookrunners.  Als Co-Lead Manager ist u.a die Baader Bank sowie die ING Bank mandatiert.

Die Aktien sollen an der  China Europe International Exchange, kurz CEINEX,  durch eine Zulassung zum Handel im regulierten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse mit gleichzeitiger Zulassung im Prime Standard notiert werden. Als erstes Unternehmen überhaupt wagt der chinesische Haushaltsgerätekonzern damit ein D-Shares-IPO hierzulande.

Mit der 2015 gegründeten deutsch-chinesischen Börsenplattform CEINEX soll laut eigenen Angaben eine Brücke zwischen China und Europa geschlagen werden: Investoren sollen die Möglichkeit bekommen, in Qualitätsunternehmen aus China zu investieren sowie mit chinesischen ETFs und Anleihen unter europäischen Rahmenbedingungen zu handeln. CEINEX selbst ist ein Joint Venture zwischen der Shanghai Stock Exchange, der Deutschen Börse und der China Financial Futures Exchange.

 

Unternehmen

Wasch- und Trocknerkombi von Haier. Quelle: Haier.
Wasch- und Trocknerkombi von Haier. Bildquelle: Haier.

Die Haier Gruppe besitzt u.a. zwei börsennotierte Tochtergesellschaften: die Haier Electronics Group, die an der Börse Hongkong gelistet ist, und die Qingdao Haier mit Notierung in Shanghai. Haier bezeichnet sich selbst als weltweit führenden Hersteller von Haushaltsgeräten mit Schwerpunkt auf Smart-Home-Lösungen und kundenindividuellen Massenfertigungen. Zu den Produkten von Qingdao Haier zählen Kühlschränke, Gefrierschränke, Waschmaschinen, Klimaanlagen, Küchengeräte sowie kleinere Haushaltsgeräte des Alltags. Die Produkte werden über Haushaltsmarken wie u.a. Haier selbst, Casarte, GE Appliances, Fisher & Paykel und AQUA vertrieben. Das – wie der Name bereits anmuten lässt – im chinesischen Qingdao  beheimatete Unternehmen blickt auf eine langjährige Historie zurück: 1984 als Qingdao Refrigerator General Factory gegründet, zählt das Unternehmen mittlerweile zu einem der bekanntesten Handelskonzerne in China mit einer derzeitigen MarketCap von etwa 11,3 Mrd. EUR. Ein Meilenstein in der 34jährigen Firmengeschichte war u.a. die milliardenschwere Übernahme von Teilen der General Electric-Gruppe vor zwei Jahren.

Die Chinesen versuchen seit jeher am Puls der Zeit zu agieren – so spielt das Thema Smart Home und künstliche Intelligenz eine bedeutende Rolle im Unternehmen und soll auch künftig zunehmend wichtiger für das Geschäftsmodell werden. Dafür hat Qingdao Haier drei Plattformen entwickelt: die Cloud-basierten Plattform U+ Smart Life, die den Kunden integrierte Smart-Home-Lösungen bietet, die Smart-Manufacturing Plattform COSMOPlat, die die kundenindividuelle Massenfertigung ermöglicht, sowie die Online-Plattform Shunguang, welche die Integration von Qingdao Haiers Online, Offline und Micro-Store Geschäften erleichtert und die Interaktion der Nutzer unterstützt.  In dem Zusammenhang hat auch das Thema Forschung und Entwicklung eine hohen Stellenwert bei den Chinesen: So fließen 3% bis 4% des Gesamtumsatzes allein in Europa in F&E.

Bei den Haushaltsprodukten selbst versucht der Großkonzern stets, sich in neue Gefilden vorzuwagen: So präsentierte Haier im Frühjahr dieses Jahres die weltweit erste Schuhwaschmaschine für den Haushalt. Für den europäischen Markt hat Haier bereits ambitionierte Pläne: Im Premium-Segment, u.a. im Bereich Einbaugeräte, wolle man vor allem in Deutschland sein Portfolio weiter ausbauen. „Wir wollen in Europa unter die Top Five aufsteigen“, so Thomas Wittling, Geschäftsführer Haier Deutschland/Österreich, im Interview mit dem GoingPublic Magazin (Ausgabe August 2018).

 

 

Qingdao Haier – Zahlen und Bewertung
2016 2017 2018e 2019e
Umsatz *) 14840 20000 22580 25570
Nettoergebnis *) 840,0 1112,0 1250,0 1370,0
EpS 0,13 0,17 0,20 0,21
KGV min. 7,6 5,8 5,1 4,7
KGV max. 11,4 8,6 7,7 7,0
*) in Mio. EUR, sämtliche Angaben in Euro, teilweise gerundet. Quelle: GoingPublic Research

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