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Bildnachweis: madamlead – stock.adobe.com, Bryan, Garnier & Co..

Bryan, Garnier & Co, 1996 in Paris und London gegründet, ist eine auf europäische Wachstumsfirmen ausgerichtete Investmentbank mit Büros in London, Paris, München, Oslo, Stockholm, Reykjavík, Shanghai und New York. Als unabhängige Full-Service-Investmentbank bietet sie umfassende Finanzierungsberatung und Begleitung von ersten Finanzierungsrunden bis zu einem potenziellen Verkauf oder Börsengang mit späterer Anschlussfinanzierung. Das Servicespektrum umfasst Aktienanalysen, Verkauf und Handel von Aktien, private und öffentliche Kapitalbeschaffung sowie M&A-Dienstleistungen für Wachstumsunternehmen und deren Investoren. Die Plattform Life Sciences sprach mit Managing Director Sandrine Cailleteau und Equity Analyst Olga ­Smolentseva über den Investorenblick auf die deutsche Biotechnologie nach dem „Weckruf“ durch BioNTech.

 

Plattform Life Sciences: Hat Corona den Blick der Investoren auf Deutschland/Europa verändert?

Smolentseva: Oh ja – es gibt wirklich einen starken Anstieg des Interesses von internationalen, aber auch europäischen Investoren an Deutschland. Zusätzlich sehen wir mehr Generalisten, die in den Biotechsektor gehen, in den Life-Sciences-Sektor allgemein. Natürlich angestoßen durch BioNTech und CureVac.

Cailleteau: Deutschland ist dank disruptiver Technologien, des Erfolgs von BioNTech und der Pionierarbeit von CureVac im Bereich mRNA wieder an die Spitze der Biotechszene zurückgekehrt. Hieran haben die Investoren Dietmar Hopp, die Strüngmann-Brüder, die MIG-Fonds einen ganz wesentlichen Anteil. Und man kann dabei ja auch den hohen Return sehen, den die großen Impfstofffirmen an ihre Investoren zurückgespielt haben. Das ist schon auch ein klares Argument.

Welche Rolle spielt dabei Bryan, Garnier & Co (BG)?

Cailleteau: Wir waren in Europa die erste Bank, die überhaupt mRNA-Firmen unterstützt hat. Wir haben immer an den transformativen Wert dieser Innovationen geglaubt. Das Einsatzgebiet dieser Firmen war ja überhaupt nicht Infektionskrankheiten, sondern Onkologie. Die Pandemie hat hier nur einen besonderen Schub gegeben, der auch ganz speziell geholfen hat, die Finanzmittel zu erhalten und damit die Produktion, Logistik sowie die enormen neuen Herausforderungen der Infrastruktur zu meistern. Das ganze mRNA-Feld ist nun gleichsam „ertüchtigt“ worden und eben finanziell ausgestattet, die großen Krankheitsfelder zu adressieren. Man schaut nun ganz anders auf die Ambitionen von u.a. BioNTech bei Krebs und anderen Indikationen.

Sandrine Cailleteau: „Wir waren in Europa die erste Bank, die überhaupt mRNA-Firmen unterstützt hat.“

Wie unterstützt BG hierbei?

Cailleteau: Wir sind eine Full-Service-Investmentbank mit einem hervorragenden Zugang zu einem bestimmten Kreis an Investoren, die spezifisches Interesse und Kenntnisse im Healthcarebereich haben, Family Offices, große Organisationen etc. Mit Sitz in London und Paris, auch einem größeren Team in München, wachsen wir beispielsweise in den nordischen Ländern und sind natürlich in den USA. Dort präsentieren wir den europäischen „Innovationsmarkt“ den US-Investoren in sogenannten Non-Deal Roadshows. Dafür braucht es ein kompetentes Equity-Research-Team, das ist sehr groß bei BG. Was uns einzigartig macht: Unsere Aktivitäten sind zur Hälfte in Healthcare, hier sind wir wirklich Experten – deswegen besteht eine hervorragende, tiefe Vertrauensbasis in unserem Netzwerk und daher auch eine gute Aufnahme dieser Präsentationen sowie eine Weitervermittlung an die Investoren in Übersee.

Smolentseva: Ich covere neben BioNTech auch andere deutsche Biotechfirmen und trage mit den Unternehmensanalysen, aber auch den Technologietrendreports dazu bei, die Investorennetzwerke aufmerksam zu machen sowie über ganze Technologiefelder zu informieren.

Olga Smolentseva: „Wir haben etliche interessante Firmen, die wir unseren Klienten näherbringen.“

Können Sie uns neben BioNTech ein aktuelles Beispiel aus Ihrer Arbeit nennen?

Cailleteau: Beispielsweise Heidelberg Pharma – hier sehen wir das ganze ADC-Feld als sehr spannend an. Wir begleiten das Thema ADCs („antibody drug conjugates“; eine Technologie, die an Antikörper zusätzlich wirksame Zellgifte anheftet) intensiv und können dadurch die neueren Entwicklungen entsprechend gut einordnen. Heidelberg Pharma ist das einzige ADC-Unternehmen, das an einer europäischen Börse notiert ist und zudem von der starken Investorengruppe dievini unterstützt wird. Jetzt hat man führende internationale Investoren wie Polar Capital und Invus hinzubekommen und wir haben bei Einladungen zu Präsentationen über ADCs auch das neuentflammte Interesse von Big Pharma erlebt (Roche, ­AstraZeneca, …).

