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bm|t ist die Beteiligungsgesellschaft des Freistaats Thüringen und investiert über mehrere Fonds entlang des Unternehmenslebenszyklus. Aktuell managt bm|t 13 Fonds mit einem Gesamtvolumen von rund 465 Mio. EUR und betreut ein Portfolio aus 57 Investee-Partnern.

Plattform Life Sciences: Herr Jahn, bm|t wird oft als „Ökosysteminvestor“ beschrieben. Was heißt das im Life-Sciences-Kontext konkret?

Stefan Jahn, Senior Investment Manager, bm|t beteiligungsmanagement thüringen gmbh. Copyright Foto: bm|t

Jahn: Ökosystem heißt für uns: Wir investieren nicht nur in einzelne Deals, sondern in die ­Bedingungen, unter denen aus exzellenter Forschung tragfähige Unternehmen entstehen. In den Life Sciences sind das frühe Validierung, klar definierte klinische Pfade, IP-Qualität, eine belastbare regulatorische Strategie – und vor allem internationale Anschlussfähigkeit an starke Syndikate. Unser Job ist es ­unter anderem, das Unternehmen und die Gründer so aufzustellen, dass sie in den nächsten Runden nicht „regional“, sondern global investierbar auftreten können.

Wie ist bm|t strukturell aufgestellt – und was ist daran für Gründer relevant?

Wir agieren über mehrere Fonds und können dadurch in unterschiedlichen Unternehmens­lebensphasen begleiten – vom frühen Venture Case bis hin zu Wachstums- und auch Later-Stage-Finanzierungsrunden. Entscheidend ist weniger das Label, sondern die Fähigkeit, Folge­finanzierungen mitzugehen und Runden aktiv zu syndizieren. Im letzten Jahr haben wir bei­spiels­weise an 18 Folgefinanzierungen unserer Investee-Partner teilgenommen – das spiegelt nicht nur unsere Überzeugung wider, dass der Aufbau erfolgreicher Unternehmen Zeit, Bestän­digkeit und Vertrauen erfordert, sondern es ist auch ein Signal an Co-Investoren, dass wir nicht beim ersten Gegenwind aussteigen.

Worin liegt Ihr Investmentfokus innerhalb der Life Sciences?

Wir bevorzugen Technologien mit klarer klini­scher oder versorgungsrelevanter „Value Proposition“. Reine Plattformansätze ohne klar definierte Produktkandidaten sind aktuell schwerer zu finanzieren. Gleichzeitig glauben wir – gerade in volatilen Phasen – an Teams, die mutig genug sind, Evidenz schnell und struktu­riert aufzubauen. Mut ist dabei kein Mindset, sondern ein messbares Execution-Risiko, das wir aktiv managen: über saubere Meilensteine, hohes Umsetzungstempo und stringente ­Priorisierung.

Das Interview mit Herrn Stefan Jahn, Senior Investment Manager, bm|t beteiligungsmanagement thüringen gmbh, ist in der aktuellen Plattform Life Sciences-Ausgabe „Investoren in Life Sciences“, 2 Jg., erschienen. Titelbild. Copyright: Phoenix AI Photo – stock.adobe.com

Können Sie ein Portfoliobeispiel nennen, an dem sich Ihr Investmentansatz konkret nachvollziehen lässt?

Altavo ist ein gutes Beispiel. Es entwickelt eine vollständig nicht-invasive KI-basierte „künstliche Stimme“ für Laryngektomie-Patienten, die artikulatorische Bewegungen mittels Radarsensorik („Silent Speech“) erfasst und in eine natürlich klingende, personalisierte Stimme umwandelt. Das Produktkonzept basiert auf intensiver Zusammenarbeit mit Klinikern und Patienten. Für unser Investment war die über­zeugende Kombination aus klarer Medtech-Produktlogik, einem belastbaren klinischen Entwicklungsprogramm und einer realistisch strukturierten Kommerzialisierungsstrategie entscheidend. In der Series-A2-Runde Anfang 2026 haben wir gemeinsam mit Novalis Biotech im Lead und weiteren Investoren rund 3 Mio. EUR investiert – gezielt für Unternehmensauf­bau, klinische Entwicklung und die Überführung in ein seriennahes Medizinprodukt. Ein weiteres Beispiel ist das Unternehmen SmartDyeLivery aus Jena, das mit nanopartikelbasiertem Drug Delivery eine zentrale Hürde der Wirkstoffent­wicklung adressiert. Nach einer mehrere Mio. EUR schweren Finanzierungsrunde zu Jahres­beginn 2024, an der wir als Lead-Investor beteiligt waren, ist das Unternehmen 2025 in seine erste klinische Studie gestartet. Damit hat sich der Investment Case von einer technologiegetriebenen Plattform zu einem klinisch validierten Entwicklungsansatz verschoben – genau dieser Übergang ist aus VC-Sicht entscheidend. In beiden Fällen agieren wir früh als Anker­investor, strukturieren Syndikate und denken Exitoptionen von Beginn an mit, um ­Unternehmen gezielt auf spätere Wachstums- und Kapitalmarktschritte vorzubereiten.

Was ist aus Ihrer Sicht aktuell die größte Kapitalmarktproblematik für europäische Life-Sciences-Start-ups – und was ist Ihre Antwort darauf?

Das Problem ist nicht, dass es weniger Kapital gibt, sondern: Kapital ist selektiver, Zeitfenster sind kürzer, und der Exitpfad ist unsicherer. Unsere Antwort ist ein aktiverer Finanzierungsplan: klare Value Inflection Points,­frühzeitige Syndikatsarbeit, realistische Runways – und die Bereitschaft, gute Unternehmen auch durch schwierigere Marktphasen zu tragen, statt sie in suboptimalen Runden zu verwässern. Das ist Ökosystemarbeit und Kapitalmarktdisziplin zugleich.

Herr Jahn, herzlichen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Urs Moesenfechtel.

Das Investorenprofil zur bm|t beteiligungsmanagement thüringen gmbh finden Sie auf Seite 65.


Wir freuen uns auf den Austausch mit Ihnen auf der analytica 2026 und unserem Biotech & Finance Day am 26. März. Für die Messe steht außerdem ein begrenztes Kontingent an Freitickets zur Verfügung – melden Sie sich hierfür gerne bei Svea Wiesner.

Autor/Autorin

Redaktionsleiter Plattform Life Sciences at  | Website

Urs Moesenfechtel, M.A., ist Redaktionsleiter der Plattform Life Sciences und gehört zum Redaktionsteam der Kapitalmarkt-Plattform GoingPublic (GoingPublic, HV Magazin, www.goingpublic.de). Urs beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Themenfeldern Biotechnologie und Bioökonomie und war u.a. bereits als Wissenschaftsredakteur für mehrere Forschungseinrichtungen tätig.