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Bildnachweis: Corona Borealis – stock.adobe.com.

Wie lange bleibt das Virus?

Corona begleitet uns nun alle schon eine ganze Weile und ein Ende scheint nicht in Sicht. Wie lange bleibt das Virus? Obwohl die Lockerungen allerorts zunehmen, ist Corona nach wie vor omnipräsent. Und auch wenn mit Hochdruck an einem Impfstoff geforscht wird, bleibt es ein Wettrennen gegen die Zeit. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO besteht nur noch eine sehr geringe Chance, den Erreger für immer auszuschalten. Die Welt müsse sich darauf einstellen, dass das Virus für immer bleibe, ähnlich wie das HI-Virus, das die Immunschwächekrankheit Aids auslöst. Allerdings lässt sich mit Letzterem durch die Hilfe von effizienten Medikamenten und Präventionsmaßnahmen recht gut leben. Die einzige kleine Chance, die noch für die Ausrottung von Corona bestünde, sei deshalb die Entwicklung eines hocheffektiven Impfstoffes, so der WHO-Koordinator und Epidemiologe Michael Ryan. Hinzu käme, dass dieser Stoff in ausreichender Menge für die gesamte Welt-Bevölkerung zur Verfügung stehe und die Menschen sich bereitwillig impfen lassen müssen.

Eine andere Strategie verfolgt der Genforscher Hans Lehrach, der am Dahlemer Max-Planck-Institut für molekulare Genetik und am Dahlem-Zentrum für Genomforschung und Medizinische Systembiologie forscht. Der Mitgründer der Firma Alacris Theranostics, bei der auch der Großteil der Entwicklungen zur Bekämpfung der Pandemie läuft, spricht sich für deutschlandweite, flächendeckende und vor allem langfristige Tests aus. Im Kern geht es darum, hochmoderne Gen-Sequenziertechniken für die Tests auf Sars-CoV-2 zu nutzen. „Im Prinzip ist die Idee ganz einfach“, erklärt der Genetiker der Berliner Zeitung. „Wir schicken jedem Menschen in Deutschland etwa fünf Proberöhrchen. Jede Woche öffnet man eins, transferiert eine bestimmte Menge Speichel hinein und schickt es an eine zentrale Sammelstelle.“ In regionalen Analysezentren würden die Proben verarbeitet und sequenziert, sagt Lehrach. „Aus dem Resultat können wir herauslesen, wer im Moment das Virus hat und wer nicht.“ Die Betroffenen müssten in Quarantäne, bis sie nicht mehr ansteckend seien. Um wirklich alle zu erfassen, müssten die Tests einige Male wiederholt werden, etwa fünf Wochen lang. Wenn dies flächendeckend geschehe, dann würde das Virus nach einiger Zeit aussterben, denn es gebe niemanden mehr, den es erreichen könne. „Der Vorteil an diesem Ansatz ist: Wir brauchen auf nichts zu warten. Wir können – nach entsprechenden Vorbereitungen – sofort anfangen. Es sollte sehr rasch gehen. Das Virus sollte innerhalb weniger Wochen verschwinden.“ Zumindest könnte man die Anzahl infizierter Personen „auf ein Niveau reduzieren, das durch Kontaktverfolgung gehandhabt werden kann“.

Entwicklungen an der Impfstofffront

Seit dem letzten, auf Impfstoffe fokussierten Corona-Update, gibt es schon wieder 17 neue Projekte, sodass nun mindestens 138 Impfstoffe untersucht werden. Weltweit werden in der Zwischenzeit bereits 12 der Impfstoffkandidaten in klinischen Studien mit Freiwilligen erprobt. Von einigen der bekannten Projekte gibt es nun auch schon neue Erkenntnisse:

