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Mit einem Kurssprung von in der Spitze 200 % zählte die Aktie von Newron Pharmaceuticals (IT0004147952) im Börsenjahr 2025 zu den Überfliegern unter den europäischen Biotechs. Der Börsenwert des an der Börse Zürich gelisteten Unternehmens aus Bresso im Mailänder Umland liegt bei 450 Mio. EUR. Die Erwartungshaltung der Investoren hängt an der Zulassung eines Medikaments zur Behandlung von Schizophrenie. Mit der gerade bekanntgegebenen Kapitalerhöhung hat sich Newron die Finanzierung des Hoffnungsträgers bis zum erwarteten Markteintritt gesichert. Von Stefan Riedel
Newron wird am 24. März die Geschäftszahlen für 2025 und den Ausblick vorlegen. Ende Juni 2025 verfügte das Unternehmen über 43,2 Mio. EUR Cashreserven. Mit der gestern bekanntgegebenen finanziellen Transaktion ist die Finanzierung der entscheidenden klinischen Studien für das wichtigste Produkt in trockenen Tüchern.
Kapitalerhöhung in drei Etappen
Altaktionäre und neue Investoren aus Europa und Asien haben neu ausgegebene Newron-Aktien gezeichnet. Der maximale Erlös wird bis zu 38 Mio. EUR in die Kassen spülen. Die Transaktion läuft in drei Phasen ab. Zunächst wird die Investorengruppe bis zu 779.624 neu ausgegebene Aktien zu einem Ausgabepreis von 19,24 EUR je Aktie zeichnen. Der entsprechende Bruttoerlös beläuft sich auf bis zu 15 Mio EUR.
Parallel zum Fortschreiten der zulassungsrelevanten Studien ENIGMA-TRS 1 und 2 hin zu den 12-Wochen-Ergebnissen, die voraussichtlich im vierten Quartal dieses Jahres vorliegen werden, spätestens aber am 30. November 2026, wird die Gruppe eine zusätzliche Anzahl neu ausgegebener Aktien für einen Gesamterlös von 11 Mio. EUR zu einem Preis gemäß einer vereinbarten Formel zeichnen. Abschließend wird die Gruppe nach Bekanntgabe der Ergebnisse der ENIGMA-TRS-Zulassungsstudien eine zusätzliche Anzahl neu ausgegebener Aktien für einen Gesamterlös von 12 Mio. EUR zum Zeichnungspreis gemäß der vereinbarten Formel zeichnen – immer unter der Voraussetzung, dass die erwarteten Ergebnisse positiv ausfallen werden. Alle diese Aktienzeichnungen unterliegen der Kapitalerhöhung, die 2018 von den Newron-Aktionären genehmigt und 2025 vom Verwaltungsrat des Unternehmens gebilligt und freigegeben wurde.

Die ersten bis zu 779.624 neu ausgegebenen Aktien werden voraussichtlich in den nächsten Tagen nach Zahlung und Abwicklung unter derselben ISIN wie die bestehenden Aktien des Unternehmens (ISIN: IT0004147952) an der SIX Swiss Exchange kotiert und gehandelt. Darüber hinaus sollen die neuen Aktien am Primärmarkt der Börse Düsseldorf kotiert und gehandelt sowie am Quotation Board der Frankfurter Wertpapierbörse (Xetra) gehandelt werden.
Hoffnungsträger Evenamide
Für das in mehr als 20 Märkten zugelassene Parkinsonmedikament Xadago zur Behandlung von Parkinson erhält Newron von seinen Marketingpartnern Umsatzbeteiligungen. Für 2025 rechnen die Analystenschätzungen mit Konzernerlösen von 20 Mio. EUR. Auslöser der Börseneuphorie sind jedoch die zulassungsrelevanten klinischen Studien mit dem Wirkstoff Evenamide als Zusatztherapie für Patienten mit behandlungsresistenter Schizophrenie. Evenamide soll hier die Symptome bei behandlungsresistenter Schizophrenie mildern. Erste Ergebnisse der Datenauslesung werden Ende 2026 erwartet. Die bisherigen klinischen Wirksamkeitsstudien dokumentierten auch, dass die Substanz sehr gut verträglich ist.
