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Deutschlands Industriebeschäftigung sinkt seit gut fünf Jahren. Vor allem der Automobilsektor und die energieintensiven Branchen stehen unter Druck. Der Blick auf die langfristige Entwicklung zeigt allerdings: Prozesse des Strukturwandels können unter dem Strich zu einem gesamtwirtschaftlichen Gewinn werden. Den Beschäftigungsabbau in bestimmten Sektoren fangen andere Branchen wieder auf – in der Regel mit besser bezahlten und produktiveren Arbeitsplätzen. Derzeit ist es vor allem die Pharmabranche, die Beschäftigte aus anderen Sektoren aufnimmt. Das zeigt eine Auswertung in der neuesten Ausgabe des MacroScope Pharma Economic Policy Briefs.

Grundsätzlich ist struktureller Wandel der Schlüssel für die Stabilität des Industriesektors Deutschland gewesen. Nur weil sich dieser immer wieder verändert hat, ist der Industrieanteil seit Mitte der 1990er Jahre stabil. „Die Industrie verändert sich in ihrer Struktur ständig. Die Fähigkeit zur Erneuerung ist im Vergleich mit anderen Volkswirtschaften zentral dafür, dass der Wertschöpfungsanteil und die Beschäftigung des industriellen Sektors weitgehend stabil ist“, sagt vfa-Chefvolkswirt Dr. Claus Michelsen. „Die Innovationskraft und die internen Verschiebungen zu immer höherwertigen Produkten und produktiveren Sektoren hat im Ergebnis zu einer Steigerung der Wertschöpfung und einer einkommensseitigen Verbesserung aller Industriebeschäftigten geführt.“

Michelsen weiter: „Die jetzigen Herausforderungen der Industrie sollten als eine Chance verstanden werden, sich an die aktuellen und kommenden Herausforderungen anzupassen.“ Ein zentraler Aspekt ist dabei die demografische Entwicklung. Daraus folgt: Künftig wird der Beschäftigungsaufbau in einer Branche nur gelingen, wenn Beschäftigtenzahlen in anderen Branchen sinken. Um gesamtwirtschaftliche Einbußen zu vermeiden, müssen Arbeitsplätze in produktivere Bereiche verlagert werden.

vfa: Arbeitskräfte in richtige Branchen lenken

„Es kommt also darauf an, die Arbeitskräfte in die richtigen Bereiche zu lenken und für die Tätigkeiten dort fit zu machen. Denn selbst bei sinkenden Beschäftigtenzahlen können die in der Industrie erzielten Einkommen weiter kräftig zulegen – dann nämlich, wenn die Beschäftigung von gering entlohnten Bereichen in diejenigen wandert, die höhere Gehälter zahlen können“, sagt Michelsen.

Dieser Wandel erfordere jedoch Gestaltung. Für die Wettbewerbsfähigkeit brauche es Investitionen in modernste Maschinen und Anlagen und in die Köpfe des Landes. Gerade die Transformation der Arbeitswelt erfordere erheblichen Aufwand: Damit Beschäftigte zwischen den Sektoren wechseln können, müssen sie für die künftigen Tätigkeiten weitergebildet werden. Lebenslanges Lernen werde deshalb umso wichtiger. Insgesamt müssen die Rahmenbedingungen für die Schlüsselindustrien des Landes wachstumsfreundlich gestaltet werden, so der vfa. Die Pharmastrategie der Bundesregierung sei hier ein richtiges Signal.

Die gesamte Auswertung lesen Sie in der neuesten Ausgabe des MacroScope Pharma Economic Policy Briefs.

Autor/Autorin

Holger Garbs ist seit 2008 als Redakteur für die GoingPublic Media AG tätig. Er schreibt für die Plattform Life Sciences und die Unternehmeredition.