Der Automobilzulieferer HELLA sorgte jüngst für Aufmerksamkeit, als Ende Juli über ein mögliches IPO spekuliert wurde. Angeblich – hieß es – wolle das Lippstädter Familienunternehmen noch in diesem Jahr den Schritt aufs Parkett wagen. Weltweite Umsätze in Milliardenhöhe beweisen, dass der Konzern auf der Überholspur fährt. Doch neben der konsequenten Wachstumsstrategie hat der traditionsreiche Automobilzulieferer immer eines im Blick: nachhaltiges und verantwortungsbewusstes Handeln.

Zunächst drehte sich alles ums Licht, als Sally Windmüller im Jahr 1899 die „Westfälische Metall-Industrie Aktien Gesellschaft“ als Spezialfabrik für Laternen, Scheinwerfer, Hörner und Beschläge für Fahrräder, Wagen und Automobile gründete. Damit legte er den Grundstein für den heutigen Automobilzulieferer und erkannte im Zeitalter beginnender Motorisierung schon früh die Trend- und Wachstumsmärkte der Zukunft. Neun Jahre später wurde das einprägsame Warenzeichen von HELLA entworfen und 1926 vom Deutschen Patentamt als Markenzeichen eingetragen. Um die Entstehung des berühmt-berüchtigten Namens wird jedoch seit jeher wild diskutiert: Angeblich wollte Windmüller seine Frau Helene mit der Kurzform ihres Namens „Hella“ ehren und gleichzeitig damit in spielerischer Assoziation auf das Wort „heller“ verweisen.

Entscheidende Wende

Markenname hin oder her – im Jahr 1923 kam es zur entscheidenden Wende, als die renommierte Lüdenscheider Fabrikantenfamilie Hueck die Aktienmehrheit des Unternehmens übernahm. Binnen kürzester Zeit zählte HELLA bereits 1.000 Mitarbeiter und eröffnete 1961 sogar die erste Auslandsfabrik in Australien; später folgte die Expansion nach China. Einen regelrechten Boom erlebten die Lippstädter schließlich ab den 90er Jahren, als sich die Mitarbeiterzahl weltweit auf 20.000 erhöhte. Um die Kompetenzen des Unternehmens in weiteren Kernbereichen voranzutreiben, erweiterte HELLA sein Netzwerk strategisch und ging ab 1998 die ersten Joint Ventures für Klimasteuerung und Front-Ends ein. Heute ist der Automobilzulieferer an mehr als zehn Joint Ventures beteiligt.

HELLA Profil

Kapitalmarktluft schnuppern

Um das weitere Wachstum des Konzerns auch künftig zu finanzieren, entschloss sich der Konzern, im Oktober 2009 eine 7,25%-Anleihe zu begeben. Mit diesem Schritt öffnete sich das Familienunternehmen zum einen für den Kapitalmarkt und konnte zum anderen 300 Mio. EUR einsammeln. Natürlich teuer, doch das war auch 2009. Ehe die Anleihe in diesem Oktober fällig wird, hat HELLA – neben einer weiteren 2,37%-Anleihe – Anfang des Jahres einen weiteren Bond mit einem Coupon von nunmehr nur noch 1,25% platziert: Das Orderbuch der zur Refinanzierung genutzten Anleihe war sechsfach überzeichnet.

Auch sonst scheint die Wachstumsstrategie aufzugehen, so zählt HELLA zu den Weltmarktführern bei Elektronikprodukten und gilt als größte Handelsorganisation für Kfz-Teile in Europa. Im Geschäftsjahr 2013/14 (vorläufig testiert) konnte HELLA Umsätze von rund 5,3 Mrd. EUR erzielen, wovon 26% in Asien und 19% in Nord- und Südamerika generiert wurden. Die wohl am stärksten ausgebauten Geschäftsbereiche Licht und Elektronik erzielten im letzten Geschäftsjahr Umsätze von 1,9 Mrd. EUR bzw. 2 Mrd. EUR. Im Bereich Licht entwickelten die Lippstädter 2013 immerhin den ersten Matrix-LED-Scheinwerfer mit blendfreiem Fernlicht und erreichten damit einen weiteren Meilenstein ihrer Karriere, der wiederum das Nachhaltigkeitskonzept des Konzerns verdeutlicht. Für die Zukunft ist der Automobilzulieferer weiterhin optimistisch: „HELLA ist mit einer Eigenkapitalquote von 32% und einer verfügbaren Liquidität von über 500 Mio. EUR optimal aufgestellt, die internationale Wachstumsstrategie weiter voranzutreiben“, macht Dr. Wolfgang Ollig, Geschäftsführer für Finanzen und Controlling, deutlich. Falls HELLA sich dieses Jahr also noch wirklich vollständig für den Kapitalmarkt öffnet, stünde dem Konzern ein nächster wichtiger Meilenstein bevor.

HELLA AnleihenübersichtNachhaltigkeit stärken

Neben dem strategisch wichtigen wirtschaftlichen Wachstum der letzten Jahre haben sich die Westfalen in den letzten Jahren vor allem auch als Familienunternehmen, das verstärkt auf Nachhaltigkeit setzt, positioniert. So verfügt der Konzern über ein breites Spektrum an Produkten, die zur Kraftstoffeinsparung bzw. zur Reduktion des CO2-Ausstoßes beitragen – sowohl im Elektronik- als auch im Lichtbereich. Nicht nur durch spezielle Produkte wie beispielsweise das energieeffiziente LED-Straßenbeleuchtungskonzept „Eco StreetLine“ möchte HELLA zum Umweltschutz beitragen, sondern in erster Linie auch durch die konsequente Einhaltung hoher Umweltstandards in Entwicklung und Produktion. Diese Standards sind in Richtlinien und Zertifizierungsvorgaben genau festgelegt und gelten weltweit für alle Standorte. Zudem sei der Konzern nach eigenen Aussagen stets bestrebt, an allen Standorten ständig neue Potenziale zum Umweltschutz auszuschöpfen.

Fazit

Falls der Automobilzulieferer sich wirklich für den Gang an die Börse entscheiden sollte, wäre es eines von wenigen (börsennotierten) Unternehmen, für die nicht nur der wirtschaftliche Erfolg an erster Stelle steht, sondern auch nachhaltiges und verantwortungsvolles Handeln. Somit wäre HELLA ein gutes Beispiel dafür, dass traditionelle Familienwerte gepaart mit umweltbewusstem, fortschrittlichem Denken und Kapitalmarkt durchaus harmonieren können.

 

Über den Autor

Die GoingPublic Redaktion informiert über alle Börsengänge, Being Public, Investor Relations, Tax & Legal, Themen und Trends rund um die Hauptversammlung sowie Technologie – Finanzierung – Investment in den Lebenswissenschaften.