Während etablierte Antipsychotika auf das Dopaminsystem zielen und dort die Weiterleitung von Nervenreizen dämpfen, setzt Evenamide am Glutamatsignalweg an. Dabei handelt es sich um den wichtigsten erregenden Botenstoff im Gehirn, der bei Schizophrenie nachweislich aus dem Gleichgewicht geraten kann. Das Produkt hat nach den Worten von Vorstandschef Stephan Weber „Blockbusterpotenzial.“ Newron adressiert hier in der Tat einen immensen Markt: rund ein Drittel aller Schizophreniepatienten spricht auf Standardtherapien nicht an.
Zwei Studien, 1000 Patienten
ENIGMA-TRS 1 wurde im August 2025 gestartet und ist eine internationale, einjährige, doppelt verblindete, placebokontrollierte Studie mit mindestens 600 Patienten zur Bewertung der Wirksamkeit, Verträglichkeit und Sicherheit von Evenamide (Dosierung: zweimal täglich 15 mg und 30 mg) als Zusatztherapie zu aktuellen Antipsychotika, einschliesslich Clozapin, im Vergleich zu Placebo.
ENIGMA-TRS 2 wurde im Dezember 2025 begonnen und ist eine internationale, 12-wöchige, randomisierte, doppelt verblindete, placebokontrollierte Phase-III-Studie zur Bewertung der Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit von Evenamide (Dosierung: zweimal täglich 15 mg) als Zusatztherapie zu aktuellen Antipsychotika, einschliesslich Clozapin, im Vergleich zu Placebo bei TRS-Patienten. ENIGMA-TRS 2 wird mindestens 400 Patienten beinhalten.
Vervielfacher-Potenzial
Mit den zulassungsrelevanten klinischen Ergebnissen für einen flankierenden neuen Behandlungsansatz von Schizophrenie zählt Newron in diesem Jahr zu den heißesten europäischen Biotechaktien. Erfüllen beide Phase-III-Studien die klinischen Endziele, steht die Newron-Aktie vor einer Neubewertung. Dementsprechend hoch ist die Erwartungshaltung. Die höchsten Kursziele der Analysten liegen zurzeit bei 78,00 EUR, was fast dem Vierfachen des aktuellen Kursniveaus entspricht.
Das Zeug zum Kursverdoppler hat die Aktie allemal, sollten die zwei zulassungsrelevanten Studien die erhofften positiven klinischen Resultate liefern. Bei einem solchen Szenario wird Newron auch zum Übernahmeobjekt für Pharmakonzerne, die eine Produktpipeline für Nervenerkrankungen besitzen. Im Vergleich zu Intra-Cellular Therapies und Karuna Therapeutics, zwei US-Biotechs mit marktreifen Kandidaten gegen Nervenerkrankungen, die 2025 für rund 14 Mrd. US-Dollar übernommen wurden, ist Newron Pharma ein Small Cap.
Fazit
Für Newron Pharma wird 2026 zum Schlüsseljahr in der 27-jährigen Firmenhistorie. Der Blick der Märkte richtet sich dabei ganz auf die bis Ende 2026 erwarteten klinischen Resultate mit Evenamide. Wie alle Biotechaktien ist auch Newron Pharma kein Witwen-und-Waisen-Papier. Je nach Ausgang ist der Kurshebel nach oben oder unten enorm. Im Erfolgsfall wird der Aktienkurs durch die Decke gehen und Newron beim Börsenwert die Milliardenmarke knacken. Floppt Evenamide, müssen sich Anleger auf einen massiven Kurseinbruch einstellen. Der jüngste Kursrücksetzer nach der Herbsteuphorie bietet jedenfalls gute Einstiegskurse, um neue Positionen aufzubauen.
Autor/Autorin

Stefan Riedel
Stefan Riedel ist in den internationalen Finanzmärkten unterwegs. Seit 20 Jahren schreibt der passionierte Börsianer für die Plattformen und Publikationen von GoingPublic Media, unter anderem GoingPublic und die Plattform Life Sciences.





