Werbung

Wir sprachen mit FinTech-Group-CFO Muhamad Chahrour u.a. über die Zukunft der Bankenbranche, den digitalen Wandel und wie es mit der FinTech Group künftig weiter gehen soll.

GoingPublic: Herr Chahrour, der Aktienkurs der FinTech Group hat sich in den letzten Wochen außerordentlich erfreulich entwickelt. Die Ankündigung eines möglichen strategischen Verkaufs oder einer Partnerschaft etwa leistete ihren Beitrag zu dieser positiven Aktienentwicklung. Was hat es damit auf sich?

Chahrour: Die FinTech Group blickt auf ein Rekordjahr 2018 zurück. Wir sind nettoschuldenfrei, verfügen über freie Barmittel von über 40 Mio. EUR und haben die höchste Kundenzahl seit unserer Gründung. Genau so soll es auch künftig weitergehen, weshalb wir uns im Management Gedanken darüber gemacht haben, welche strategischen Opportunitäten unsere Wachstumsambitionen optimal unterstützen können. Wir sind optimistisch, dass sich einige neue Möglichkeiten ergeben werden, die sicherstellen, dass wir unseren Stakeholdern in den nächsten fünf Jahren dieses starke Wachstum präsentieren können.

Im März haben Sie das Vorhaben bekannt gegeben, sich vollständig in Flatex umzubenennen. Welchen Hintergrund hat diese Umfirmierung?
Flatex gilt als starke Marke. Foto: www.flatex.de
Flatex gilt als starke, bekannte Marke – weshalb die Fintech Group auch bald unter dem Namen firmieren wird. Foto: www.flatex.de

Neben vielen Stärken weist der Name FinTech Group leider auch ein paar Schwächen auf. Unter anderem, weil die meisten damit ein Start-up assoziieren, was wir nun mal nicht sind. Wir schreiben seit Jahren schwarze Zahlen, der Technologieteil unseres Unternehmens existiert seit 30 Jahren – der Online-Brokerage-Teil seit über zwölf Jahren – und wir beschäftigen 500 Mitarbeiter. Das passt also gar nicht ins klassische Start-up-Schema. Hinter uns steckt auch kein Venture Fund oder eine Holding, sondern eine vollintegrierte Geschäftsidee, bestehend aus einer technologischen und einer bankenregulatorischen Plattform mit Vollbanklizenz. Ca. 75% unserer Umsätze generieren wir heute mit unserem B2C-Geschäft Flatex. Die Marke Flatex ist deutschlandweit bekannt, unsere Kernmarke und unsere Cashcow. Nach dieser sollten wir auch benannt sein. Die Bank haben wir bereits in flatex Bank umbenannt, die Umbenennung der FinTech Group AG muss in der HV am 12. August beschlossen werden. Wir sind sehr zuversichtlich, dass unsere Gesellschafter unserem Vorschlag folgen werden.

In Deutschland existiert das ewige Dilemma der unterentwickelten Aktienkultur. Inwieweit hat das Auswirkungen auf Ihr Online-Broker-Geschäft?

Natürlich bedauern wir, dass die Einstellung zur Aktienanlage hierzulande verhalten ist. Jedoch hat das keine spürbaren Auswirkungen auf unser Geschäftsmodell. Unser Kundenstamm war schon immer wertpapieraffin. Mit durchschnittlich 40 bis 50 Transaktionen pro Jahr tätigen unsere Kunden dreimal so viele Transaktionen wie jene der Konkurrenz. Das liegt u.a. daran, dass wir mit 5,90 EUR pro Trade ein günstiges und transparentes Preisangebot am Markt haben, ein breites Produktspektrum anbieten und unsere Gebühren im Vergleich zu anderen Wettbewerbern in den letzten Jahren nicht erhöht haben. Solche Preiserhöhungen fördern die Aktienkultur nicht sonderlich. Hinzu kommt, dass das steuerregulatorische Umfeld hierzulande den Aktienhandel in keiner Weise würdigt. Das ist alles sehr schade, denn es gibt kaum andere Anlagen im Finanzgeschäft, die über Dekaden eine bessere Performance abgeliefert haben als der Kapitalmarkt. Schlussendlich muss noch viel in Deutschland getan werden, um die Aktienanlage noch attraktiver zu machen – das bietet aber ein Riesenpotenzial für unser Geschäftsmodell, unsere aktuell 12,5 Mio. Transaktionen signifikant zu steigern.

