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Wie sieht der perfekte Geschäftsbericht aus: umfangreich oder minimalistisch, nüchtern oder emotional, integriert oder konventionell? Die Zukunft des Geschäftsberichts ist offen – ein kritischer Blick auf seine Gegenwart lässt aber wegweisende Trends erkennen. Von Philipp Mann, MPM Corporate Communication Solutions

Nicht nur zeitgemäße, sondern auch zukunftsfähige Konzepte – die brauchen alle, die sich im Corporate Reporting engagieren. Während die Branche diskutiert, in welche Richtung es gehen soll – mehr Imageinhalte? Vergrößerung des Medienportfolios? Integration angehen? –, braucht es für die konkrete Entwicklung von Corporate-Reporting-Konzepten oft einen „Realitätscheck“. Fakten, Fakten, Fakten: Damit können wir den Standort bestimmen und ermitteln, welche Wege Unternehmen tatsächlich wählen.

Abb. 1: Trend: Ups and Downs in allen Kategorien. Quelle: MPM Communications.
Abb. 1: Trend: Ups and Downs in allen Kategorien. Quelle: MPM Communications.

Um eine solche Basis zu schaffen, erstellen wir bei MPM seit 2014 jährlich eine detaillierte Analyse der DAX30-Geschäftsberichte. Auch im Anschluss an die aktuelle Berichtssaison haben wir wieder Inhalte, visuelle Umsetzung und Medienportfolio genau unter die Lupe genommen – und die wichtigsten Trends identifiziert.

Anzahl der Print-Ausgaben geht zurück

Im vergangenen Jahr entschied sich nur thyssenkrupp gegen einen gedruckten Geschäftsbericht. Dieses Jahr waren dagegen schon fünf der 30 Geschäftsberichte 2016 nicht als Druckwerk bestellbar.1 Einigkeit besteht hingegen beim PDF-Format: Alle 30 Unternehmen stellen es ihren Lesern zur Verfügung.

Integrated Reporting schreitet nur langsam voran

Auch weiterhin veröffentlicht mehr als die Hälfte der DAX30-Unternehmen ihren Geschäftsbericht getrennt vom Nachhaltigkeitsbericht. Nur vier Unternehmen berichten integriert. BASF, Bayer und SAP sind hier immer noch die Vorreiter mit Erfahrung. Erstmals in diesem Jahr veröffentlichte auch thyssenkrupp einen integrierten Bericht.

Nach wie vor „vielseitig“

Trotz rückläufiger Anzahl der Print-Ausgaben: Der durchschnittliche Seitenumfang eines Geschäftsberichts beträgt noch immer 254 Seiten. Damit steigt der Schnitt um zehn Seiten gegenüber dem Vorjahr. Die Spanne ist dabei groß: Sie reicht von 96 bei Beiersdorf bis 536 Seiten bei der Deutschen Bank.

Image-Inhalte:  Reduktion und Auslagerung

17 der DAX30-Geschäftsberichte haben einen Imageteil. Sein Umfang variiert zwischen neun und 89 Seiten. Mehrheitlich wird der Image-Content derzeit in den Bericht integriert. Aber hier zeichnet sich eine Veränderung ab: Bereits sieben Unternehmen haben sich dafür entschieden, die Imagethemen aus dem Finanzbericht zu lösen und als separates Magazin zu veröffentlichen. Gleichzeitig werden die aufbereiteten Inhalte auch online gespielt – um Nutzen und Reichweite zu erhöhen.

Ansprache mit Tradition

Nach wie vor am weitesten verbreitet: der Brief des Vorstandsvorsitzenden. 27 Unternehmen greifen auf diese klassische Form der Stakeholder-Ansprache zurück. Frischer Wind kommt von ProSiebenSat.1 und RWE, die ein Interview veröffentlichen. Einzig Siemens verzichtet komplett auf ein Vorwort seines Vorstandsvorsitzenden.

Online-Geschäftsbericht als Hybridlösung

Nur noch 17 von 30 Unternehmen erstellen einen eigenen Online-Geschäftsbericht. Unter ihnen haben sich insbesondere die Full-HTML-Versionen verringert, von 17 im Jahr 2013 auf aktuell nur noch zehn. Die Tendenz scheint zu einer Hybridlösung aus Imageteil in HTML und Finanzteil als PDF zu gehen. So sind 2016 sechs Unternehmen vorgegangen. Es zeigt sich, dass die Verantwortlichen die Budgets stärker im Blick haben.