Schon seit 1996 gibt es den Wettbewerb „Der beste Geschäftsbericht“. Dabei werden die Druckwerke der wichtigsten börsennotierten Aktiengesellschaften in Deutschland genau unter die Lupe genommen. Wissenschaftlicher Leiter ist Professor Jörg Baetge von der Universität Münster, Veranstalter das Wirtschaftsmagazin BILANZ. Die wichtigsten Tendenzen in diesem Jahr.

Was ist typisch für die Siegerberichte? Professor Jörg Baetge nennt drei wichtige Punkte: „In solchen Druckwerken finden Anleger ein hohes Maß an Informationsbereitschaft, das weit über das gesetzlich geforderte Maß hinausgeht.“ Dies zeige sich auch darin, dass diese Unternehmen viele quantitative Angaben veröffentlichen würden. „Zudem gibt es umfangreiche Erläuterungen, die die Unternehmensentwicklung aufzeigen und auch die Ursachen benennen“, sagt Baetge. Außerdem sei für die Berichterstattung der Besten typisch, dass sie publizierte Informationen durch Abbildungen, Übersichten, Diagramme oder Tabellen veranschaulichen und in Bezug zu den Vorjahresangaben setzen würden. „So bekommen Anleger einen Überblick über die zeitliche Entwicklung wichtiger Wirtschaftsdaten“, erläutert Baetge. Denn: „Ein Bild oder eine Tabelle sagt mehr als tausend Worte“ (siehe Interview).

Schwachstelle Prognosebericht

Viele Geschäftsberichte haben aber noch Defizite: „Im Konzernlagebericht bleibt der Prognosebericht ein Sorgenkind“, weiß Dr. Benedikt Wünsche, Geschäftsführer der Baetge Analyse. „In keinem anderen Teilbericht ist die Spreizung zwischen guter und schlechter Berichterstattung größer.“ Im Konzernlagebericht gebe es zum Teil erhebliche Verbesserungspotenziale in den Bereichen Strategie, Unternehmenssteuerung, Forschung und Entwicklung sowie im Nachtragsbericht. Im Konzernanhang identifizierten die Prüfer Schwachstellen bei den Darstellungen zu Tochtergesellschaften und nicht konsolidierten Unternehmen. „Zu wenig Auskunft gibt es oft über die bilanzierten immateriellen Vermögenswerte, vor allem bei Geschäfts- oder Firmenwerten“, weiß Wünsche.

Ungleiche Voraussetzungen

Wie groß sind die Qualitätsunterschiede in den einzelnen Indizes? „Man kann schon von einer Zwei-Klassen-Gesellschaft sprechen“, so Wünsche. An der Spitze des Rankings liegen ausschließlich Unternehmen aus DAX und MDAX. Diesen Konzernen stehen in der Regel deutlich mehr Ressourcen und auch ein großes Budget für die Berichterstattung zur Verfügung. „Während DAX-Unternehmen oftmals ganze IR-Teams beschäftigen, die nur Berichterstattung und Geschäftsbericht machen, müssen die Verantwortlichen der SDAX- und TecDAX-Unternehmen oft noch andere Aufgaben erledigen“, weiß Wünsche. Selbst die Besten aus SDAX- und TecDAX kommen deshalb im Wettbewerbsvergleich nicht über eine durchschnittliche Bewertung hinaus.

Der Beitrag ist eine Vorabveröffentlichung aus dem GoingPublic-Special „Geschäftsberichte & Trends 2016.“

 

 

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