Akt 2: Auftritt Bundeswirtschaftsministerium

Am Freitag, den 21. Oktober, gibt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) am Abend überraschend einen Widerruf seiner Unbedenklichkeitsbescheinigung bekannt. Es begründet diesen knapp mit Sicherheitsbedenken und verabschiedet sich ins Wochenende.

Die Aktionäre und die Presse sind alarmiert, die Drähte der PR- und IR-Verantwortlichen laufen heiß. Nie zuvor war AIXTRON einem derartigen Medienansturm ausgesetzt. Da das BMWi erst am Montagmittag erste Stellungnahmen abgibt, überbieten sich die Medien zunächst mit Spekulationen. Dass 78% der Aktionäre das CGI-Angebot annehmen wollen, ist in dieser Lage nur noch eine Randnotiz. Die Aktie stürzt von zuletzt fast 6 EUR auf 4,51 EUR ab – der Deal beginnt zu wackeln. Die Abstimmungen mit den US-Rechtsberatern von AIXTRON und der Bieterin werden zunehmend komplexer. Zudem wird die Koordination mit den deutschen und US-amerikanischen Behörden immer aufwändiger. Letztere leiten den finalen Akt des Dramas ein.

Akt 3: Auftritt US-Präsident

Am 18. November empfiehlt das Committee on Foreign Investment in the United States (CFIUS) die Ablehnung des Übernahmeangebots. Es delegiert die Entscheidung – wie im Regelwerk festgelegt – an den US-Präsidenten. Dieser legt aufgrund von „Gefahren für die nationale Sicherheit“ sein Veto gegen die Übernahme des US-Teils der AIXTRON ein. Am 8. Dezember zieht die CGI daraufhin ihr Angebot vollständig zurück.

Die IR-Arbeit der vergangenen Monate, könnte man meinen, war vergeblich. Dennoch: Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass viele Aktionäre dem Unternehmen die Treue gehalten haben.

Meilensteine des Übernahmeversuchs. Quelle: AIXTRON SE
Meilensteine des Übernahmeversuchs. Quelle: AIXTRON SE

Epilog: IR-Arbeit bei freundlicher Übernahme

Heute arbeitet AIXTRON an seiner Neuausrichtung. Das IR-Management entwickelt eine neue Equity-Story und IR-Strategie. In der Financial Community gilt es, Aufbauarbeit zu leisten. Die Aktie hat sich in den vergangenen Wochen auf vergleichbarem Niveau wie im Februar 2016 stabilisiert.

Die Erfahrungen der AIXTRON-Story zeigen, wie wichtig es für IR-Manager ist, sich im Vorfeld einer geplanten Übernahme auf unterschiedliche Szenarien vorzubereiten. Für sensible Branchen bzw. Unternehmen ist die enge Zusammenarbeit mit politischen Entscheidungsträgern unverzichtbar. Um die Zustimmung der eigenen Aktionäre zu sichern, müssen IR-Verantwortliche diese gut kennen und ihre Informationsarbeit individuell auf die Zielgruppen oder sogar Personen zuschneiden. Persönliche Gespräche helfen, eventuelle Vorbehalte zu erkennen und diese entsprechend zu adressieren. Das gilt auch für Multiplikatoren wie Aktionärsvertreter oder Analysten. Nicht zu unterschätzen ist die Rolle der Medien. Diese bleiben – trotz guter Kommunikationsarbeit – naturgemäß nur bedingt steuerbar. Dies gilt – zum Leid eines jeden IR-Managers – natürlich auch für den gesamten Prozess, weshalb ein „Walk-away-Szenario“ schon in der Planungsphase stets bedacht werden sollte. Schließlich kann es auch bei besten Voraussetzungen am Ende immer heißen: „Gescheitert!“.

Der Gastautor Guido Pickert ist Director, Leiter Investor Relations und Unternehmenskommunikation bei der AIXTRON SE.

Der Artikel erschien zuerst in der Februar/März-Ausgabe 2017 des GoingPublic Magazins.

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