Bildnachweis: ITM Isotope Technologies Munich SE, ITM Isotope Technologies Munich SE. .
Die JPM Healthcare Conference 2026 sendete aus Sicht von ITM-CEO Dr. Andrew Cavey ein klares Signal: Der Biotechnologiesektor gewinnt wieder an Dynamik – getragen von klinischen Fortschritten, wachsendem Investoreninteresse und kommerziellen Erfolgen. Im Gespräch mit Plattform Life Sciences erläutert er, welche strategischen Schwerpunkte ITM daraus für 2026 ableitet. Von Urs Moesenfechtel
Herr Dr. Cavey, wie entwickelt sich aus Ihrer Sicht der Markt für Radiopharmazeutika?
Radiopharmazeutika entwickeln sich zunehmend vom Nischen- zum Mainstream-Segment, parallel zu einer breiteren Verschiebung in der Biotechnologie hin zu Unternehmen, die zielgerichtete und präzisionsmedizinische Therapieansätze entwickeln. In diesem Kontext hat sich die Radiopharmazie als eines der innovativsten und dynamischsten Felder innerhalb der Onkologie etabliert. Ein wesentlicher Teil der bisherigen Dynamik in diesem Sektor ist auf die sehr überzeugenden Ergebnisse klinischer Studien mit Radiopharmazeutika zurückzuführen, ebenso wie auf die starken kommerziellen Erfolge einiger der ersten zugelassenen Medikamente.

Welche Innovationsfelder stehen derzeit besonders im Fokus?
Mit Blick auf die weitere Entwicklung des Sektors beobachten wir Innovationen sowohl auf Ebene der eingesetzten Radioisotope als auch hinsichtlich der adressierten Tumorentitäten und molekularen Zielstrukturen. Auf der Seite der Radioisotope wurde das bisherige Wachstum vor allem durch beta-strahlende Radionuklide wie Lutetium-177 getragen, die sowohl die wissenschaftliche Grundlage als auch das kommerzielle Potenzial zielgerichteter radiopharmazeutischer Therapien validiert haben. In diesem Bereich ist ITM seit vielen Jahren ein führender Akteur und bringt seine Expertise in der qualitativ hochwertigen, zuverlässigen Herstellung und Versorgung mit Isotopen ein. Derzeit sehen wir, dass mehrere neuartige Radioisotope für die zukünftige Krebsbehandlung evaluiert werden. ITM investiert hierbei insbesondere in das Potenzial von Actinium-225 und Terbium-161 als nächste Generation therapeutischer Radioisotope.
Neben den Isotopen: Welche Rolle spielen neue Indikationen und Targets?
Darüber hinaus ist ein erneuter wissenschaftlicher Fokus auf den Einsatz radiopharmazeutischer Arzneimittel zur Behandlung neuer Tumorentitäten und zur Ansprache neuartiger molekularer Zielstrukturen zu beobachten. ITM führt beispielsweise klinische Phase-1-Studien mit Wirkstoffen durch, die auf Glioblastome und Nierenkrebs abzielen – zwei Indikationen mit einem hohen ungedeckten medizinischen Bedarf.
Welche zentralen Eindrücke haben Sie von der diesjährigen JPM Healthcare Conference mitgenommen?
Die J.P. Morgan Healthcare Conference hat bestätigt, dass die Dynamik im Biotechnologiesektor wieder zunimmt. Es herrschte eine optimistische Stimmung. Getragen wurde sie unter anderem durch die positive Entwicklung des ersten Nasdaq-IPOs im Jahr 2026 – tatsächlich eines radiopharmazeutischen Unternehmens – sowie durch eine Reihe positiver klinischer Datenereignisse, Finanzierungsrunden und M&A-Transaktionen gegen Ende des Jahres 2025. Nach einem verhaltenen Jahresbeginn 2025 zeigt der Sektor damit erneut seine Fähigkeit, sowohl für Patienten als auch für Investoren Mehrwert zu schaffen. Unverändert gilt jedoch: Langfristig ist und bleibt die Qualität der klinischen Daten der entscheidende Werttreiber.
Welche Bedeutung hatte das Thema Radiopharmazie auf der Konferenz für ITM?
Radiopharmazeutika waren ein zentraler Bestandteil dieser Diskussionen, wobei das zunehmende Interesse von Investoren die Reife des Fachgebiets widerspiegelt. Für ITM ist dies ein ermutigendes Signal. Wir starten mit Vorfreude in das Jahr, insbesondere mit Blick auf mehrere wichtige Meilensteine, darunter die FDA-PDUFA-Entscheidung für ITM-11 im August. Als langjähriger Marktführer in der Versorgung mit Radioisotopen unterstützt das generelle Wachstum des radiopharmazeutischen Sektors unmittelbar die weitere Expansion von ITM – sowohl als Lieferant als auch als Entwickler innovativer Therapien.
Wie wird sich das Jahr 2026 für ITM strategisch weiterentwickeln?
Der Fokus von ITM liegt im Jahr 2026 weiterhin auf zwei zentralen Werttreibern: der Herstellung und Kommerzialisierung von Radioisotopen sowie der Weiterentwicklung unserer breiten Pipeline radiopharmazeutischer Theranostika. ITM-11 bleibt eine zentrale Priorität, mit einem PDUFA-Datum am 28. August 2026. Vorbehaltlich einer positiven Entscheidung der FDA bereiten wir die Markteinführung in den USA noch im Laufe dieses Jahres vor. In diesem Zusammenhang investieren wir gezielt in die Markteinführungs- und Skalierungsbereitschaft, um Ärztinnen und Ärzte sowie die von ihnen behandelten Krebspatientinnen und -patienten optimal unterstützen zu können. Parallel dazu hat unsere zweite Phase-3-Studie COMPOSE (NCT04919226) die Patientenrekrutierung abgeschlossen, wobei weitere Daten im Jahr 2026 erwartet werden.
Welche Rolle spielt dabei die Radioisotopenplattform von ITM?
Gleichzeitig treiben wir die Weiterentwicklung unserer Radioisotopenplattform voran, mit einem klaren Fokus auf Produktionsskalierung und die Unterstützung des gesamten radiopharmazeutischen Ökosystems, einschließlich der Markteinführung von Actinium-225. Mit dem wachsenden Interesse an Radiopharmazeutika steigt auch die Bedeutung einer zuverlässigen Versorgung – ein Kernbestandteil des Beitrags von ITM zu diesem Therapiefeld. Im Jahr 2026 verpflichtet sich ITM, innovative Therapien weiterzuentwickeln und durch verlässliche Herstellung einen breiteren Zugang zu ermöglichen, damit der Fortschritt in dieser Branche letztlich zu einem messbaren Nutzen für Patientinnen und Patienten im klinischen Alltag führt.
Dr. Cavey, herzlichen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Urs Moesenfechtel.
Autor/Autorin
Urs Moesenfechtel, M.A., ist seit 2021 Redaktionsleiter der GoingPublic Media AG - Plattform Life Sciences und für die Themenfelder Biotechnologie und Bioökonomie zuständig. Zuvor war er u.a. als Wissenschaftsredakteur für mehrere Forschungseinrichtungen tätig.