Smolentseva: So ein hochrangiger ADC-Roundtable kommt dann eben zustande, weil unsere Branchencoverage als sehr wertvoll angesehen wird. Hochrangige Investoren waren dabei und dadurch haben wir unsere Mittlerrolle sehr schön einbringen können – einerseits: die interessante Technologie auf den Radar bringen, andererseits: die Investoren dafür interessieren.

Wer spricht BG an – die Investoren, die Firmen, die Börsenplätze?

Cailleteau: Wir werden von Firmen direkt angesprochen und analysieren ständig und tiefgehend die europäischen Ökosysteme. Wir helfen damit dem institutionellen Anleger beim Management des eigenen Investmentportfolios, indem wir uns sehr detailliert und mit reichhaltiger Erfahrung mit den möglichen Unternehmen beschäftigen.

Woran lässt sich das gesteigerte internationale Interesse an der Biotechnologie aus Deutschland noch festmachen?

Smolentseva: Mitten im Jahr 2020 über eine der ersten SPACs als deutsche Firma an die US-Börse zu gehen, wie es Immatics geschafft hat – das ist so ein Anzeichen. Auch für Affimed aus Heidelberg entwickelt sich das US-Börsenlisting positiv, weil der Deal- und Newsflow stimmen.

Cailleteau: Die hohen Finanzierungsrunden bei T-knife und CatalYm sind weitere Anzeichen, dass sich an dem Finanzierungsumfeld etwas verbessert, denn das waren und sind hauptsächlich internationale Investoren in diesen Firmen. Wir hoffen natürlich, dass diese Firmen dann den Weg an die Börse gehen, aber man sollte das auch nicht zu früh machen. Europäische Firmen vollziehen häufig ein sehr frühes Listing, aber es ist sehr wichtig, auch an die Zeit nach dem IPO zu denken – und dafür braucht man eine breitere Pipeline, die einen guten Newsflow für einen längeren Zeitraum ermöglicht.

Wie können nun ganz allgemein weitere deutsche Biotechnologiefirmen von dem gesteigerten Interesse der Investoren profitieren – und in welchen Bereichen besonders?

Cailleteau: Da eine Gruppe erfahrener Investoren in Deutschland über einen langen Zeitraum hinweg starke Unterstützung geleistet hat und nun die Früchte ihrer Investition erntet, sollte dies mehr Mittel in innovative Unternehmen ziehen und dazu beitragen, mehr BioNTech-ähnliche Unicorns zu schaffen. Diese boomende Biotechszene in Deutschland ist dabei eine Chance für die Neueinschätzung anderer Unternehmen in speziellen Bereichen der Onkologie, etwa der Radiopharmazie, und dabei reifere Unternehmen wie Eckert & Ziegler sowie ITM, aber auch Biotest bis hin zu Medtechunternehmen wie Dräger. Auch gibt es potenzielle Neueinsteiger für die Börse wie z.B. Otto Bock, ein führender Akteur im Bereich der Orthopädie – diese alle profitieren von der höheren Aufmerksamkeit. Die Firma Novaliq hat beispielsweise zwei Produkte in der klinischen Phase III. Das sind doch jedenfalls spannende Zeiten und man kann viel erwarten aus der deutschen Biotechszene.

Es gibt also für Sie gerade viel zu tun?

Smolentseva (lacht): Oh ja, wir haben etliche interessante Firmen, die wir unseren Klienten näherbringen. Und zu den bekannten und hoch spezialisierten Investoren kommen auch die Generalisten in den Healthsektor. Dort müssen wir manche Dinge ganz anders aufbereiten und erst noch das Verständnis für einzelne Technologiefelder entwickeln.

Cailleteau: Wir hoffen natürlich, dass diese Generalisten sehr bald Spezialisten sind und auch längerfristig in diesem Bereich bleiben werden – das wäre eine schöne Bestätigung unserer Arbeit.

Wir danken für dieses Gespräch.

Das Interview führte Dr. Georg Kääb.

 

ZU DEN INTERVIEWPARTNERINNEN

Sandrine Cailleteau ist Managing Director im Corporate Finance Team von Bryan Garnier Healthcare und berät Unternehmen bei deren Wachstumsfinanzierung und M&A-Anforderungen. Als Halb-Deutsche und Halb-Französin arbeitet sie eng mit dem Münchner Team von Bryan Garnier zusammen, um deutsche und weitere DACH-Unternehmen zu unterstützen. Sie hat zuletzt insbesondere BioNTech und Heidelberg Pharma beraten.

Olga Smolentseva, PhD, ist Equity-Research-Analystin mit Schwerpunkt auf europäischen Biotechnologieunternehmen, einschließlich der Berichterstattung über BioNTech und Heidelberg Pharma. Sie hat einen Doktortitel in Zell- und Molekularbiologie von der NYU School of Medicine (USA) und ist außerdem eine FINRA-zertifizierte Finanzanalystin.

Über den Autor

Holger Garbs ist seit 2008 als Redakteur für die GoingPublic Media AG tätig. Er schreibt für die Plattform Life Sciences und die Unternehmeredition.