Viele Fintechs haben es sichtlich schwer am Markt. Warum scheitern viele dieser
Trotz guter Ideen scheitern viele FinTechs.
Trotz guter Ideen scheitern viele FinTechs.
jungen Start-ups aus dem Finanzsektor?

Das Problem ist, dass das Bankgeschäft hochreguliert ist und viele Fintechs genau das unterschätzt haben. Es liegen Welten zwischen der Gründung eines Fintechs und eines E-Commerce-Start-ups, bei dem man viel geringere regulatorische und weniger komplexe Hürden hat. Hinzu kommt, dass viele Fintechgründer keinerlei Bankingerfahrungen haben, diese aber dringend notwendig sind. Deshalb ist es gerade bei solchen Start-ups wichtig, einen erfahrenen Business Angel an seiner Seite zu haben, der in der Bankenbranche gut vernetzt ist. Ich glaube, das haben einige versäumt. Prinzipiell denke ich aber, dass es viele tolle Fintechs mit innovativen Ideen gibt. Manchmal sind diese ihrer Zeit sogar voraus aus technischer Sicht, weshalb der Markt viele dieser Geschäftsmodelle noch gar nicht annehmen kann.

Wird es irgendwann überhaupt noch klassische Bankhäuser geben?

Ich habe bereits vor ein paar Jahren prophezeit, dass es binnen der nächsten zehn Jahre keine Universalbanken mehr geben wird. Das liegt am kommerziellen Wandel und der Entwicklung weg von einem zentralen hin zu einem dezentralen Bankensystem. Wenn ich als Privatkunde mein Geld anlegen möchte, muss ich dafür nicht mehr zu meiner Hausbank gehen. Ähnlich sieht es aus, wenn ich einen Immobilien- oder Autokredit benötige. Ich kann mir stattdessen bequem im Internet das für mich geeignete Institut heraussuchen und brauche keine zentrale Bank mehr. Ein weiterer wesentlicher Treiber für die Entwicklung weg von der Universalbank ist die gestiegene Anforderung auf der regulatorischen Seite. Als Vollbank kann man die regulatorischen Kosten heutzutage kaum noch stemmen. Deshalb ist das Vorhaben einiger deutschen Banken, Teile ihres Investmentbankings abzuspalten, gar nicht so überraschend.

Wie sieht es mit E-Commerce-Giganten wie Amazon oder Apple aus, die sich ja immer stärker der Bankingthematik annähern (siehe Apple Pay)? Werden diese künftig die neuen „Banken“ sein?

Natürlich beobachten wir solche Entwicklungen genauestens. Jedoch geht es bei Amazon oder Apple ja vielmehr um das angebotene Feature, wie man am Beispiel Apple Pay sieht. Die Motivation dabei ist in erster Linie, Zahlungsströme zu vereinfachen, miteinander zu verbinden und Kunden an sich zu binden. Ich denke nicht, dass deren Intention auf lange Sicht ist, sich als Bank zu präsentieren. In dem Fall wären die regulatorischen Anforderungen sehr hoch.

GoingPublic: Herr Chahrour, ich bedanke mich für das spannende Gespräch.

Das Interview führte Svenja Liebig.

 

Über den Autor

Muhamad Chahrour

Muhamad Said Chahrour

Muhamad Said Chahrour ist Finanzvorstand der FinTech Group AG. Zuvor war er bei Rocket Internet als Global Head of Finance sowie u.a. bei UBS und PwC tätig.