  1. In der klinischen Studie des Beijing Institute of Biotechnology in Zusammenarbeit mit CanSinoBIO wurde 108 Menschen ein Impfstoff namens Ad5-nCoV verabreicht. Dieser beinhaltet abgeschwächte Adeno-Erkältungsviren, die es dem Körper ermöglichen sollen, Proteine zur Immunabwehr gegen das Sars-CoV-2-Virus herzustellen. Die bisherigen Tests versprechen erste Erfolge: Bereits nach 14 Tagen habe sich bei den Probanden eine Immunabwehr gegen das Coronavirus gezeigt, berichtet die Fachzeitschrift The Lancet. Der Impfstoff sei zudem sicher und gut verträglich. Bisher kann man jedoch nur von einem Zwischenerfolg sprechen, denn die endgültigen Ergebnisse der Studie werden erst in sechs Monaten veröffentlicht. „Diese Ergebnisse sind ein wichtiger Meilenstein“, erklärt der Leiter der Studie, Professor Wei Chen. „Jedoch sollten wir die Ergebnisse vorsichtig interpretieren.“ Dass der Impfstoff eine Immunabwehr hervorgerufen habe, bedeute noch nicht, dass er Menschen tatsächlich vor einer Infektion mit dem Coronavirus schütze.
  2. Auch Inovio Pharmaceuticals vermeldet positive Neuigkeiten: Den Angaben zufolge verliefen Tierversuche mit IN0-4800 erfolgreich. So gelang es hier robuste neutralisierende Antikörper- und T-Zell-Immunantworten gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 nachzuweisen. Erste Ergebnisse von Tests an Menschen würden für Juni erwartet.
  3. Ebenso hat die US-Biotechfirma Moderna ermutigende Zwischenergebnisse einer Phase-I-Studie zu seinem experimentellen Impfstoff gegen COVID-19 veröffentlicht. Bei den ersten acht Patienten konnte demnach durch die Behandlung mit dem eigens entwickelten Impfstoff mRNA-1273 tatsächlich eine Immunisierung erzeugt werden.

    Das US-Unternehmen sieht sich auf dem richtigen Weg, obwohl bisher nur Daten von acht Probanden vorliegen. Die FDA hat Moderna bereits eine Phase-2-Studie genehmigt. Phase 3 könnte im Juli folgen. Nach Angaben von Moderna hatte sich zudem in Tierversuchen mit Mäusen gezeigt, dass eine Impfung mit mRNA-1273 die Virusvermehrung in der Lunge verhindert habe.

  4. Auch die beiden deutschen Hoffnungsträger BioNTech und Curevac vermelden positive Ergebnisse. Curevac hatte kürzlich mitgeteilt, dass Tierversuche erfolgreich verliefen und im Juni erste klinische Phase I/IIa-Studien mit gesunden Freiwilligen starten sollen. Um dem möglichen Bedarf gerecht werden zu können, hat das Unternehmen nach eigenen Angaben bereits große Wirkstoffmengen für seinen Impfstoffkandidaten hergestellt. Und  das obwohl noch völlig unklar ist, ob die weiteren Tests die Hoffnungen bestätigen und das Mittel eines Tages eine Zulassung erhält.
    Auch BioNtech aus Mainz baut bereits nach den ersten Versuchen an Probanden mit seinem Impfstoffprogramm BNT162 die Produktionsanlagen aus und akquiriert zusätzliches Personal sowie medizinisches Equipment. Mitgründer und Unternehmenschef Ugur Sahin spricht von zweistelligen Millionensummen alle zwei Wochen allein für Rohstoffe. Auch für diese Ausgaben hat er sich die Unterstützung des US-Pharmaherstellers Pfizer sowie von Fosun Pharma aus China gesichert, die im Erfolgsfall dafür beide den Impfstoff in ihren Ländern vertreiben könnten.

Und obwohl so zahlreiche vielversprechende Projekte in der Pipeline sind, wird es sicherlich noch eine Weile dauern bis ein sicherer Impfstoff in ausreichender Menge vorhanden sein wird. Keiner kann abschätzen wie lange uns das Virus bleibt und dennoch haben einige Länder ihre Notstandsverordnungen bereits aufgehoben und kehren zunehmend zurück in die Normalität. In Deutschland hat Thüringen angekündigt hier einen Vorstoß zu wagen, den viele andere Bundesländer nicht mittragen möchten. Die Entwicklung bleibt spannend und wird von vielen Abwägungen und Diskussionen begleitet werden – das Risiko einer erneuten Infektionswelle ist weiterhin da. Das oberste Gebot heißt wachsam zu bleiben und das Virus nicht zu unterschätzen. Denn es ist nach wie vor da – und keiner weiß im Moment wie lange es bleiben wird.

Quellevfa, Berliner Zeitung