Es sind die allseits bekannten Ursachen, der demografische Wandel und die steigende Zahl chronischer Erkrankungen, die unser Gesundheitssystem in den kommenden Jahren vor enorme Herausforderungen stellt. Aber auch neue, vor wenigen Jahren noch ungeahnte technische Möglichkeiten wollen und müssen gewinnbringend genutzt werden – zum Wohle der Patienten und ihrer Angehörigen. Dass Ärzte und Krankenversicherungen dazu in der Lage sind oder sein wollen, ist nicht selbstverständlich. Umgekehrt suchen Innovatoren nach Möglichkeiten, ihre Ideen in die Tat umzusetzen.

Erfreulich ist in diesem Zusammenhang, dass Start-up-Unternehmen aus der Medizintechnik im vergangenen Jahr wieder vermehrt in den Genuss von Venture Capital gekommen sind. Laut aktuellem Pulse-Report der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY wurden allein in der Early Stage-Phase weltweit in 2015 rund 1,8 Mrd. USD an junge Medtech-Firmen ausbezahlt – so viel wie seit 2007 nicht mehr. Hier sieht der Leiter des deutschen Life Science-Centers von EY, Dr. Siegfried Bialojan, einen Paradigmenwechsel: „Lange Zeit standen vor allem kurzfristige Erfolge im Fokus, so dass sich Investoren auf große Medtech-Unternehmen konzentrierten, die Dividenden-Ausschüttungen versprachen“, so Bialojan anlässlich der Präsentation des Pulse-Reports. „Diese Strategie kann für die Branche jedoch gefährlich werden, wenn dadurch Gelder für Forschung und Entwicklung fehlen und echte Innovationen verhindert werden. Das Vertrauen, das die Geldgeber jetzt in die Jungunternehmen setzen, zeigt, dass sie auch auf Innovationen bauen.“ Wie wichtig Innovationen sind zeigt auch die Tatsache, dass im vergangenen Jahr rund 15 Mrd. USD in die F&E-Abteilungen der globalen Medtech-Firmen geflossen sind. Das ist nicht nur ein Anstieg um 6% im Vergleich zum Vorjahr, dieser Wert ist zudem seit 2009 auch kontinuierlich gestiegen.

Innovationen kommen!

Allerdings: Steigende Ausgaben im Bereich Venture Capital oder F&E sind auch notwendig. Denn der technologische Fortschritt schreitet nahezu unaufhaltsam voran und viele  Firmen müssen zusehen, den Anschluss nicht zu verpassen. Dabei geht es vor allem um bekannte Schlagwörter und Themen wie „Big Data“, „Digitalisierung“ oder „mobile Technologien“. Dadurch entstehen Wachstumschancen, die für viele Verantwortlichen vor Jahren noch undenkbar waren. „Intelligente Medtech-Geräte können sich über das Internet verbinden und wichtige Daten austauschen. Mittels Big-Data-Analyse lassen sich etwa für Diabetes-Patienten bessere und effektivere Behandlungen erstellen“, erklärt Siegfried Bialojan.

EY-Experte Siegfried Bialojan: "Geldgeber bauen auf Innovationen." EY
EY-Experte Dr. Siegfried Bialojan: „Geldgeber bauen auf Innovationen.“ EY

Allein in Deutschland gibt es heute mehr als sechs Millionen. diagnostizierte Diabetiker, doch die tatsächliche Zahl wird sogar auf sieben bis acht Millionen geschätzt. Rund zwei Millionen Deutsche brauchen regelmäßig Insulin, dieses kann über Pens oder Insulinpumpen abgegeben werden. „Moderne Technologien beim Diabetes-Management helfen, Akut- und Folgeerkrankungen und die damit verbundenen massiven direkten und indirekten Kosten von Diabetes zu verhindern“, unterstrich BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Joachim M. Schmitt anlässlich des Weltdiabetes-Tages am 14. November.

Schließlich eröffnen Wachstumschancen und neue Technologien auch Raum für neue Partnerschaften, etwa zwischen dem Pharmariesen Johnson & Johnson und der Google-Mutter Alphabet Inc. Beide Unternehmen wollen mit dem Gemeinschaftsunternehmen Verb Surgical Operationen durch Big Data und intelligente Roboter verbessern. Ein anderes Beispiel, so Siegfried Bialojan, sei ein internetfähiger Inhalator für Lungenpatienten, den Boehringer Ingelheim und Qualcomm gemeinsam auf den Weg bringen. Er soll die intelligente Behandlung der Patienten sicherstellen, und zwar unabhängig von deren aktuellem Aufenthaltsort.

Joachim M. Schmitt, BVMed: "Moderne Technologie unterstützen Diabetes-Management." BVMed
Joachim M. Schmitt, BVMed: „Moderne Technologie unterstützen Diabetes-Management.“ BVMed