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Deutsch-chinesischer Biotech-Spezialist

Ohne Probleme verlief dagegen die Übernahme des deutschen Proteinspezialisten Crelux durch WuXi AppTec im vergangenen Jahr. Für den chinesischen Life-Sciences-Konzern ist die Akquisition ein Baustein bei der weiteren Diversifizierung und dem Einstieg in den europäischen Markt. Crelux wurde 2005 gegründet, zählt aber schon zu den Weltmarktführern in seiner Disziplin. Das junge Unternehmen sitzt im Innovations- und Gründerzentrum Biotechnologie (IZB) in Martinsried bei München. Dort ist auch das Biotech-Unternehmen Bicoll stationiert, das ebenfalls starke Verbindungen nach China pflegt. „Bicoll war das erste deutsch-chinesische Biotech-Unternehmen“, sagt Dr. Kai Lamottke, der Bicoll im Jahr 2000 gegründet hat. Die Bicoll-Tochter in Shanghai kam bereits 2001 dazu. Dort arbeitet der Großteil der insgesamt 35 Mitarbeiter, Lamottke selbst verbringt jedes Jahr gut drei Monate in der Wirtschaftsmetropole. Das dortige Labor sammelt und testet Pflanzenproben aus Asien.

Dr. Kai Lamottke, Geschäftsführer Bicoll GmbH
„Bicoll war das erste deutsch-chinesische Biotech-Unternehmen.“ (Dr. Kai Lamottke, Geschäftsführer Bicoll GmbH)

Höhere Ansprüche in China

Bicolls Verbindung nach China entstand durch die langjährige Zusammenarbeit von Lamottke mit chinesischen Wissenschaftlern, die er teilweise seit seinem Studium in Berkeley und München kennt. Bicoll wurde beim Aufbau des Shanghaier Labors sowohl vom deutschen Entwicklungshilfeinstitut BMZ als auch von chinesischen Behörden gefördert. Auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung ist Sponsor des Unternehmens. Trotzdem ist Deutschland nach Lamottkes Beobachtung in Bezug auf die Biotech-Branche weniger ambitioniert als China. Dagegen sei die gesellschaftliche Erwartungshaltung in China gegenüber Wissenschaftlern besonders hoch, was zu Höchstleistung ansporne. „China will sich als wichtiger Akteur in der Biotechnologie profilieren“, sagt der Wissenschaftler und Unternehmer. „Ich würde mich freuen, wenn Deutschland ebenso ehrgeizig wäre.“

FAZIT

Bei der Biotechnologiebranche legt China einen enormen Ehrgeiz an den Tag. Die Regierung in Peking sieht hierin eine der Schlüsselbranchen für die Modernisierung der Wirtschaft. Im Bereich von Forschung und Entwicklung biopharmazeutischer Produkte arbeiten zahlreiche deutsche und chinesische Anbieter bereits intensiv zusammen. Auch haben sich Investoren aus China in Finanzierungsrunden schon an etlichen Start-ups beteiligt. Bei Mehrheitsbeteiligungen und kompletten Übernahmen zeigt ebenfalls die Kurve nach oben – trotz der jüngst verschärften Regularien in beiden Ländern. Dieser M&A-Trend dürfte anhalten. Denn es herrscht in der medizinischen Biotechnologie eine hohe Synergie zwischen deutschem Forschergeist und dem schier unersättlichen Bedarf des riesigen Gesundheitsmarkts in China. Das Rezept für eine grenzüberschreitende Revolution der Branche.

 

Dieser Artikel ist zuerst in der aktuellen Ausgabe 4/2017 der M&A China/Deutschland erschienen.

 

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