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Bildnachweis: Corona Borealis – stock.adobe.com.

Das bayerische Rosenheim hatte am Wochenende den Grenzwert für Corona-Neuinfektionen binnen sieben Tagen pro 100.000 Einwohnern überschritten. Der Wert lag bei 53,7, die von Bund und Ländern festgelegte Grenzzahl bei 50. Und obwohl der Wert am gestrigen Montag schon wieder abgesunken war traten in Rosenheim diverse Einschränkungen in Kraft. 85 Prozent der Neuinfektionen seien, laut der Behörden, bei Reiserückkehrern, hauptsächlich aus Südosteuropa festgestellt worden. Diese Beschränkungen bleiben je nach Entwicklung mindestens eine Woche gültig. Nicht zuletzt da sich viele Einheimische noch im Urlaub befinden – und das Virus mit nach Hause bringen könnten.

Auch in München beträgt die 7-Tage-Inzidenz inzwischen 30,92. Sie entspricht der Anzahl der für die letzten sieben Tage neu gemeldeten Fälle pro 100.000 Einwohnern. Ministerpräsident Söder will daher mit höheren Bußgeldern für Maskenverweigerer und mehr Kontrollen der Lage Herr werden. Das Innenministerium hat in Kooperation mit dem Gesundheitsministerium einen neuen Bußgeldkatalog erarbeitet, der seit Mitternacht in Kraft getreten ist. Künftig sollen dann auch Polizisten direkt Verwarnungen aussprechen können, bislang waren hierfür die Gesundheitsämter und die Ordnungsämter verantwortlich. „Man müsse die Vernünftigen vor den Unvernünftigen schützen“, so Söder am Montag. „Deutschland müsse einen kompletten Lockdown wie im Frühjahr unbedingt verhindern. Das geht nur, wenn wir jetzt reagieren. Wir müssen die Zügel wieder anziehen und dürfen nicht weiter lockern.“

Reisewarnungen und Testpflichten

Auch die Bundesregierung sieht den Ernst der Lage und hat aufgrund der steigenden Infektionszahlen neben Spanien (ausgenommen der Kanaren) sowie zweier kroatischer Küstenregionen nun auch Paris und die Côte d’Azur zu Risikogebieten ernannt und eine Reisewarnung ausgesprochen. Die Einstufung als Risikogebiet bedeutet, dass für heimkehrende Urlauber eine Testpflicht auf das Coronavirus greift. Bis das Ergebnis vorliegt, müssen sie sich in häusliche Quarantäne begeben. das entscheidende Kriterium für die Einstufung als Risikogebiet ist, in welchen Staaten oder Regionen es in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner gegeben hat. Eine Reisewarnung geht weiter. Sie ist zwar kein Reiseverbot, aber eine abschreckende Wirkung ist beabsichtigt. Und sie hat darüber hinaus eine positive Seite für Verbraucher: Pauschalreisende können so Buchungen kostenlos stornieren.
Im Gleichklang wird jedoch auch davon gesprochen die Testpflicht nach den Ferien wieder fallen zu lassen, um das System hier nicht allzu sehr zu strapazieren und freie Kapazitäten für medizinsiches Personal zu halten. Am Donnerstag möchte die Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten u.a. über diese Planungen beratschlagen.

Entwicklungen an der Impfstofffront

An der Impfstofffront warnen Experten vor übereilten Zulassungen. Anthony Fauci, führender US-Experte für Infektionskrankheiten, warnte daher: „Das Einzige, was Sie bei einem Impfstoff nicht sehen möchten, ist eine Notfallzulassung, bevor Sie Belege für die Wirksamkeit haben. Eine der potenziellen Gefahren, wenn Sie einen Impfstoff übereilt auf den Markt bringen, besteht darin, dass es für die anderen Impfstoffkandidaten schwierig – wenn nicht unmöglich wird -, Testpersonen für ihre Studie zu gewinnen.“
Momentan befinden sich von knapp 180 Projekten (Stand des vfas) sechs Impfstoffe  in Phase III, darunter die Oxford University (UK) in Kooperation mit AstraZeneca Life Science, das Wuhan Institute of Biological Products / das Wuhan Institute of Virology der Chinesischen Akademie der Wissenschaften mit Sinopharm, Sinovac Biotech, Moderna, BioNTech / Pfizer // BioNTech / Fosun Pharma, sowie das Beijing Institute of Biological Products / Sinopharm.
Am Sonntagabend wurde zudem bekannt, dass die US-Regierung eine Notfallgenehmigung für die Behandlung COVID-19-Erkrankter mit Blutplasma erteilt, das Antikörper gegen das Coronavirus enthält. Bislang ist allerdings unklar, wie wirksam Plasma tatsächlich ist, um die Sterblichkeitsrate zu senken. Nach Ansicht der WHO ist die Blutplasma-Behandlung noch in einem experimentellen Stadium und mögliche Nebenwirkungen noch ungeklärt.

„Die Vernünftigen vor den Unvernünftigen schützen“

Der Beginn einer zweiten Corona-Welle kann nun wohl nicht mehr negiert werden und da nicht alle Menschen dasselbe Verständnis für die Dringlichkeit der Maßnahmen mitbringen hält der bayerische Ministerpräsident Markus Söder fest: „Die Kunst ist es jetzt, die Vernünftigen vor den Unvernünftigen zu schützen – und die Unvernünftigen vor sich selbst.“