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Während viele Investoren derzeit auf Sicht fahren, entsteht mit 14leafs in Unterfranken ein neuer Venture-Capital-Fonds mit einem Zielvolumen von 50 Mio. EUR. Hinter 14leafs stehen die Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU), die Sparkasse Mainfranken Würzburg sowie mit StellaVent Capital eine erfahrene VC-Gesellschaft. Ihr gemeinsamer Ansatz: wissenschaftliche Exzellenz, Kapital und unternehmerische Erfahrung bündeln – und damit eine Lücke im Innovationsökosystem schließen. Von Urs Moesenfechtel

Mut zum Fonds in unsicheren Zeiten
Das Timing wirkt ambitioniert. In einem Marktumfeld, das von Zurückhaltung, längeren Due-Diligence-Prozessen und selektiveren Investments geprägt ist, geht mit 14leafs ein neuer Venture-Capital-Fonds an den Start. Der Fonds adressiert ein bekanntes Problem – nicht nur in Unterfranken: „Zwischen exzellenter Forschung und marktfähigem Unternehmen klafft häufig eine Finanzierungslücke, insbesondere in frühen Phasen“, so Jochen Schönleber, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Mainfranken Würzburg und Mitinitiator des Fonds. 14leafs positioniert sich genau an dieser Schnittstelle: Der Fonds investiert in technologiegetriebene Start-ups von der Pre-Seed-Phase bis zur Series A und konzentriert sich insbesondere auf die Bereiche Life Sciences, Health sowie Deep und Digital Tech. Die Bandbreite der Ausgründungen reicht von nanopartikelbasierten Schnelltests und CAR-T-Therapien bis hin zu satellitengestützter Leckageortung und KI-gestützten Supply-Chain-Lösungen.
Prof. Dr. Axel Winkelmann, Professor für Wirtschaftsinformatik an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und Partner bei 14leafs, ergänzt: „Investitionen erfolgen grundsätzlich im Konsortium mit Co-Investoren, um Risiken zu streuen und Entscheidungen zu objektivieren. Ergänzend stärkt ein eigener Accelerator mit erfahrenen Unternehmern die Entwicklung der Teams. Die Erstinvestitionen liegen zwischen 100.000 und rund einer Mio. EUR. Insgesamt sind 40 bis 50 Beteiligungen geplant, ergänzt durch Folgeinvestitionen in erfolgreiche Portfoliounternehmen.“
Drei Partner, ein Ansatz
Der Fonds kombiniert drei Elemente, die für funktionierende Innovationsökosysteme entscheidend sind: wissenschaftliche Exzellenz, institutionelles Kapital und unternehmerische Erfahrung. „Die Julius-Maximilians-Universität Würzburg bringt als eine der forschungsstärksten Universitäten Deutschlands kontinuierlich Innovationen und Gründungspotenziale hervor. Gleichzeitig ist die Region durch weitere Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen breit aufgestellt. Gerade in frühen Phasen besteht ein deutlicher Bedarf, den Transfer von Forschung in tragfähige Geschäftsmodelle stärker – und insbesondere lokal – zu unterstützen“, so Prof. Dr. Paul Pauli, Universitätspräsident der JMU. Prof. Winkelmann dazu: „14leafs setzt genau hier an, in einer Region mit vier Hochschulsystemen und allein 14 Nobelpreisträgern an der Universität Würzburg – von Conrad Röntgen (Röntgenstrahlen) bis hin zu Hartmut Michel (Photosynthese) und Harald zur Hausen (Krebsentstehung durch Viren). Im Gegensatz zu Metropolregionen gibt es regional in der Mitte Deutschlands deutlich weniger Wettbewerb durch VC-Fonds, was sowohl die Kapitalakquise als auch den Zugang zu Gründern erleichtert.“
Die Sparkasse Mainfranken Würzburg steuert ihr regionales Netzwerk sowie ihre Erfahrung in der Begleitung von Unternehmen bei. Mit Initiativen wie der 360° BASE unterstützt sie bereits heute Gründerinnen und Gründer in unterschiedlichen Phasen und erweitert dieses Engagement nun um Venture Capital. Das Fondsmanagement übernimmt StellaVent Capital. Die Gesellschaft bringt operative Erfahrung im Aufbau und in der Skalierung von Unternehmen ein und verantwortet sowohl die Investmentstrategie als auch die Investorengewinnung. Gleichzeitig gibt es in der Region deutlich weniger Wettbewerb durch VC-Fonds als in Metropolregionen – das erleichtert Zugang zu Gründern und Kapital“, so Prof. Winkelmann.
Regional verankert, international gedacht
Trotz der starken regionalen Basis versteht sich 14leafs nicht als rein lokaler Fonds. „Vielmehr setzen die Initiatoren bewusst auf ein ausgewogenes Portfolio aus regionalen und nationalen Start-ups mit internationaler Perspektive“, sagt Michael Sauer, Managing Partner von StellaVent Capital. Unter dem Leitgedanken „From Region to Scale“ soll dieses Potenzial nun gehoben werden – unterstützt durch Kapital, Know-how und ein belastbares Netzwerk aus Industrie und Co-Investoren.
Bewusstes Risiko
Dass ein neuer Fonds gerade jetzt aufgelegt wird, ist eine strategische Wette darauf, dass sich langfristige Wertschöpfung gerade in Phasen zurückhaltender Kapitalvergabe aufbauen lässt – trotz erschwerter Kapitalakquise, selektiverer Investitionsentscheidungen und unsicherer Exit-Perspektiven. 14leafs versteht sich damit nicht nur als Finanzierungsinstrument, sondern auch als Signal: für Vertrauen in die Innovationskraft der Region, für die Relevanz früher Finanzierungsphasen – und für die Bereitschaft, auch unter anspruchsvollen Marktbedingungen unternehmerisches Risiko zu tragen. Oder anders formuliert: ein Wagnis für Wagniskapital. „Gründer lassen sich von schwierigen Zeiten nicht entmutigen. Das Besondere an unserem Fonds ist zudem, dass wir Partner alle mehrfach gegründet haben und langjährig als Unternehmer aktiv waren. Wir glauben deswegen stark daran, dass wir mit diesem VC-Fonds einen wichtigen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit von Deutschland beitragen werden“, so Prof. Winkelmann abschließend.
Autor/Autorin
Urs Moesenfechtel, M.A., ist Redaktionsleiter der Plattform Life Sciences und gehört zum Redaktionsteam der Kapitalmarkt-Plattform GoingPublic (GoingPublic, HV Magazin, www.goingpublic.de). Urs beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Themenfeldern Biotechnologie und Bioökonomie und war u.a. bereits als Wissenschaftsredakteur für mehrere Forschungseinrichtungen tätig.






